BLATTZEIT - Ausgabe September


Ohne Monitoring geht es nicht

Liebe Mitglieder der Landesjägerschaft Niedersachsen,


wie heißt es so schön? Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Die Jagd ist nach wie vor im Wandel – wie unsere Gesellschaft. Umso wichtiger, dass wir Jägerinnen und Jäger in Niedersachsen unsere Werte beibehalten und Verbindlichkeit nach innen und außen deutlich machen.

Unter den Begriff Verbindlichkeit fällt auch das Wort Glaubhaftigkeit. Zu unserer Außenwahrnehmung, aber auch unserem ureigensten Selbstverständnis  unserem Image gehört die Tatsache, dass wir Jägerinnen und Jäger aktiven Naturschutz leistenbetreiben. Dass dieses ehrenamtliche Engagement erfolgreich ist, belegen zahlreiche Untersuchungen, die von der Wildtiererfassung Niedersachsen (WTE) seit 1991 in Niedersachsen mithilfe von uns gelieferten Daten analysiert und wissenschaftlich belegt validiert werden.

Viele hunderttausend Erfassungsbögen über Wildtierbestände und Entwicklungen in Niedersachsen sind seitdem durch das fachkundige WTE-Team ausgewertet worden. Der über die Jahrzehnte entstandene Datenbestand ist aufgrund der Flächenabdeckung und des Umfangs von unschätzbarem Wert.

Was zunächst nach reiner Statistik klingt, ist ein logisches Bild. Denn: Hinter allen Daten stehen unsere Reviere und am Ende die Jägerinnen und Jäger, die mit offenen Augen durch die Natur gehen und aus der Summe aller Beobachtungen ein Bild über die Entwicklung Wildbestände abgeben können.

Wie wichtig dieses Wissen ist, zeigt derzeit kaum ein Beispiel so deutlich wie der Feldhase. Die Myxomatose hat die niedersächsischen Feldhasenbestände seit 2024 in einigen Regionen teilweise massiv getroffen. In besonders betroffenen Revieren verendeten große Teile der Population. Das Virus erreichte hat inzwischen auch Ostfriesland erreicht. Damals wie heute gilt: Die Situation ist dabei keineswegs überall gleich: Während manche Reviere schwere Verluste verzeichnen mussten, blieben andere zunächst verschont. Genau diese unterschiedliche Betroffenheit, die nicht nur in den Landkreisen mit Myxomatoseauftreten zu beobachten ist, sondern z.T. dort auch in benachbarten Revieren,  Unterschiedlichkeit macht das Geschehen so schwer vorhersehbar. Zwar zeigen sich in einigenzelnen Regionen bereits wieder erste Anzeichen einer Erholung, gleichzeitig bleibt das Virus aber in der Feldhasenpopulation präsent. Die WTE 2026 fragt deshalb gezielt nach Hasenbesatz, Fallwild, Myxomatose und den im Revier durchgeführten Zählungen.

Genau hier zeigt sich, was Monitoring leisten kann und wie wichtig eine hohe Teilnahme der Reviere ist.

Über unsere Beobachtungen können wir sofort erkennen, wo Besätze von äußeren Faktoren – wie z.B. Krankheiten wie der Myxomatose – betroffen sind . Zudem sind wir in der Lage, Entwicklungen über Jahre zu vergleichen. Auffälligkeiten werden frühzeitig erkannt, wissenschaftliche Untersuchungen gezielt unterstützt. Außerdem können daraus Entscheidungen ableitet werden – etwa bei der Bejagung, beim Schutz von Lebensräumen oder bei der Frage, welche Maßnahmen zur Stabilisierung eines Bestandes sinnvoll sind. Bei der Myxomatose ist dieses Wissen besonders wertvoll. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler brauchen Tiere und Daten aus den Revieren, um Fragen nach Verbreitung, Krankheitsverlauf, Immunität Vektoren – also den Übertragungswegen –  und möglichen Anpassungen der Population beantworten zu können. Die Jägerschaft liefert dafür etwas, das kein Labor ersetzen kann: den Blick in die Fläche.

Das gilt übrigens nicht nur für den Feldhasen sondern auch für die allermeisten anderen Wildtiere. Der Landesjagdbericht greift schlussendlich genau diese Daten auf und macht sie für Verwaltung, Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit nutzbar. Damit wird unser Monitoring zu einem wichtigen Teil moderner Jagd.

Wir leben Wildtiermanagement. Die Erfassung der Wildtier-Daten ist wahrscheinlich eines unserer stärksten Argumente, wenn es um die Zukunft der Jagd geht: Wir reden nicht nur über Wild. Wir wissen, was draußen passiert. In diesem Sinne noch einmal der dringende Appell an alle Revierinhaber, die ihre WTE-Daten noch nicht abgegeben haben, dies unbedingt zeitnah noch zu tun!  

Waidmannsheil,

Wulf-Heiner Kummetz


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