Räuber mit der Maske
Der aus Nordamerika stammende Waschbär ist ungewollt zu einem der am weitesten verbreiteten Neozoon in Deutschland und Europa geworden. Die ersten Waschbären wurden Anfang des 20. Jahrhunderts zum Zwecke der Pelztierhaltung nach Deutschland eingeführt.
Ebenso variabel, wie der Kleinbär in seinem Verhalten, Anpassungsvermögen und in seiner Ernährung ist, so vielseitig ist auch seine Bejagung. Zur Erhaltung der heimischen Biodiversität und entsprechend des gesetzlichen Auftrags zum Management invasiver Arten sind die Ansitz-, Lock- und Fangjagd äußerst effektiv, wenn auch die weitere Ausbreitung nur schwerlich aufzuhalten ist.
Nordhessen und Nordostbrandenburg sind dabei die bekannten Ausgangsorte für die Etablierung des Waschbären in Europa: Im Jahr 1934 wurden zwei Zuchtpaare von Waschbären in der Nähe des Edersees in Nordhessen freigelassen. Vermutlich ergänzt durch weitere zufällige und absichtliche Freilassungen konnte sich dort frühzeitig eine Waschbärenpopulation etablieren. Eine zweite Gründerpopulation in Brandenburg lässt sich auf 25 Tiere zurückführen, die 1945 aus einer Pelztierfarm in Wolfshagen (Brandenburg) entkommen sind. Darüber hinaus gibt es Hinweise (basierend auf populationsgenetischen Analysen), dass weitere Gründungsereignisse stattgefunden haben.
Waschbären in der Landeshauptstadt
Blattzeit-Redakteur Sebastian Kapuhs hat mit zwei Fallenjägern aus Hannover gesprochen. Der Kleinbär ist hier seit etwa 2015 stark auf dem Vormarsch. Im stadtnahen Bereich ist für das jagdlich passionierte Ehepaar Antje und Christian Grünig die Fangjagd das Mittel zum Zweck.
BLATTZEIT: Der Waschbär ist in vielen Revieren mittlerweile etabliert. Ist speziell im Raum Hannover in den letzten Jahren eine weitere Zu- oder gar Abnahme zu spüren?
Ehepaar Grünig: Seit unserer Fallenjagdzeit (2022) ist ein stetiger Zuwachs der Population in Hannover zu bemerken. Sowohl im innerstädtischen Bereich als auch in den Kleingärten und im naturnahen Revier.
Wie macht sich der Waschbär im Revier bemerkbar?
Uns werden von den Bewohnern regelmäßig Zerstörungen von Brutstätten und damit einhergehend die Abwesenheit von Singvögel-Populationen in den Gärten gemeldet. Eine Hauskatze wurde unlängst von einem Waschbären attackiert und getötet. Der extremste Fall war das Eindringen eines Waschbären in ein Kinderzimmer. Immer wieder gehen auch Beschwerden aufgrund zerstörter Blumenbeete, verwüsteter Dachböden und ausgekippter Mülltonnen ein.
Welche Bejagungsstrategien haben sich auf den Waschbären als effektiv erwiesen?
Hauptsächlich betreiben wir die Fangjagd, aber auch beim Pirschen und auf dem Ansitz bejagen wir Waschbären. Effektiv und sicher, gerade im städtischen Bereich, ist jedoch die intensive Fallenjagd. Dabei sei gesagt: Der Waschbär ist sehr neugierig und lässt sich recht einfach fangen.
Welche Fallentypen eignen sich speziell für die Waschbär-Bejagung? Welche Köder und welche Standorte haben sich als fängisch erwiesen?
Wir benutzen ausschließlich mobile Fallen in einfach zu transportierenden Größen, egal ob aus Holz oder Kunststoff. Das ist bei uns notwendig, um die Fallen so schnell wie möglich an verschiedenen Einsatzorten platzieren zu können. Ab und zu fangen wir auch Waschbären mit mobilen Neozoenfallen. Als Köder benutzen wir in den Wintermonaten vorwiegend Rosinen und Schokolade. Eiweißreiches Futter wie Eier oder Hundefutter funktioniert in den Sommermonaten sehr gut. Ebenfalls ideal ist das, was sowieso in den Gärten vorhanden ist und gefressen wird: Meisen-Knödel oder Obst. Fängisch sind zumeist Standorte in der Nähe von Gewässern und verwilderten Gehölzen, wie sie auch in Kleingartensiedlungen zu finden sind. Wichtig ist, dass die Falle immer auf einem angenommenen Wechsel steht. Natürlich eignen sich auch alle anderen Fallentypen für die Waschbär-Bejagung, aber bei uns in der Stadt heißt es: flexibel bleiben!
Haben Sie einen Tipp für das Abfangen der Tiere?
Wir haben sehr gute Erfahrungen mit einem Abfangnetz gemacht. Ein Ende wird über die Falle gestülpt, das konisch zulaufende Ende im Boden verankert. Beim Öffnen der Falle läuft das Tier in den konischen Teil und fixiert sich selbst. Der ruhig verharrende Bär kann dann gezielt mit der Kurzwaffe erlegt werden.
Welche Hygienemaßnahmen sind beim Umgang mit dem Waschbären zu beachten?
Weil der Waschbär ein hochgradiger Parasitenträger ist, sind wir mit den Hygienemaßnahmen im Umgang mit der Fallenjagd sehr sensibel. Desinfektion ist das A und O. Das Tragen von Einmalhandschuhen ist obligatorisch. Die Reinigung der Fallen findet grundsätzlich nur mit Mundschutz und Handschuhen statt. Unser Hund wird zu keinem Zeitpunkt auch nur in die Nähe der Falle gelassen. Der Transport von erlegten Tieren findet ausschließlich außerhalb des Fahrzeuges, mittels eines Transportkorbes statt. Die Fanggeräte werden nach jedem Fang gespült und desinfiziert.
Herbeigerufen
Auch die Lockjagd auf den Waschbären kann sehr effektiv sein, vorausgesetzt man kennt sein Revier, die typischen Wechsel und Schlafbäume. Mit den Lockern der verschiedenen Hersteller lassen sich unterschiedliche Rufe nachahmen. Das Kampfgeschrei scheint hierbei eine starke Lockwirkung auszulösen, sind Nahrungskonkurrenten und konkurrierende Rüden nun mal nicht gern gesehen. Dieser Ruf wirkt übrigens ganzjährig und ist nicht an eine bestimmte Phase, wie die Ranz gebunden. Je nach Wetter, Wind und Umgebungsgeräuschen hallen die Rufe durchaus 300 bis 400 Meter wirksam in den Bestand. Mit einem mobilen Ansitz oder getarnt mit Pirschstock ist durchaus mit neugierigem und schnell anwechselndem Wild zu rechnen. Eine kombinierte Waffe scheint hierfür also genau richtig – beispielsweise in der Kombination .222 Rem und 12/76. Sebastian Kapuhs