ASP-Prävention Stationsprüfung 2026
Auch in diesem Jahr organisierte das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) eine Stationsprüfung zum Thema ASP-Prävention. Um eines vorweg zu nehmen: das Land Niedersachsen ist auf den Ernstfall hervorragend vorbereitet.
An zwei unterschiedlichen Veranstaltungsorten wurde auch in diesem Jahr der Ernstfall thematisiert. Dabei stellten sich zwei besondere Schwerpunkte heraus, die nicht nur für Redebedarf, sondern auch für Polarisation und längere Diskussionen unter den, an den Veranstaltungen teilgenommenen teilnehmenden Jägerinnen und Jägern, auslösten.
An diesem Jahr gab es im Rahmen der beiden Veranstaltungen insgesamt vier Stationen – mit den Bereichen Planspiel ASP, Fallenfang, Drohnenbefliegung und Kadaversuchhunde. Während die letzten beiden Punkte vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern inhaltlich bereits durch andere Anknüpfungspunkte zumindest nicht fremd waren, stelle vor allen Dingen das Planspiel die Anwesenden vor Herausforderungen. Das LAVES hat eine Art Brettspiel entworfen, bei dem der zentrale Mittelpunkt eine reale Landschaftskarte eine Rolle spielt. Die Karte ist in Planquadrate unterteilt, simuliert wurde in einem Planquadrat ein Seuchenfall. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen bei diesem Spiel als Team den Krisenstab darstellen, die Lage sondieren und Entscheidungen treffen, wie im Ernstfall vorgegangen werden soll. Spannend war bei der Übung die Tatsache, dass Mitarbeiter aus verschiedenen Kreisveterinärämtern ganz unterschiedlich geschult waren – und unterschiedliche Lösungswege eingeschlagen haben, als am Ende des Spieles empfohlen wurden. Im Kern stand die magische Zahl, dass die Wildschweinpopulation im Falle eines Seuchenausbruches im Kerngebiet auf die beeindruckende Größe von fünf Prozent redudziert werden muss.
Ein ausgesprochen wirkungsvolles Hilfsmittel zur Eindämmung der ASP sollen im Falle eines Seuchenausbruches auch Wildschweinfallen sein, die bereits in anderen Bundesländern im Seuchenfall nachweislich zum Game-Changereffektiv eingesetzt wurden.
Schon bei der Vorstellung der einzelnen Fallenarten merkte man den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine nachdenkliche und zurückhaltende Stimmung an. Sauen mit Fallen fangen und dann erlegen – dieser Gedankengang scheint nach wie vor für viele abweägig. Diese Annahme verstärkte sich im Rahmen des Fallen-Vortrages deutlich. Die Fragen in Richtung des Dozenten machten klar, dass der Fang von Sauen mit Hilfe von Fallen vielen befremdlich ist. Gleichwohl es im Vortrag ausdrücklich um das Aufstellen von Fallen in ASP-Gebieten ging, spielten sich bei den Zuhörern vor dem inneren Auge andere Szenarien ab.
Am Ende steht nach wie vor nicht die Frage im Raum, ob die ASP in Niedersachsen wieder ausbrechen kann, sondern wann. Durch die Erfahrungswerte der vergangenen Jahre in Deutschland oder Polen konnten bereits viele wichtige Erkenntnisse gewonnen werden. Annahmen von vor zehn Jahren haben sich teilweise längst überholt, heute wird in einem Seuchenfall deutlicher besonnener gehandelt. Die Einschränkungen für die Bevölkerung und die Landwirtschaft fallen durch das stetig wachsende Wissen im Vergleich zu den vergangenen Jahren deutlich geringer aus. Deutlich wurde auch, dass eine kleine Populationsdichte einen ASP-Ausbruch nicht verhindern kann – hier macht es zunächst keinen Unterschied, ob viele oder wenige Sauen im Revier sind. Viel wichtiger ist aber die Erkenntnis: Werden die Populationsdichten von vornherein in den Revieren klein gehalten, kann sich die ASP im Falle eines Ausbruches weniger stark vermehren, da es weniger Individuen gibt. Insofern ist die Empfehlung klar: Präventionsmaßnahmen helfen. Die beste Maßnahme ist dabei eine gesunde aber nicht zu große Schwarzwildpopulation in den Revieren.
Wulf-Heiner Kummetz