Zur 60. „Elm“

Die „Elm-Schweißpüfung“ gehört zu den drei bekanntesten ihrer Art (Foto: Kauer/DJV)

Verbandsschweißprüfung des Jagdgebrauchshundvereins Braunschweig in Zusammenarbeit mit der Jägerschaft Helmstedt

Die „Elm“ wurde in diesem Jahre 60 Jahre alt, als „Niedersächsische“ Schweißprüfung erheblich älter. Ein runder Geburtstag war zwar zu begehen, von einem besonderen Rahmen wurde jedoch abgesehen, hatte man doch erst im Vorjahr den 90. Geburtstag des JGV Braunschweig entsprechend festlich begangen. So galt es in diesen Tagen, die bewegte jahrzehntelange Geschichte der Prüfung etwas zu „verinnerlichen“: Es gab genug Stoff für Gespräche und sich zu erinnern. So trafen sich am Freitag, am Vortage der Prüfung, die schon anwesenden Teilnehmer der Prüfung wie auch Gäste in der um 1250 gegründeten, mitten in Schöningen gelegenen, wuchtigen Pfarr- und Marktkirche, zeitweise wohl auch Wehrkirche, St. Vincenz zu einer Hubertusmesse, die einfühlsam unter Mitwirkung der Schöninger Jagdhornbläser von der Pastorin Annika Meyer zelebriert wurde. Ihr schloss sich, was oft zu kurz kommt, ein gemeinsamer Abend an.

Von der Ausschreibung der Prüfung bis zum Verblasen der Strecke und der „Preisverteilung“ sind keine unsichtbaren Geister oder Heinzelmännchen am Werk, sondern eine geräuschlose, geschmeidige Regie setzt ein profundes Wissen um eine Schweißprüfung und die Besonderheiten der „Elm“ voraus. Routiniert und mit umfassendem Wissen nehmen Henning Johns und Silvia Mehmel-Edeler sich dieser Aufgabe seit etwa einem Jahrzehnt an. Ersterer, als Vorsitzender des JGV Braunschweig, als Landeshundeobmann in Niedersachsen und Vorsitzender der Stammbuchkommission des JGHV, verfügt über die erforderliche Expertise wie auch seine „Partnerin“, seit langem 2. Vorsitzende des Vereins und seit Jahrzehnten erfolgreiche Schweißhundführerin. Als Dritter in diesem Bunde muss erwähnt werden Hubert Böning, Kreisjägermeister und Vorsitzender der Jägerschaft Helmstedt, mit der sich der JGV Braunschweig in Bezug auf die „Elm“ zu einem „Joint Venture“ zusammengefunden hat. Böning, Staatssekretär a. D., lässt es sich nicht nehmen, an den zwei Tagen vor der Prüfung als Sach- und Ortskundiger die Fährten mit vorzubereiten und am Prüfungstage selbst in dieser Eigenschaft Richtergruppen zu begleiten. Böning ist Führer eines Hannoverschen Schweißhundes und anerkannter Nachsuchenführer, erfolgreich mit einer Bracke im Elm.

Zur 20-Stunden-Fährtenschuh-Prüfung waren zwei Hunde gemeldet, der Führer einer Kleinen Münsterländer-Hündin musste bedauernswerterweise absagen. Jan Henning Dohrmann aus Seevetal führte seinen Brandlbrackenrüden „Becks vom Wacholderholz“ erfolgreich mit dem Prädikat FsII/.

Nach der Prüfung wird die Strecke verblasen, ehe die Ergebnisse bekannt gegeben werden (Foto: privat)

Zur Verbandsschweißprüfung waren 9 Hunde gemeldet und erschienen, darunter 2 English Springer Spaniels, eine Deutsche Bracke, 2 Deutsch Langhaar, 1 Kurzhaarteckel, 1 Bayerischer Gebirgsschweißhund sowie 1 Deutsch Drahthaar. Von diesen wurde auch auf der 40-Stunden-Fährte mit Erfolg (Sw/III) geführt von Alex Deitermann aus Osnabrück die English Springer Spaniel Hündin „Evi vom Höfischen Holz“. Auf den 20-Stunden-Fährten waren erfolgreich Norman Wilke aus Weyhausen mit dem Deutsch Langhaar-Rüden „Ludwig vom Rehbrunn“ mit dem Prädikat swII/ sowie Mario Bechtel aus Isenbüttel mit der DD Hündin „Flocke II vom Oechtringer Forst“ mit dem Ergebnis SwIII/. Die übrigen Hunde hatten leider eine Fehlsuche zu verzeichnen.

Zu den erfolgreichen Arbeiten einige Zitate: „Das Vorankommen (Anmerkung: auf der getretenen Fährte) ist allerdings durch offensichtlich starke Verleitungen schwierig. Der Rüde untersuchte das Gelände durch Bögeln und Kreisen sehr intensiv. Es war beeindruckend, welchen Willen und welche Ausdauer der Hund zeigte, die Fährte voranzubringen.“ Und: „Der Hund arbeitet die Fährte sicher, korrigiert sich selber … Der Hundeführer hat ein Gespür dafür, wann sein Hund unterstützt werden muss.“ Oder: „Das Gespann verwies insgesamt 15-mal Schweiß- oder Pirschzeichen. Hervorzuheben ist die sehr gute Zusammenarbeit zwischen Hund und Hundeführer.“ Schließlich: „Trotz der offensichtlichen Unsicherheiten im gesamten Verlauf mit sehr viel Hin und Her, Vor und Zurück, Parallelarbeiten, Kreuzen oder Überlaufen der Fährte findet das Gespann nach ca. 1 Stunde und 40 Minuten … zum Stück.“

Diese kurzen Beispiele lassen erkennen, wo es noch mangelt und welche Eigenschaften bei Hund und Führer Erfolgsaussichten eröffnen. Kritisch zu hinterfragen ist vielleicht, ob eine Fährtenarbeit von etwa 100 Minuten noch tolerierbar ist, es kommt indessen auf die Beurteilung eines ganz komplexen Sachverhaltes durch die Richter an, eine Kritik verbietet sich, wenn man nicht selbst Zeuge des Geschehens gewesen ist. Eine zeitliche Limitierung der Arbeit in der Prüfungsordnung selbst erscheint jedenfalls nicht gerechtfertigt.

Nach Verblasen der Strecke versammelte man sich wieder im Prüfungslokal. Dort wurden offiziell die Ergebnisse der Arbeiten bekannt gegeben und die gestifteten Sonderpreise vergeben. Über den Clito-Hödecke-Gedächtnispreis konnte sich in diesem Jahr niemand freuen, denn seine Vergabe setzt eine sehr gute Riemenarbeit voraus. Den Dieter Dröge-Wanderpreis für die beste Arbeit auf der getretenen Fährte erhielt Jan Henning Dohrmann, die vom VDD Niedersachsen gestiftete Vorstehhundstatuette konnte Norman Wilke zuerkannt werden. Ein Höhepunkt der Prüfung ist immer, wenn gegen ihr Ende der Vizepräsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, Meinecke, die Verlosung der Möglichkeit zur Jagdausübung auf einen Rothirsch vornimmt. Traditionsgemäß würdigt die Landesjägerschaft damit die Bedeutung ihrer „Verbandsschweißprüfung“ und zeichnet damit insgesamt das Bemühen um gerechte Nachsuchenarbeit aus. Das richtige Los zog Mario Bechtel aus Isenbüttel, Glückwunsch dazu und Waidmannsheil bei der Jagd auf den Hirsch im nächsten Jahr.

Die Prüfung endete wie die des Jahres 2024 mit dem Versprechen eines Führers: „Ich komme wieder“, was als Kompliment für die diesjährige Prüfung angesehen werden kann.

Heinrich Uhde