Von der Ansitzleiter zur Streuobstwiese

Mit einem guten Team und einer guten Arbeitsaufteilung ist der Aufwand überschaubar und das Ergebnis ein voller Erfolg (Foto: LJN)

Vor etwa einem Jahr baute das Blattzeit-Team in einem Videodreh eine funktionale Ansitzleiter. Diese sollte zum einen als Anleitung zum Nachbau dienen, aber nach ihrer Fertigstellung auch für einen guten Zweck – der Anlage einer Streuobstwiese – versteigert werden. Sage und schreibe 888 Euro erzielte die Blattzeit-Leiter am Ende. Vielen Dank an dieser Stelle nochmals an den Höchstbietenden! Wie auch beim Bau der Ansitzleiter war Revierjäger Finn Loske vom Jägerlehrhof Springe maß- und ideengebend bei der Umsetzung beteiligt. Aufgrund des langen und frostigen Winters fand die Pflanzaktion verhältnismäßig spät, an einem warmen Frühjahrstag statt, umso schöner war es jedoch für die Protagonisten vor Ort.

Projektidee: Pflanzung von Obstbäumen zur ökologischen Aufwertung

Eine in den 80er Jahren von der Landesjägerschaft erworbene Biotopschutzfläche im Landkreis Diepholz bot sich ideal für die Pflanzaktion an, da diese von der LJN als Lehr- und Ausbildungsrevier für Berufsjägerlehrlinge genutzt wird.

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Aufgrund der vorkommenden Schalenwildarten in dieser Biotopschutzfläche, insbesondere Damwild, war ein Einzelschutz der Bäume vor Verbiss und Schlagschäden notwendig. Da sich gerade Damhirsche an Zäunen schnell verheddern können, sollte der äußere Schutz so stabil, langlebig und natürlich wie möglich sein – also aus massivem Holz. Da eine vollständige Zäunung der Fläche zu einer Zerschneidung des Lebensraums führt, ist der Einzelschutz die deutlich tierfreundlichere und gleichzeitig wirksamere Alternative. Vor Ort wurden passende Eichen vorab gefällt und pünktlich zur Pflanzaktion zugeschnitten und gespalten. Die Pfähle wurden mit einem Spalthammer sowie Spaltkeilen auf eine Stärke von 15 bis 25 Zentimetern gespalten. Der Vorteil gegenüber Kunststoff- oder Metallvarianten: Eine optimale Pfahldicke mit hohem Kernholzanteil für eine hohe Festigkeit, längere Standzeit und rückstandslose Verrottung. Gleichzeitig bieten die dann langsam verrottenden Eichenpfähle Lebensraum und Brutplatz für totholzliebende Insekten. Je Baum wurden drei Eichenpfähle in etwa einen Meter tief vorgebohrte Löcher gesetzt und mit der ausgeworfenen Erde festgestampft. Gekaufte Querriegel aus Douglasie verleihen zusätzliche Stabilität und Schutz vor Schlag und Verbiss.

Als Standort wurde eine relativ große, offene Wiese gewählt, die als Äsungsfläche für das vorkommende Schalenwild dient. Wichtig bei der Auswahl: Im Vergleich zu anderen, umliegenden Standorten ist der Boden hier relativ feucht und sichert so langfristig ein hoffentlich gutes Wachstum. Gepflanzt wurden die Bäume in einer Reihe mit einem Abstand von zehn Metern, als eine Art Allee. Durch die großen Abstände können sich die Bäume weit in die Breite entwickeln, haben also viel Platz für ein optimales Kronenwachstum. Weiterhin ermöglichen die großen Zwischenräume eine maschinenunterstützte Pflege der Wiese. Die Anordnung passt zudem harmonisch in die Umgebung und das Gesamtbild des Biotops.

Mit einer vorgefertigten Schablone konnten die Bohrpunkte und Abstände der Pfähle gleichmäßig entlang der Allee übertragen werden. Der Arbeitsablauf: abmessen, anzeichnen, vorbohren, Pfähle setzen, Baum pflanzen, anbinden. Nach der langen Vorbereitung und den ersten gesetzten Bäumen sollte eine Pause mit frisch gegrilltem Wildbret nicht vergessen werden! Um auch die Bäume mit genügend Nährstoffen zu versorgen, wurden der ausgeworfenen Erde etwa zwei Handvoll Bodenaktivator untergemischt und beim Setzen der Bäume ins Pflanzloch eingearbeitet. Ein bis zwei Handvoll granulierten Kalk um die Pflanzfläche streuen hebt zudem den pH-Wert und verbessert die Nährstoffverfügbarkeit sowie die Bodenstruktur, was wiederum die Wurzelentwicklung des neu gepflanzten Baumes fördert.

Kostenübersicht

  • 15 Obstbäume (Hochstämme 7/8, wurzelnackt) – 560€
  • 50 verzinkte Drahthosen – 115€
  • 160 m Kanthölzer 4 × 6 cm – 160€
  • 100 m Kokosband – 22,50€
  • 25 kg Sack Bodenaktivator – 35€
  • 25 kg Sack Kalk – 10€

Summe: 902,50€

Nach einer ersten, reichlichen Bewässerung unmittelbar nach der Pflanzung ist nun auch in den kommenden Wochen ein regelmäßiges Gießen bei Trockenheit erforderlich. Wir hoffen hier natürlich auf eine günstige Wetterlage. Da Dünger und Wasser natürlich auch Unkräuter und Konkurrenzpflanzen fördern können, sollte das Pflanzloch möglichst unkrautfrei gehalten werden. Hierzu kann der Pflanztrichter mit einem Spaten immer mal wieder ausgestochen werden oder es wird ein etwa 50 × 50 Zentimeter großer Pappkarton um den Stamm ausgelegt (ohne Druckerschwärze). Dazu die Pappe bis zur Mitte auftrennen, ein Loch in Stammdicke ausschneiden und um den Obstbaum legen. Einmal angegossen, legt sich die Pappe als fester Unkrautschutz um den Stamm und verrottet innerhalb eines Jahres. Für die bessere Optik können Holzhackschnitzel auf der Pappe ausgelegt werden. Darüber hinaus hält der Fachhandel einige Varianten aus Kunststoff, sogar mit Tröpfchenbewässerung bereit.

Denn bei all dem Aufwand muss das große Ziel sein, den Baum während der Wachstumsphase optimal zu unterstützen. Weitere Details und die gesamte Aktion finden Sie in unserem YouTube-Video.  

Sebastian Kapuhs