BLATTZEIT - Ausgabe Oktober


(Foto: Kapuhs/LJN)

Zwischen Zuversicht und Wachsamkeit

Liebe Mitglieder der Landesjägerschaft Niedersachsen,

vor über zwei Jahren ist in Niedersachsen erstmals die Myxomatose bei den Feldhasen ausgebrochen. Seitdem beschäftigen sich Wissenschaftler ebenso mit dem Thema, wie auch wir als Landesjägerschaft Niedersachsen und zahlreiche Ehrenamtler aus unseren Reihen. Der erste Ausbruch fand im Spätsommer 2024 in Niedersachsen statt, seitdem hat sich diese schreckliche Krankheit durch unser Land bis hoch an die Elbe gezogen. Dabei beklagen einige Reviere teilweise extreme Verluste – die Entwicklung ist dabei regional sehr unterschiedlich.

Die Niederwildjagden sind bereits im Gange. Deshalb ist es dem Präsidium der Landesjägerschaft Niedersachsen wichtig, unseren Mitgliedern in dieser Ausgabe einen kleinen Überblick der Lage zu verschaffen. Tatsächlich gibt es bereits betroffene Reviere, in denen sich die Hasenbesätze seit dem Auftreten der Seuche deutlich erholt haben. Im Ergebnis zeigen die aktuellen Erfahrungswerte, dass schwere Bestandseinbrüche grundsätzlich nicht dafür sorgen müssen, dass die Hasen in den Revieren als Tierart für immer ausgelöscht sind. Das stimmt uns vorsichtig zuversichtlich. Von einer Entwarnung sind wir in Niedersachsen allerdings noch weit entfernt. Die jüngsten Meldungen aus der Jägerschaft Aurich zeigen, dass es auch in diesem Jahr Reviere gibt, die hart von der Hasenmyxomatose betroffen sind.

Nach wie vor kommt es auf den verantwortungsvollen Umgang mit der Krankheit in Verbindung mit den Wildbeständen an. Nur durch Ihre Beobachtungen und regelmäßige Taxationen in den Revieren sind die Jägerschaft und Wissenschaftler überhaupt in der Lage, die richtigen Schlüsse zu ziehen. In besonders betroffenen Revieren, also dort, wo die Bestände deutlich geschwächt sind oder erneut Krankheitsgeschehen auftreten, empfehlen wir ganz deutlich die Schonung des Feldhasen. Und dort, wo die Feldhasenpopulation durch regelmäßige Zählungen als stabil einzuschätzen ist, kann gejagt werden. Jede Beobachtung der Hasenbestände ist wichtig, neue Krankheitsausbrüche sollten genau dokumentiert werden. An dieser Stelle wird einmal mehr deutlich, welch hohe Verantwortung in den Händen von uns Jägerinnen und Jägern liegt.

Ein besonderer Dank geht an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Forschung. Dazu zählen die Teams aus dem WTE und dem Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (ITAW). Ohne die fachkundige Begleitung wäre ein professionelles Monitoring kaum möglich. Der Dank gilt auch allen Helferinnen und Helfern der 15 Reviere, die sich unermüdlich für das Thema einsetzen. Bis heute sind viele Fragen offen – dazu zählen die Übertragungswege und verlässliche Ergebnisse darüber, wie lange eine Infektion Schutz bieten kann.

Gleichwohl die Lage weiterhin angespannt ist, sollten wir die Entwicklungen der vergangenen zwei Jahre auch ein Stück weit positiv bewerten. Mit Sachlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und der Wissenschaft werden wir für unseren Europäischen Feldhasen die richtigen Entscheidungen treffen.

Waidmannsheil

Josef Schröer

Stellvertretender Präsident der ​Landesjägerschaft Niedersachsens e.V.


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