Myxomatose beim Feldhasen: Zwischen Bestandseinbruch und vorsichtiger Erholung

Die Hasenmyxomatose bei den Feldhasen ist in den Revieren in Niedersachsen nach wie vor aktiv. Während sich die Lage bei den ersten betroffenen Revieren teilweise beruhigt, schlägt die Krankheiten in anderen Revieren nach wie vor hart um sich Foto: Rolfes /DJV

Seit mittlerweile zwei Jahren tritt die Myxomatose beim Feldhasen in Niedersachsen auf. Im Spätsommer 2024 wurden zunächst im deutsch-niederländischen Grenzgebiet vermehrt kranke und verendete Feldhasen gefunden. Innerhalb kurzer Zeit breitete sich das Geschehen über Teile des westlichen Niedersachsens aus. Mittlerweile wurden weitere Vorkommen in Schleswig-Holstein, Bayern, Tschechien, Österreich und der Slowakei bekannt. Die an den Feldhasen angepasste Variante des Myxomavirus, ha-MYXV, bleibt damit eine ernst zu nehmende Herausforderung auch über die Grenzen Deutschlands hinaus [1–3].

Aus jagdlicher Sicht gibt es zugleich vorsichtig positive Nachrichten. In mehreren Revieren, die während der ersten Ausbruchswelle hohe Verluste verzeichneten, hat sich die Situation stabilisiert. Die Hasenbesätze haben sich dort zum Teil erstaunlich gut erholt. Einzelne Reviere verfügen wieder über einen Besatz, der bei sorgfältiger Bewertung der örtlichen Verhältnisse eine nachhaltige Bejagung zulässt [1, 3]. Ein schwerer Einbruch muss somit nicht zwangsläufig zu einem dauerhaft niedrigen Besatz führen.

Eine Entwarnung ist dennoch nicht möglich. Derzeit wird aus dem Raum Aurich erneut ein massives Krankheitsgeschehen gemeldet. Nach gegenwärtiger Einschätzung der ortsansässigen Jäger ist die dortige Feldhasenpopulation um bis zu 80 Prozent zurückgegangen. Der Fall zeigt, wie unterschiedlich sich die Lage innerhalb Niedersachsens entwickeln kann: Während sich früh betroffene Populationen erholen, kann das Virus andernorts neue, schwere Verluste verursachen. Großräumige Durchschnittswerte ersetzen deshalb weder die Beobachtung im Revier noch regelmäßige Zählungen.

Neue Erkenntnisse liefert ein laufendes Projekt am Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. Im Winter 2025 wurden in ausgewählten Revieren Blut-, Gewebe- und Organproben von Feldhasen genommen, die im Rahmen der Jagdausübung erlegt wurden. Verglichen wurden dabei Reviere mit bekannten Myxomatosefällen und Reviere ohne bekannte Fälle [3]. 

Die genommenen Proben wurden anschließend im Labor mittels PCR und Serologie untersucht. PCR und Serologie beantworten unterschiedliche Fragen. Die PCR weist Virusmaterial und damit eine aktuelle Infektion nach. Die Serologie weist Antikörper nach und zeigt, ob ein Hase sich in vergangener Zeit mit dem Virus infiziert hatte. Insgesamt wurden bei acht von 129 untersuchten Hasen das Virus direkt nachgewiesen, und das ausschließlich in betroffenen Revieren. Von 125 serologisch analysierten Proben waren 15 antikörperpositiv und deuten somit auf eine überstandene Infektion hin [3]. 

Für 122 von insgesamt 130 beprobten Feldhasen lagen eindeutige kombinierte Ergebnisse vor. Von den 122 auswertbaren Hasen waren 104 sowohl PCR- als auch serologisch negativ. Bei ihnen gab es keinen Hinweis auf einen aktuellen oder zurückliegenden Erregerkontakt. Drei Hasen waren PCR-positiv, hatten aber noch keine nachweisbaren Antikörper. Dies spricht für eine frühe Infektionsphase. Fünf Tiere waren sowohl PCR- als auch antikörperpositiv. Das Virus war noch nachweisbar, während das Immunsystem bereits reagierte. Bei zehn Hasen war die PCR-Untersuchung negativ, die Serologie jedoch positiv. Diese Tiere hatten die Infektion offenbar überstanden und möglicherweise eine Immunität ausgebildet.

Antikörper wurden vor allem bei Althasen aus betroffenen Revieren gefunden. Dort waren 34 Prozent der Althasen positiv, bei den Junghasen dagegen nur etwa vier Prozent. Althasen könnten somit häufiger mit dem Virus in Kontakt gekommen sein. Ebenso ist möglich, dass infizierte Junghasen häufiger verendeten. Ob die Antikörper vor einer erneuten Infektion schützen und wie lange ein möglicher Schutz anhält, bleibt bislang ungeklärt [3]. 

Bei 50 untersuchten adulten Häsinnen zeigte sich unabhängig vom Antikörperstatus eine normale Reproduktionsleistung. In dieser Stichprobe ergab sich somit kein Hinweis auf eine verringerte Reproduktionsleistung bei Häsinnen, die eine Infektion überstanden haben [3]. 

 Weiterhin offen sind die Übertragungswege. Stechinsekten wie Mücken oder Gnitzen werden als mögliche Überträger angenommen. Das ITAW hat deshalb in stark betroffenen Gebieten Insektenfallen aufgestellt. Die gefangenen Insekten sollen anschließend auf Virusmaterial untersucht werden [2].

Insektenfallen zum Fang von Stechinsekten (© ITAW)

Für die Jägerschaft bleibt eine aufmerksame Revierbeobachtung entscheidend. Auffällige oder verendete Hasen sollten unter Beachtung hygienischer Schutzmaßnahmen geborgen, gemeldet und möglichst untersucht werden. In akut betroffenen Revieren ist auf eine Bejagung des Feldhasen zu verzichten. Wo keine auffälligen Fallwildzahlen mehr auftreten und aktuelle Zählungen einen ausreichend hohen Besatz bestätigen, kann eine an die örtliche Situation angepasste Bejagung wieder vertretbar sein [1].

Die Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre geben Anlass zu vorsichtigem Optimismus, nicht aber zur Sorglosigkeit. Feldhasenpopulationen können sich offenbar auch nach erheblichen Verlusten erholen. Gleichzeitig belegt der aktuelle Ausbruch im Raum Aurich, dass die Myxomatose weiter in unseren heimischen Revieren präsent ist. Nur durch Fallwilduntersuchungen, regelmäßige Besatzerfassungen und eine wissenschaftliche Begleitung lässt sich klären, wie sich das Verhältnis zwischen Virus und Feldhase langfristig entwickelt. 

Reichler/LJN, Voigt/ITAW

Quellen: [1] Strauß, E. (2024): Myxomatose bei Feldhasen in Niedersachsen. Blattzeit 4/2024. [2] Fischer, L. et al. (2025): Recombinant Myxoma Virus in European Brown Hares, 2023–2024. Emerging Infectious Diseases 31(8). [3] Verein der Förderer der Wildtierforschung: Newsletter, Ausgabe 12, August 2026.