Politische Spitze

Social-Media-Fehlschuss

Die Jagd ist im Wandel. Noch nie gab es mehr Jagdscheininhaber in Deutschland als in diesem Jahr. Die Jagd wird moderner, die Jagd wird technischer, die Jagd wird jünger, die Jagd wird weiblicher. Vor allen Dingen wird die Jagd digitaler und am Ende auch transparenter.

Jäger genossen bisher den Ruf als Einzelgänger, die in Feld, Wald und Flur die Einsamkeit und Ruhe suchen. Genau diese Spezies scheint sich langsam zu einer aussterbenden Art zu entwickeln. Denn längst haben modernste Waffensysteme, Spezialfahrzeuge und elektronische Helferlein Einzug in den Jägeralltag gehalten. Die Ruhe weicht ein Stück weit Action und Abenteuer. Auch die Kommunikation ist digitaler geworden. So sind sogenannte „Kill-Shots“, also der gefilmte Abschuss von Wild, mittlerweile normal. Im Internet und auf Social-Media-Kanälen verbreiten sich diese Clips hunderttausendfach.

In den vergangenen Jahren hat sich eine regelrechte Fangemeinde gebildet, die mit großer Leidenschaft Jagdvideos in den sozialen Medien konsumiert und sich mit den Protagonisten über ihre Jagderlebnisse und Jagderfolge freut.

In der jüngsten Vergangenheit ist etwas passiert, wovor seit Jahrzehnten gewarnt wurde: Aktuell sind Videos im Umlauf, die aus dem Kontext gerissene Jagdszenen bekannter Huntfluencer zeigen. Durch den Zusammenschnitt dieser Videosequenzen und entsprechende Kommentare soll bei den Zuschauern der Eindruck entstehen, dass die meisten gezeigten Szenen von strafrechtlicher Relevanz sind. Fakt ist: Solche Social-Media-Werke lassen die Herzen aller Jagdgegner höherschlagen.

Klar ist auch, dass sich jeder – ob als Hobbyfilmer oder Profi – die Frage stellen muss, ob grenzwertige Jagdszenen, sei es als Video oder Foto, in der Öffentlichkeit etwas zu suchen haben. Ja, der Jäger von heute ist mit einem anderen Selbstbewusstsein unterwegs, als es früher einmal der Fall war. Logisch ist aber auch: Man kann nicht nicht kommunizieren. Jeder von uns der Videos postet, hinterlässt mit seinen Bildern im Internet für immer bleibende Eindrücke. Dabei sind einige davon selbst für gestandene Waidleute nur schwer ertragbar.

Wer sich als Jäger und bekannter Influencer in seinem Video dann auch noch über einen augenscheinlich kranken Jagdhund beschwert, der in seiner Schussschneise liegt und ihm seinen Jagderfolg nimmt, muss sich nicht wundern, wenn sich über ihn ein Shitstorm ergießt. Solche Szenen gehören nicht ins Netz, sie gehören noch nicht einmal auf ein Handy. Vielmehr sind sie abstoßend und beschämend.

Nun gilt es aufzupassen, dass unsere Gemeinschaft nicht gespalten wird. Vielmehr müssen wir Jägerinnen und Jäger zusammenstehen und im ehrlichen, aber kritischen Dialog bleiben. Passend zu dieser Herausforderung veranstaltet der DJV in diesen Tagen ein Forum zum Thema Jagdethik. Die Ergebnisse sollen in einem Positionspapier auf dem diesjährigen Bundesjägertag verabschiedet werden.

Parallel dazu gehen wir sicherlich alle gemeinsam davon aus, dass sich die Huntfluencer-Szene selbstkritisch reflektiert und sich ihrer Verantwortung, insbesondere gegenüber jungen und unerfahrenen Jägern, bewusst wird. In diesem Zusammenhang ist jede und jeder Einzelne von uns gefordert, auch sein eigenes Handeln oder das im eigenen Umfeld kritisch zu hinterfragen.

Waidmannsheil

Wulf-Heiner Kummetz