Bericht zum III. Quartal des Wolfsmonitorings 2026 veröffentlicht Über 70 Prozent aller Meldungen stammen aus der Jägerschaft
Der Quartalsbericht zum III. Quartal 2026 gibt einen Überblick über die Wolfsmeldungen, die Entwicklung der Territorien und die dokumentierten Nutztierschäden in Niedersachsen. Insgesamt wurden 1.769 Meldungen erfasst, von denen mehr als die Hälfte eindeutige Wolfsnachweise waren. Die Jägerschaft lieferte erneut den größten Teil der Meldungen und trug damit wesentlich zur Datengrundlage bei.
Mit einem Anteil von 64,67 % waren Fotofallenaufnahmen die häufigste Meldungsart, gefolgt von Sichtungen mit 16,45 % und Losungsfunden mit 10,06 %. Fotofallen liefern nicht nur Belege für die Anwesenheit von Wölfen, sondern helfen auch, die Reproduktion in den Territorien zu dokumentieren. Insgesamt entfielen 52,97 % der Meldungen auf eindeutige Nachweise der Kategorie C1, 0,90 % auf bestätigte Hinweise der Kategorie C2 und 40,31 % auf unbestätigte Hinweise der Kategorie C3. Weitere 0,79 % wurden als Falschmeldungen eingestuft und 1,13 % waren nicht bewertbar. Bei 3,90 % stand die abschließende Bewertung noch aus.
Bei der Einordnung der Meldungszahlen ist eine Neuerung zu berücksichtigen: Ab dem III. Quartal 2026 werden die Berichte teilautomatisiert erstellt und können dadurch schneller und zugleich umfangreicher veröffentlicht werden. Zum Zeitpunkt der Erstellung liegen jedoch noch nicht unbedingt alle Meldungen aus dem Berichtszeitraum vor. Das betrifft insbesondere Fotofallenaufnahmen, die oft erst nach dem Auslesen der Kameras in das Monitoring eingehen. Die Zahlen des jüngsten Quartals sind daher vorläufig. Ein zunächst erkennbarer Rückgang der Meldungen lässt für sich genommen keinen Rückschluss auf einen Rückgang des Wolfsbestandes zu.
Für die Beurteilung des Bestandes ist deshalb auch die Entwicklung der Territorien maßgeblich. Im Berichtszeitraum wurden 69 Wolfsterritorien geführt, darunter 67 Rudel, ein Wolfspaar und ein residenter Einzelwolf. Davon waren zum Zeitpunkt der Berichtserstellung 41 bestätigt; für weitere 28 stand die abschließende Bestätigung noch aus. In 37 Rudeln wurden insgesamt mindestens 152 Welpen nachgewiesen. Da das Monitoringjahr 2026/2027 erst am 30. April 2027 endet, werden weitere Nachweise und genetische Untersuchungsergebnisse das Bild im Laufe des Jahres ergänzen.
Im III. Quartal wurden acht Totfunde dokumentiert. Sechs Wölfe kamen im Straßenverkehr ums Leben, bei zwei weiteren blieb die Todesursache ungeklärt. Der Straßenverkehr war damit die häufigste dokumentierte Todesursache im III. Quartal. Zu den vom Landwirtschaftsministerium an die Öffentlichkeit kommunizierten letalen Entnahmen liegen der LJN weder offizielle Meldungen noch Dokumentationen vor.
Bei den Nutztierschäden lagen zum Berichtszeitpunkt 43 dokumentierte Ereignisse vor. In 37 Fällen wurde der Wolf als Verursacher bestätigt, in drei Fällen konnte er nicht nachgewiesen und in zwei Fällen ausgeschlossen werden. Ein Ereignis war nicht bewertbar. Insgesamt wurden 74 getötete, 18 verletzte und zwei vermisste Nutztiere erfasst. Davon entfielen 70 getötete und 15 verletzte Tiere auf bestätigte Wolfsübergriffe. Am häufigsten waren Schafe betroffen. Die meisten bestätigten Ereignisse wurden im Heidekreis mit 13 Fällen und im Landkreis Cuxhaven mit acht Fällen verzeichnet.
Auch diese Zahlen bedürfen einer zeitlichen Einordnung. Seit dem 1. Juli 2026 werden Informationen zu Nutztierschäden mit einem Verzug von sechs Wochen veröffentlicht. Ereignisse aus dem jüngsten Quartal können deshalb in der verfügbaren Datengrundlage noch fehlen. Eine abschließende Bewertung der Schadensentwicklung ist auf dieser Grundlage noch nicht möglich.
Wie vollständig sich das Wolfsvorkommen erfassen lässt, hängt weiterhin wesentlich von der Mitarbeit vor Ort ab. Im III. Quartal stammten 72,24 % aller Meldungen aus der Jägerschaft und 24,42 % von Nichtjägerinnen und Nichtjägern; bei den übrigen Meldungen war die Herkunft nicht bekannt. Der kontinuierliche Einsatz der ehrenamtlichen Wolfsberaterinnen und Wolfsberater sowie der vielen weiteren Melderinnen und Melder ermöglicht es, Nachweise zusammenzuführen und die Entwicklung in den einzelnen Territorien nachzuvollziehen.
Dabei kommt der genetischen Beprobung besondere Bedeutung zu. Sie hilft, benachbarte Rudel voneinander abzugrenzen, einzelne Tiere zuzuordnen und verwandtschaftliche Beziehungen zu klären. Frische Losungsfunde und Wildtierrisse mit Wolfsverdacht können dafür wertvolle Proben liefern. Wer solche Funde entdeckt, kann die Beprobung mit den zuständigen Wolfsberaterinnen und Wolfsberatern oder über wolf@ljn.de abstimmen. Hinweise zum Vorgehen stehen unter www.wolfsmonitoring.com/meldung/genetikproben zur Verfügung.
Jede nachvollziehbar dokumentierte Meldung trägt dazu bei, die Datengrundlage zu vervollständigen. Sie ist die Voraussetzung dafür, die Entwicklung des Wolfsbestandes und das regionale Konfliktgeschehen sachlich zu beurteilen und Entscheidungen im Wolfsmanagement auf belastbare Erkenntnisse zu stützen.
Raoul Reding/LJN