Nutria-Fell verwerten – vom Abbalgen bis zum fertigen Balg
Die Nutria hat sich in vielen Regionen Niedersachsens stark ausgebreitet. Als invasive Art wird sie intensiv bejagt. Neben der Nutzung des Wildbrets lohnt sich auch ein Blick auf das Fell, denn Nutriafelle können vielseitig verwendet werden – vorausgesetzt, sie werden fachgerecht gewonnen und konserviert.
Nutria richtig abbalgen
Das Abbalgen erfolgt ähnlich wie bei Raubwildarten. Zunächst wird das Tier auf den Rücken gelegt. Mit einem scharfen Messer setzt man einen Schnitt von der Afteröffnung bis zum Brustbein. Anschließend werden die Läufe ringsum eingeschnitten.
Das Fell wird nun vorsichtig vom Körper gelöst und nach unten abgestreift. Dabei hilft ein leichtes Ziehen mit den Händen, während mit dem Messer nur dort nachgearbeitet wird, wo das Fell noch fest sitzt.
Am Ende wird der Kopf gelöst und das Fell vollständig abgezogen. Natürlich gibt es auch andere Techniken. So ist das Abbalgend bei einem hängenden Tier auch möglich. Hier ist jedoch Vorsicht geboten. Ein zu dolles Ziehen könnte den Wildkörper versehentlich zerreißen.
Zeitaufwand
Mit etwas Übung dauert das Abbalgen einer Nutria etwa 10 bis 20 Minuten. Anfänger benötigen meist etwas länger. Wichtig ist sauberes Arbeiten, damit das Fell nicht beschädigt wird.
Fell konservieren
Damit das Fell beim Gerber verarbeitet werden kann, muss es nach dem Abziehen konserviert werden.
Dazu wird das Fell:
- entfettet und von Fleischresten befreit
- mit reichlich Salz eingerieben
- an einem kühlen, trockenen Ort getrocknet
Das Salz entzieht Feuchtigkeit und verhindert Fäulnis. Alternativ kann das Fell auch eingefroren werden, bis mehrere Felle gesammelt sind.
Welche Tiere eignen sich?
Nicht jedes Nutriafell ist für die Verarbeitung geeignet. Besonders wertvoll sind Winterfelle von ausgewachsenen Tieren. Die Tiere sollten eine Körperlänge von etwa 50 bis 60 Zentimetern erreichen, damit ausreichend Fellfläche vorhanden ist.
Sommerfelle sind meist dünner und weniger dicht behaart.
Was kann man daraus machen?
Nutriafell ist überraschend vielseitig. Es besitzt eine dichte Unterwolle und wird häufig verwendet für:
- Mützen und Stirnbänder
- Handschuhe
- Kragenbesätze
Besonders beliebt ist Nutria auch für rustikale Jagdaccessoires.
Kosten beim Gerber
Die Kosten für das Gerben liegen je nach Betrieb meist zwischen 30 und 60 Euro pro Fell. Werden mehrere Felle gleichzeitig abgegeben, bieten viele Gerbereien günstigere Sammelpreise an. Wer mehrere Nutriafelle sammelt, kann sie später auch zu größeren Produkten wie einer Decke oder einem Kissen verarbeiten lassen.
Nachhaltige Nutzung
Die Nutzung des Fells ist ein sinnvoller Beitrag zur vollständigen Verwertung des erlegten Wildes. Statt das Fell zu entsorgen, entsteht ein langlebiges Naturprodukt – und gleichzeitig bleibt ein Stück Jagderlebnis erhalten.
Wulf-Heiner Kummetz