Jagd am Naturerdbau

Im Team erfolgreich – Malte Ullrich mit der Foxterrier-Hündin „Hummel von der Ketkenburg“ sowie Melissa Hagenberg und Marcus Steiner (v.l.) (Foto: Kapuhs/LJN)

Mit Teamwork zum Schutz bedrohter Bodenbrüter

Die eingesetzten Hunde: absolute Profis auf ihrem Gebiet, die Jägerinnen und Jäger: passionierte Hundeführer und versierte Flintenschützen. Gemeinsam mit Berufsjäger Marcus Steiner, Hundeführer Malte Ullrich und der Berufsjägerauszubildenden Melissa Hagenberg war Blattzeit-Redakteur Sebastian Kapuhs samt Kamera bei einer Baujagd in Revieren im südlichen Niedersachsen dabei. Malte und Marcus praktizieren zusammen seit etwa zehn Jahren die Jagd am Naturbau. Hierbei kommen verschiedene Hunde zum Einsatz, welche die nötigen Voraussetzungen und Eigenschaften mitbringen. Dabei spielt die Rasse eine untergeordnete Rolle.

Insbesondere vor dem Hintergrund der anstehenden Änderung des Niedersächsischen Jagdgesetzes und des geplanten Verbots der Baujagd am Naturerdbau rücken wir diese besondere Form der Raubwildbejagung in den Fokus dieser Ausgabe.

Warum Baujagd?

Die Baujagd ist ein zentraler Bestandteil eines effektiven und tierschutzgerechten Prädatorenmanagements und hat sich insbesondere zur Regulierung von Fuchs- und Marderhundbeständen als unverzichtbar erwiesen. Gerade in der Zeit unmittelbar vor der Brut- und Aufzuchtphase von Bodenbrütern und Niederwildarten leistet die Baujagd einen wesentlichen Beitrag, um das Aufkommen neuer Gehecke zu verhindern und dadurch den Schutz von Wiesenbrütern, Niederwild und weiteren gefährdeten Arten sicherzustellen. Die Ausbreitung invasiver Arten stellt europaweit wie auch in Deutschland ein gravierendes Problem dar.

In der Praxis hat sich gezeigt, dass die Baujagd am Naturerdbau ein elementarer Baustein im Artenschutz und zum Schutz heimischer Wildtierbestände ist. Zielarten wie beispielsweise Kiebitz, Großer Brachvogel oder Uferschnepfe können nur erfolgreich reproduzieren, wenn die Raubwilddichte signifikant herabgesenkt wurde, was u.a. mit der Baujagd am Naturerdbau möglich ist.

Bauten im Revier kennen, heißt, Überblick über den Bestand haben

Der versierte Raubwildjäger kennt die Pässe und attraktiven Plätze im Revier, aber auch sämtliche Baue und Unterschlupfmöglichkeiten, die vom Raubwild angenommen werden. Um einen guten Überblick über den möglichen Raubwildbesatz zu bekommen, bieten sich diese Bereiche für ein gewissenhaftes Raubwildmonitoring an. Die Baue und Unterschlüpfe werden zudem in einem Baukataster vermerkt und besondere Vorkommnisse dokumentiert. Dadurch erlangt der Jäger über die Jahre wichtige Erkenntnisse und kann diese effizient nutzen.

Ausbildung der Hunde

Neben den körperlichen Voraussetzungen und den natürlichen Anlagen soll ein früher und regelmäßiger Wildkontakt mit Bälgen der zu bejagenden Raubwildarten, in Verbindung mit verschiedenen Bauanlagen, die Erdhunde auf den späteren Einsatz vorbereiten und ein gewisses Maß an Eigenständigkeit fördern. Nachdem mit verschiedenen Arten von erlegtem Raubwild angefangen wurde zu üben, kommt im Laufe der Ausbildung auch der ein oder andere Besuch einer Schliefanlage dazu. Hierbei lässt sich schon früh erkennen, welches Verhalten der Hund gegenüber dem Fuchs zeigt. Unter kontrollierten Bedingungen kann der Hund gewissenhaft und zielführend eingearbeitet werden. In diesen Anlagen können Verhaltenskorrekturen vorgenommen werden und es ist möglich, den Hunden das Abrufen vom Raubwild beizubringen.

Eine gesunde, aber nicht übertriebene Schärfe sollte vorhanden sein. Neben einem kräftigen Laut, wenn der Bau befahren ist, soll der Hund das Raubwild lebhaft bedrängen, aber nicht zufassen.

Die Rasse ist dafür nicht ausschlaggebend, auch wenn jeder Einzelne irgendwann seine Rasse gefunden haben wird.

Die gängigen Erdhunderassen wie z. B. Foxterrier, Deutscher Jagdterrier, Parson Russell Terrier, Border Terrier, Westfalenterrier oder die verschiedenen Teckel bieten in jeglicher Hinsicht eine breite Auswahl an geeigneten Hunden.

Ortung und Sicherheit der Hunde

Die mittlerweile sehr genauen Ortungsgeräte lassen eine auf wenige Zentimeter genaue Lokalisierung der Erdhunde im Bau zu. Jeder verantwortungsvolle Baujäger verwendet diese und lässt seinen Hund nur mithilfe dieser Ortungsgeräte einschliefen. Dabei geht es nicht nur um die Ortung, wenn dem Hund in Ausnahmefällen durch einen Einschlag geholfen werden muss. Auf dem Empfangsgerät können die Bewegungen des Hundes unter der Erde beobachtet werden und gegebenenfalls Rückschlüsse auf das zu bejagende Raubwild geben.

Des Weiteren kann das Ausmaß, wie Tiefe und Weitläufigkeit des Naturbaues, damit sehr gut abgeschätzt werden.

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Praktische Umsetzung im Revier

Die genaue Kenntnis über die Lage und das Ausmaß der Naturbaue ist äußerst wichtig. Wenn möglich, nähert man sich dem Bau gegen den Wind und ist dabei so leise wie möglich. Die Schützen, in ausreichender Zahl, aber nur so viele wie nötig, werden beim Angehen eingewiesen und so abgestellt, dass alle Röhren im Blick sind. Dabei ist darauf zu achten, dass die Schützen nicht direkt vor der Röhre stehen und einen gewissen Abstand zu diesen haben. Über den Bau läuft, wenn, nur der Hundeführer um mit dem Hund zu arbeiten.

Alle Schützen tragen Signalkleidung, ebenso selbstverständlich sind Fähigkeiten und Eigenschaften wie Ausdauer, Geduld, Ruhe und Gelassenheit. Bei der Baujagd braucht es gute und besonnene Flintenschützen. Die Auswahl der Schützen ist für den Erfolg und die Sicherheit ein entscheidender Faktor. Längst nicht alle Jäger sind für die Baujagd geeignet.

Es geht bei dieser Jagdart nicht um den Jagderfolg des Einzelnen, sondern um das Ergebnis und den Effekt, welcher erreicht werden soll. Die Baujagd ist Teamarbeit zwischen Hund, Hundeführer und Schützen.

Verhalten der Hunde lesen können

Je länger ein Team bei der Baujagd zusammenarbeitet, umso effektiver und erfolgreicher wird es. So wie jeder Schütze irgendwann weiß, an welchem Platz er bei welchem Bau stehen muss, so weiß der Hund bald, um welchen Bau es sich handelt und wo sich sämtliche Röhren befinden, die er absuchen soll. Aber auch die Arbeitsweise des Hundes wird man mit der Zeit kennenlernen. Anhand des Bewegungsmusters oder der Geschwindigkeit unter der Erde ist es möglich, zu erkennen, um welche Raubwildart es sich handelt.

Flinte und Kaliber

Ob Halbautomat oder Doppelflinte, ist vorerst nebensächlich. Entscheidend ist, dass der Schütze mit seiner Flinte umgehen kann. Allerdings wird man früher oder später bei einem Halbautomaten landen. Es ist zwar selten, aber manchmal ist der dritte Schuss hilfreich. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Pflege der Waffen. Häufig ist man auch bei schlechterem Wetter unterwegs, und sollte die Pflege vernachlässigt werden, kann es passieren, dass bei der nächsten Jagd etwas nicht einwandfrei funktioniert. Fatal, wenn dadurch der Erfolg ausbleibt.

Da es bei dieser Jagdart eigentlich keine Kompromisse gibt, hat sich weitestgehend das Kaliber 12 durchgesetzt. Bei der Schrotgröße hat sich alles ab 2,7mm bis 3,5mm bewährt. Die Praxis zeigt, dass 3,1mm mit 38 Gramm oder 3,2mm ideale Schrotpatronen für die Baujagd sind. Die Schussdistanz ist häufig überschaubar und somit ist die Deckung entscheidender als die Durchschlagskraft.

Zusätzliche Ausrüstung

Neben Flinte, passender Munition, Hund und Ortungsgerät sollten einige weitere Utensilien bei der Naturbaujagd nicht fehlen. Dazu gehören eine Taschenlampe, eine Kurzwaffe im passenden Kaliber, ein Messer und diverses Schanzzeug, wie Spaten, Schaufel und Hacke. Manchmal hat es sich bewährt, auch eine Astschere, Handsäge oder ein Beil dabeizuhaben, um störendes Geäst oder Wurzeln zu entfernen. Eine Dachszange kann ebenfalls hilfreich sein, um erlegtes Wild aus dem Bau zu bergen. Ein Kanister mit Wasser für die Hunde und zum Händewaschen, sowie Einweghandschuhe und für den Notfall ein Erste-Hilfe-Set sind ebenfalls zu empfehlen.

 Marcus Steiner/Sebastian Kapuhs