BLATTZEIT - Ausgabe Dezember
Liebe Mitglieder der Landesjägerschaft Niedersachsen,
ein ereignisreiches Jahr neigt sich dem Ende entgegen – begonnen hat es direkt mit einem „Paukenschlag“: Am 30. Januar 2025 haben wir gemeinsam Geschichte geschrieben: 20.000 Jägerinnen und Jäger haben in Hannover für ein praxis- und tierschutzgerechtes Jagdgesetz demonstriert und gegen ideologisch motivierte Verbote. Es war das erste Mal in unserer 75-jährigen Verbandsgeschichte und allein das zeigt schon die Bedeutung. Es war die größte Demonstration von Jägerinnen und Jägern, sie kam genau zum richtigen Zeitpunkt und sie hat ihre Wirkung auch nicht verfehlt! Das haben uns die unmittelbaren Reaktionen gezeigt, dass lässt sich auch an dem Entwurf ablesen, der dann Mitte Oktober in das offizielle Verbandsanhörungsverfahren gegangen ist: Einige unserer Kernforderungen, für die wir am 30. Januar in Hannover auf die Straße gegangen sind, sind dort berücksichtigt bzw. es wurden kritische Punkte entschärft. Insofern war diese Demonstration ein großer Erfolg, denn ohne diesen maximalen Moment des Protestes, hätte der Entwurf sicher anders ausgesehen – führt man sich die ursprünglichen Pläne noch einmal vor Augen. Dennoch, das ist klar, gibt es auch in diesem Entwurf nach wie vor Punkte, die wir so nicht mittragen können. Zu diesen haben wir umfangreich Stellung genommen – ebenso wie zu den Forderungen, die wir proaktiv eingebracht haben. Wir informieren Sie darüber ab Seite 23.
Das Verfahren selbst wird nun noch einige Zeit in Anspruch nehmen: Das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium wird sich mit allen eingegangenen Stellungnahmen befassen, es folgen Ausschussanhörungen im Landtag und nicht zuletzt die Debatte im Plenum selbst. Wie viel Zeit dies in Anspruch nehmen wird, ist schwer zu bemessen – das erste Halbjahr 2026 wird es vermutlich aber dauern. Diesen parlamentarischen Prozess werden wir weiterhin intensiv begleiten und uns für unsere Punkte einsetzen und kämpfen. Selbstverständlich werden wir aber auch die regierungstragenden Fraktionen beim Wort nehmen: Insbesondere die klarstellenden Worte der SPD-Fraktion, dass es keine Änderungen an unserer bestehenden und bewährten Praxis der Ausbildung unserer Jagdhunde am lebenden Tier geben wird, war und ist eine unserer roten Linien.
Auch auf Bundesebene tut sich etwas in Sachen Jagdgesetz: Der Referentenentwurf zur Aufnahme des Wolfes ins Bundesjagdgesetz liegt nun auf dem Tisch – eine erste Lesung soll im Laufe des Dezembers stattfinden. Der Deutsche Jagdverband begrüßt ausdrücklich, dass es jetzt eine Einigung in der Bundesregierung gibt, wonach es in der heutigen Kulturlandschaft der Regulierung dieses großen Beutegreifers bedarf. Allerdings gibt es noch Nachbesserungsbedarf. So ist es z. B. aus wildbiologischer Sicht wichtig, die Jagdzeiten, abgeleitet aus der Bedeutung der Sozialstruktur innerhalb des Rudels, anzupassen. Zudem muss es eine zweite Säule der Bejagung von Wölfen geben: Die Entnahme schadensstiftender Individuen oder Rudel muss ganzjährig ohne behördliche Anordnung rechtssicher und unbürokratisch möglich sein, wenn sie durch Nutztierrisse auffällig geworden sind.
Neben diesen Gesetzgebungsprozessen hat uns in den letzten Wochen und Monaten aber auch ein anderes Thema in Atem gehalten: die hochpathogene Variante der Vogelgrippe, die bei den Wildvögeln insbesondere die Kraniche betroffen hat. Zweierlei zeigt sich hier: Zum einen ist es beklagenswert, dass das Land Niedersachsen hier im Sinne des Tierschutzes keine einheitliche landesweite Regelung vorgelegt hat. Zum anderen aber auch: Dort, wo Landkreise Ausnahmegenehmigungen vom Tötungsverbot dieser streng geschützten Art erlassen haben – wie es übrigens sowohl das Landwirtschaftsministerium wie auch das Umweltministerium empfohlen haben – unterstützen Jägerinnen und Jäger, um Tierleid zu beenden. Niemand übernimmt eine solche Aufgabe gerne, aber es zeigt deutlich, die Jägerschaft ist sich ihrer Verantwortung bewusst – auch und gerade im Hinblick auf den Tierschutz.
Überhaupt – und auch das haben die Demonstration in Hannover und die Rückmeldungen, die wir aus der Bevölkerung am Tage selbst und im Nachgang erhalten haben, gezeigt: Jagd und Jäger sind in Niedersachsen fest in der Mitte der Gesellschaft verankert. Unsere ehrenamtlichen Leistungen, wichtige dem Allgemeinwohl dienende Aufgaben, werden anerkannt und wertgeschätzt. Auch wenn wir das Ergebnis in Sachen Landesjagdgesetz noch nicht kennen, können und sollten wir also mit Zuversicht in die Zukunft und auf die uns bevorstehenden Aufgaben blicken.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen im Namen des Präsidiums und aller Mitarbeiter der Landesjägerschaft ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und einen guten und gesunden Start ins neue Jahr!
Waidmannsheil,
Helmut Dammann-Tamke
Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V.
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