Hegering Kirchwalsede
Wild auf Rädern - die „zweite“!
Eine kulinarische Radtour durch das NSG der Wümme Niederung
Am Samstag, den 07.06.2025 trafen sich 40 Teilnehmer zu der Fahrradrundtour „WILD AUF RÄDERN 2“ durch das nordwestliche Naturschutzgebiet „Wümme/Rodau/Wiedau und Trochelbach“. Eingeladen hatte der Hegering Kirchwalsede der Jägerschaft Rotenburg/Wümme Mitglieder, Familienangehörige, Freunde aber auch die Öffentlichkeit. Um 11.00 Uhr startete man mit dem Regenponcho im Gepäck auf dem Parkplatz vom „WALDHOF“ in Unterstedt. Von dort aus begab man sich auf eine 26 km Radrundtour mit drei geplanten „kulinarischen STOPS“, an denen die jeweiligen Jagdpächter an ausgesuchten Plätzen in ihrem Revier feste und flüssige Köstlichkeiten für den „kleinen Appetit“ bereithielten: die Tour führte zunächst in die nordwestliche Region des Hegerings in Richtung der Gemeinde Waffensen, dann nach Hellwege und zurück über Ahausen- stets parallel entlang und in Sichtweite dem Verlauf der Wümme.
Auf der Höhe der Rotenburger Kläranlage überquerte die erwartungsfrohe Gruppe erstmalig die Wümme und Wiesen in voller Breite und setzte die Fahrt entlang dem nördlichen Ufer Wald parallel zur Wümme in Richtung Waffensen fort. Der erste STOP nach ca. 5 km nahm seinen Anfang in der „Waldschule Waffensen“, ein eingezäuntes Grundstück mit Unterstand und Vollholzbänken und Tischen, in dem Jagdrevier von Jens Krüger: dort empfing uns Dr. Frank Wallbaum, wie auch Jens Krüger Mitglied und Dozent von „WALDCAMPUS“, mit verschiedensten belegten Brotschnittchen und diversen Kaltgetränken. Während sich alle stärkten, berichtete Dr. Frank Wallbaum hoch interessant über seine Arbeit bei WALDCAMPUS in dem Landkreis Nienburg, wo er es sich zur beruflichen Aufgabe gemacht hat, vielen „Nicht Jägern“ weitläufige und eng zusammenhängende Themengebiete Wald, Wild und Jagd ein vollständiges Bild über Ursache von Anreiz und Motiv der Jagd zu vermitteln. Waldrallye, Hochsitze bauen oder ein Wildkochkurs sind nur einige Elemente, die den Kunden, wie z. Bsp. Kitas und „naturfernen“ Berufsgruppen, das Verständnis von Natur näherbringen soll. Während des Vortrages öffnete Petrus die Schleusen, doch alle wähnten sich trocken und sicher – dank eines festen und einem provisorischen Unterstand.
Gestärkt führte dann die Tour weiter entlang der Wümme in Richtung Westen- nach Hellwege, wo die Wümme wiederholt vollständig in seiner Breite überquert wurde und die Route sich teilte: sandige Abschnitte zwangen zum „wer sein Fahrrad liebt, der schiebt“, doch der Stimmung war das keineswegs abträglich. Nur wenige Minuten später empfing uns der langjährige Jagdpächter der Gemeindejagd Hellwege, die Familie Prüser, vertreten von Sören Prüser, am Heimat- und Kulturhaus mit diversen Sorten von Butterkuchen, Kaffee, Tee und Erfrischungsgetränken. Alle Teilnehmer erhielten Auskunft und Einblick in den Betrieb „Forsthof Prüser“- der im Wesentlichen in der Christbaumzucht besteht, wobei Gesundheit und formgerechter Wuchs über das ganze Jahr im Vordergrund steht und einige Teilnehmer aus Bremen nun Gewissheit hatten, dass der von Ihnen jahrelang am Roland erworbene Christbaum ein Baum vom Forsthof Prüser gewesen sein muss.
Es wurde Zeit für die Rückreise – Der Leiter des HGR Kirchwalsede blies mit seinem Horn „Aufbruch zur Jagd“ den östlichen Rückweg an: die 2. Hälfte des Radweges führte uns ganz nah an die Wümme- unweit der Ahauser Mühle- viel Grün, enge Waldpfade und verschlungene Wege, vorbei an Vorflutern der Wümme - die Fahrräder hatten alle „Mühe“, doch der Weg hatte sich gelohnt: an einem der wohl schönsten Plätze auf dieser Tour mit einem atemberaubenden Panaromablick in die schilfummantelte Wümme Niederung, der ein wenig an die Weiten Ostpreußens erinnert, empfing uns der Dr. Christian Brischke , Jagdpächter von Ahausen Wümme, mit seinem Team an einem überaus romantischen Platz, den Caspar David Friedrich wissentlich als Motiv genutzt hätte: mitten in der Natur reiten sich mit einem Aufgebot neben den Bistrotischen auf einer bestehenden eingedeckten Bankgarnitur üppig verschiedene Kanapees von Wild und Käse auf Spießen, tiefgekühlter Weißwein, den der Gastgeber auch selbst ausschenkte, dazu auch Grillgut von Wildwürsten direkt vom Rost: Location und Logistik- ganz sicher das TOP Highlight auf dieser Tour! Jeder hatte „Mühe“ sich von diesem Genuss zu lösen, waren doch nicht nur noch 6 km mit dem Fahrrad zu bewältigen- sondern auch ein weiteres Abschlussessen im WALDHOF! Die Sorge einer Nachfrage, ob diese „campingartigen Zustände“ nicht den Auflagen des Naturschutzgebietes entgegenstehen, entkräftete Christian Brischke lächelnd mit der Gewissheit, dass der Grill gezielt einen Meter abseits von der Grenze des NSG aufgebaut worden sei. Des Weiteren erfuhr die Gruppe von dem Pächter auch etwas über die Auswirkungen der Präsenz des Wolfes: war früher dieser Teil ein reines Rehwildrevier, so hast sich das signifikant verändert; die Gegenwart des Wolfsrudels östlich der B 215 führte zu einer Verdrängung des Damwild Bestandes in weit entfernte westliche Gebiete, die weniger häufig von Wölfen aufgesucht werden – so nun auch hier, bis in die sicheren Ortslagen der Gemeinde Ahausen mit seinen Wochenendhäusern am Wümme Lauf.
Nach diesen Ausführungen bedankte sich der Hegering bei Dr. Christian Brischke, wie auch zuvor bei den vorherigen Einladenden Prüser und Wallbaum, für die für geschenkte Zeit und Verköstigung vor Ort: als sichtbares Zeichen wurden allen ein Base-Cap der Landesjägerschaft Niedersachsen mit jeweils dediziertem gesticktem Vornamen des jeweiligen Gastgebers überreicht.
Der letzte Teil der Fahrt führte parallel zur Wümme wieder zurück in das Gebiet der Gemarkung Unterstedt, vorbei an der Eiszeitlichen Dünenlandschaft zum Ausgangspunkt „WALDHOF“, wo dann ein fantastisches Wild- und Geflügelbuffet auf alle wartete.
Jeder Teilnehmer genoss nicht nur Besonderheiten für das leibliche Wohl, sondern auch der Weg führte für die meisten durch bisher noch nicht erschlossene und wenig bekannte Gebiete, die für viele ein Staunen über unsere wunderschöne Natur hervorrief. Jeder gastgebende Pächter untermalte noch die gewonnenen Eindrücke mit besonderen Informationen zu der Umgebung, dem Wildvorkommen und auch den zum Teil naturnahen interessanten beruflichen Aufgaben. Die Veranstaltung darf als gelungen bezeichnet werden- auch, wenn „Petrus“ gelegentlich die Schleusen öffnete, so hatte die Mehrheit dieses viel mehr als „Freudentränen“ des Himmels wahrgenommen. Erste Anmeldungen für das kommende Jahr „WILD auf Rädern 3“, die dann in den westlichen und südlichen Teil des Hegerings führen soll, liegen bereits vor. Die vielen Stunden auf der gemeinsamen Radtour haben zu einem intensiven und fruchtragenden Themenaustausch aller an naturinteressierten Teilnehmern geführt, was seinesgleichen sucht.
Dr. H. Müffelmann