Überarbeitung der Roten Liste ​der Säugetiere in Niedersachsen

Die Rote Liste der Säugetiere in Niedersachsen wurde nach 32 Jahren überarbeitet (Foto: Canva)

In Niedersachsen gelten mehr als ein Drittel der heimischen Säugetiere als gefährdet oder bereits ausgestorben. Dies gilt allerdings nicht für die jagdbaren Säugetierarten: Dank der Daten der Wildtiererfassung konnten ihre Besätze und Vorkommen realistisch eingeschätzt werden – alle erhielten den Status ungefährdet.


Im Jahr 2025 wurde nach 32 Jahren die Rote Liste der Säugetierarten in Niedersachsen überarbeitet. Die Daten der Wildtiererfassung der Landesjägerschaft und die entsprechenden Mitarbeiter waren bei der Überarbeitung der Roten Liste und der Einstufung jagdbarer Wildarten intensiv eingebunden, insbesondere auch bei der Interpretation der Daten. So konnte eine realistische Bewertung dieser Wildarten erfolgen und entsprechend erhielten alle keine Gefährdungseinstufung. Die Überarbeitung der Roten Liste in diesem Jahr hat damit deutlich gezeigt, wie wichtig die Wildtiererfassung Niedersachsen (WTE) und die aus ihren gewonnenen Erkenntnissen und Ergebnisse sind. Ein ganz besonderer Dank gilt daher allen, die sich in den zurückliegenden mehr als 30 Jahren an der Wildtiererfassung beteiligt und somit jährlich für die entsprechend hohe Qualität der Daten eingesetzt haben. Ohne ihr Engagement und die daraus hervorgegangenen Monitoringdaten wäre es nicht möglich gewesen, die Verbreitung und Häufigkeit für Arten wie die Marderartigen oder auch den Feldhasen in der aktualisierten Roten Liste darzustellen und so für eine valide Bewertung zu sorgen.

Die Bewertung für die Rote Liste folgt einem sehr klaren und strikten Schema. Kurz- und langfristige Trends sowie die gegenwärtige Verbreitung sind relevant, ebenso wie potenzielle Risikofaktoren, die in die Bewertung einbezogen werden

Für viele große Säugetiere liegen kaum oder keine Monitoringdaten vor. Aus diesem Grund sind die WTE-Daten zur Bewertung der Populationsentwicklung besonders wichtig. Auf Basis dieser Monitoringdaten konnte nachgewiesen werden, dass keine jagdbare Wildart eine Gefährdungseinstufung benötigt. Ganz im Gegenteil: Insgesamt wurden für über 11 Arten Daten auf Gemeindeebene für die Bewertung zur Verfügung gestellt. Alle Neozoen wie Waschbär oder Nutria wurden in der Roten Liste nicht bewertet. Dabei konnten sich 3 Arten, bei denen WTE-Daten berücksichtigt wurden, seit der letzten Aktualisierung der Roten Liste im Jahr 1993 in ihrer Einstufung verbessern! Dies sind Baummarder, Dachs und Iltis, die 1993 bei der letzten Veröffentlichung der Roten Liste alle drei noch eine Gefährdungseinstufung hatten.

Laut der aktualisierten Roten Liste des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) gelten 35 Prozent von 74 bewerteten heimischen Säugetierarten als bestandsgefährdet oder bereits ausgestorben. Insbesondere betroffen sind beispielsweise Fledermäuse: Mehr als die Hälfte der in Niedersachsen vorkommenden Fledermausarten gilt als gefährdet. Arten wie der Feldhamster und der Gartenschläfer nehmen stark ab und kämpfen ums Überleben. Der Igel, der früher weit verbreitet war, ist inzwischen durch Gefahren wie Rasenmähroboter und Straßenverkehr bedroht und befindet sich nun auf der Vorwarnliste. Die Rote Liste soll zukünftig alle 5 Jahre überarbeitet werden.

Reinhild Gräber/LJN