BLATTZEIT - Ausgabe Oktober


(Foto: LJN)

Liebe Mitglieder der Landesjägerschaft Niedersachsen,

vor ziemlich genau einem Jahr überschlugen sich die Ereignisse: Ab September 2024 häuften sich die Meldungen und Nachrichten von Feldhasen, die an Myxomatose erkrankt waren. Für mich persönlich war diese Zeit eine der emotional herausforderndsten und schwierigsten Phasen, seit ich im Jahr 2008 ins Präsidium der Landesjägerschaft gewählt wurde: Die Vielzahl von Fotos und Videos, die mich in dieser Zeit erreichten, von apathischen, offensichtlich schwerkranken Hasen, die auch jeden Fluchtreflex vermissen ließen und nur noch dahinvegetierten, hätte jeden Jäger und jede Jägerin zutiefst erschüttert. Hinzu kam die Ungewissheit, was diese damals neue Infektionskrankheit für unsere Feldhasenbesätze bedeuten würde, denn es gab zunächst keinerlei wissenschaftliche Erkenntnisse. Auch das diffuse Infektionsgeschehen mit der unterschiedlichen Betroffenheit teils benachbarter Reviere gab und gibt Rätsel auf. Relativ schnell war aber klar, dass wir es mit einem Seuchenzug zu tun haben, der sich aus dem Kreis Kleve in NRW kommend, mit rasanter Geschwindigkeit insbesondere zunächst in den (süd-)westlichen Teilen Niedersachsens, später dann auch bis in die Mitte des Landes und hinauf bis nach Ostfriesland ausbreitete und der das Potenzial hatte, dramatisch auf die Feldhasenbesätze einzuwirken. Sehr schnell haben wir uns in dieser für uns alle extrem kritischen Lage mit den Kollegen aus Nordrhein-Westfalen intensiv ausgetauscht und es ist eine enge Zusammenarbeit entstanden, die sich bis heute fortsetzt und auch die wissenschaftlichen Forschungsinstitute in beiden Bundesländern einschließt.

Herbst und Winter 2024 waren für uns passionierte Jägerinnen und Jäger in den betroffenen Revieren alles andere als leicht. Über die Entwicklungen haben wir Sie stets auf dem Laufenden gehalten. Aber – und auch das hat mir diese Zeit gezeigt – in jeder Krise, so schwer sie auch ist, liegt manchmal auch eine Chance: Unsere Jägerinnen und Jäger haben einmal mehr unter Beweis gestellt, wie umsichtig und verantwortungsvoll sie vor Ort in den Revieren agieren und mit der Situation umgehen. Gerade in Zeiten, in denen auch die nichtjagende Öffentlichkeit besonders an unserem Handeln interessiert ist, war dies das beste Ausrufezeichen, dass für uns in unseren Revieren nachhaltiges Handeln in Eigenverantwortung keine Worthülse, sondern eine Selbstverständlichkeit ist! Und sie hat auch gezeigt, wie schnell, gut und unbürokratisch die Zusammenarbeit zwischen uns Landesjagdverbänden aber auch den wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen sein kann. Das war extrem wichtig, um das Ausmaß und die Verbreitung nachvollziehen zu können, Handlungsempfehlungen zu entwickeln und so in Teilen jedenfalls, auch vor die Lage zu kommen.

Jetzt, gut ein Jahr nach dem ersten Auftreten in Niedersachsen, können wir sagen: Die schlimmsten Szenarien eines ganz Niedersachsen betreffenden Flächenbrands sind (vorerst) ausgeblieben. Es zeichnet sich aber ab, was leider zu befürchten war: Das Virus ist nach wie vor existent in der Feldhasenpopulation, hochpathogen, und es wird bleiben. Reviere, die im vergangenen Jahr nicht betroffen waren, trifft es nun mit voller Härte – das Infektionsgeschehen bleibt diffus. Aber, auch wenn es zu früh für eine Entwarnung ist, es gibt auch Anlass zur Hoffnung: So gibt es erste Meldungen aus den Revieren in NRW, die als erste von der Seuche betroffen waren, dass dort nicht nur das Infektionsgeschehen deutlich rückläufig ist, sondern die Feldhasenbesätze auch wieder ansteigen. Auch aus einigen Revieren aus Niedersachsen haben wir diese Meldungen erhalten. Nach wie vor sind allerdings noch viele Fragen im Zusammenhang mit diesem Virus offen – wir arbeiten mit Hochdruck daran und haben unter anderen seit diesem Jahr gemeinsam mit dem Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) ein Forschungsprojekt zu neuen Infektionskrankheiten auf den Weg gebracht, bei dem die Feldhasen-Myxomatose einen Schwerpunkt bildet.

Was uns weiterhin Mut machen sollte: Unsere Feldhasen sind grundsätzlich sehr widerstandsfähig: Sie müssen sich mit einer Vielzahl von Infektionskrankheiten auseinandersetzen und das gelingt ihnen bislang. So nährt sich bei uns die Hoffnung, dass ihnen das auch bei der Myxomatose gelingen kann.

Wir alle sind aber aufgefordert, insbesondere in den betroffenen Revieren alles zu tun, um unsere Hasenbesätze zu stützen. Das beginnt mit dem genauen Erfassen der Besätze in unseren Revieren und führt über Maßnahmen zur Biotopverbesserung hin zu einer intensiven Bejagung der Beutegreifer. Das wird uns nicht nur der Feldhase danken, sondern alle Arten der Feldflur!

Waidmannsheil

Josef Schröer

Stellvertretender Präsident der ​Landesjägerschaft Niedersachsens e.V.


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