Foto: Aiko Sukdolak

BLATTZEIT - Ausgabe Februar


(Foto: Kapuhs/LJN)

Wildbrücken sind überlebenswichtig

Liebe Mitglieder der Landesjägerschaft Niedersachsen,


Niedersachsen ist mit einer Fläche von 47.710 km2das zweitgrößte Bundesland in Deutschland. Das von Wäldern, Mooren, Heidelandschaften und Flussauen geprägte Bild zwischen Harz und Nordsee zeigt deutlich: Niedersachsen ist ein Land der Vielfalt. Doch diese Landschaften sind längst keine zusammenhängenden Lebensräume mehr. Der moderne Mensch hat sich eine Infrastruktur geschaffen, die seine Wirtschaftsräume verbindet. Unser leistungsfähiges Netz an Verkehrswegen wird infolge ständig steigender Verkehrszahlen zum trennenden Element für Teile der heimischen Tierwelt. Autobahnen und Bahnlinien durchschneiden das Land wie Narben. Bauwerke wie Wildbrücken oder Tunnel bieten eine Chance, solche Fernstraßen zu queren. Sie sind deshalb kein Luxusprojekt, sondern eine dringende Notwendigkeit für Mensch und Natur.

Für Arten wie zum Beispiel das Rotwild, die Wildkatze oder den Luchs sind große, zusammenhängende Reviere überlebenswichtig. Rotwild wandert saisonal über weite Strecken, Wildkatzen benötigen ruhige Waldkorridore, und der streng geschützte Luchs ist auf genetischen Austausch zwischen einzelnen Populationen angewiesen. Werden diese Wege durch Autobahnen oder stark frequentierte Bahnlinien unterbrochen, drohen Isolation, Inzucht und mehr. Wenn Populationen einander nicht mehr erreichen können, kann es lokal zum Aussterben von Arten kommen. Die Folgen sind nicht nur ökologisch, sondern auch gesellschaftlich spürbar. Jährlich ereignen sich in unserem Bundesland tausende Wildunfälle – auch auf den Autobahnen. Sie gefährden Menschenleben, verursachen hohe Sachschäden und bedeuten nicht selten einen qualvollen Tod für die Wildtiere. Wildbrücken, richtig geplant und begrünt, können hier wirksam Abhilfe schaffen.

Kritiker führen oft die Kosten ins Feld. Doch diese Sicht greift zu kurz. Die Ausgaben für Planung, Bau und Pflege von Wildbrücken stehen langfristig in einem vernünftigen Verhältnis zu den eingesparten Unfallkosten und der Erhaltung der biologischen Vielfalt. Natur- und Artenschutz sind keine Gegenspieler wirtschaftlicher Vernunft – sie sind Teil davon. Niedersachsen hat bereits gezeigt, dass es anders geht. Erste einzelne Wildbrücken entlang großer Verkehrsachsen beweisen, dass die Bauwerke angenommen werden und dass sie die negativen Folgen der Barrierewirkung unserer Fernstraßen mindern helfen. Doch diese Beispiele bleiben bislang Inseln. Was fehlt, ist ein landesweit vernetztes Konzept, das ökologische Korridore wiederherstellt und für einen funktionierenden Biotopverbund sorgt. In Zeiten von Klimakrise und Artensterben entscheidet sich an solchen Projekten, wie ernst es Politik und Gesellschaft mit dem Schutz unserer Lebensgrundlagen meinen. Wildbrücken sind mehr als Beton und Erde. Sie sind ein Symbol dafür, ob wir bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – für zum Beispiel den Rothirsch auf seinen traditionellen Wechseln, für z. B. den Luchs, der lautlos den Wald durchstreift, und letztlich auch für uns. Denn eine Landschaft, die verbindet statt trennt, ist eine lebenswerte Landschaft.

Waidmannsheil,

Ernst-Dieter Meinecke 

Stellvertretender Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V.


Beliebte Artikel


Neues aus unseren Jägerschaften

Regelmäßig erreichen uns zahlreiche Beiträge von unseren Jägerschaften. Eine Übersicht aller Artikel finden Sie hier:

Jetzt lesen

Regional Niedersachsen


Weitere Artikel



BLATTZEIT Ausgabe Februar 2026Auch als PDF-Download

Sie möchten gerne die Print-Ausgabe unseres Mitgliedermagazins als Datei digital blättern? Dann laden Sie sich hier einfach die Ausgabe der BLATTZEIT im PDF-Format runter.


DOWNLOAD