Schleppjagd am Schloss Clemenswerth und Ausstellung „Gejagt – Geliebt – Gefürchtet“Zwischen Geschichte und Gegenwart

Die Cappenberger Meute nach erfolgreicher Präsentation der Parforce-Jagd (Foto: Anika Börries)

Wenn in Sögel die Hörner erklingen und die Cappenberger Meute mit freudigem Geläut den Schlossplatz von Clemenswerth erfüllt, dann lebt ein Stück Jagdgeschichte auf. Bereits zum 66. Mal lud der Reit- und Fahrverein Sögel Ende September zur traditionellen Schleppjagd ein – in diesem Jahr bei fast spätsommerlichen 20 Grad. Rund 60 Reiterinnen und Reiter, einige davon vor der Kutsche, versammelten sich nach der feierlichen Hubertusmesse, begleitet von der Jagdhornbläsergruppe Clemenswerth, vor der barocken Kulisse des Schlosses. Jagdherr war in diesem Jahr Werner Gerdes.

Die rund 15 Kilometer lange Strecke führte über Wiesen, Wälder und Hindernisse – doch gejagt wird hier längst nicht mehr. Die Schleppjagd ist eine choreographierte Reminiszenz an die alte Parforcejagd: Eine künstlich gelegte Duftspur aus Fischtran ersetzt die Fährte des Wildes. Die Foxhounds der Cappenberger Meute – rund 20 Hunde – waren kaum zu bändigen und erwarteten den Start mit sichtbarem Eifer.

Nach erfolgreichem Ritt und Rückkehr zum Schloss gegen Abend folgte das traditionelle Curée: Die Hunde erhielten ihren wohlverdienten Rinderpansen, die Reiter den Eichenbruch als Zeichen jagdlicher Anerkennung. Organisiert wurde das Jagdtreiben vom Reit- und Fahrverein Sögel in enger Zusammenarbeit mit dem Emslandmuseum Schloss Clemenswerth, der Samtgemeinde Sögel und dem Landkreis Emsland – in diesem Jahr eine Veranstaltung mit besonderem Rahmen.

Denn 2025 steht gleich doppelt im Zeichen der Geschichte: Der Reit- und Fahrverein Sögel feiert sein 100-jähriges Bestehen, und das Emslandmuseum Schloss Clemenswerth widmet sich mit der Ausstellung „Gejagt – Geliebt – Gefürchtet. Von Menschen & Tieren“ dem Verhältnis von Mensch, Tier und Jagd im Wandel der Jahrhunderte. Die Ausstellung läuft vom 19. September bis 14. Dezember 2025. Ausgangspunkt ist das Schloss selbst – ein Jagdschloss, das Clemens August von Bayern einst als „Eremitage der Jagd“ errichten ließ. Skulpturen, Stuck und Gemälde zeigen den Kurfürsten als Herr über die Tierwelt, begleitet von der Göttin Diana – Sinnbild einer Zeit, in der Jagd Ausdruck von Macht und Ordnung war.

Museumsdirektorin Dr. Christiane Kuhlmann (l.) hängt gemeinsam mit Anika Börries die Fotografien der Ausstellung auf (Foto: Thomas Wichmann Fotografie)

Heute wird dieses Verhältnis neu befragt. Zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler – darunter Hellen van Meene, Charlotte Dumas, Greta Alfaro, Johannes Gramm und Anika Börries – setzen eigene, oft kritische Akzente in Form von Fotografie, Videografie und Skulpturen. Die Schwarz-Weiß-Serie über die Schleppjagd auf Schloss Clemenswerth von Anika Börries zeigt das leise, fast meditative Zusammenspiel von Mensch, Tier und Landschaft.

Die Fotografin, selbst Jägerin und Naturschützerin, kennt das jagdliche Handwerk und reflektiert zugleich dessen Bedeutung im Heute. So begegnen sich in Sögel Tradition und Wandel auf eindrucksvolle Weise – zu Pferde, im Klang der Hörner und in den Blicken barocker wie moderner Künstler.

 Anika Börries