Ende der Zwangspause für Einsatzgruppe „Waschbär“ 

Seit dem 01. April befanden sich die Jägerinnen und Jäger der Einsatzgruppe „Waschbär“ der Jägerschaft Northeim e.V. in einer gesetzlich verordneten Zwangspause. Doch nun ist das Ende da: ab dem 16. Juli dürfen Waschbären wieder bejagt werden.

Hintergrund ist die in Niedersachsen geltende Schonzeit vom 01.04. bis 15.07., in der die Jagd auf Waschbären verboten ist, erläutert der Vorsitzende der Jägerschaft, Ralf-Günter Rahnert. Die Schonzeit wird begründet mit dem Muttertier-Schutz zur ungestörten Aufzucht der Jungen, so Rahnert weiter. Jungwaschbären hingegen dürfen das ganze Jahr über bejagt werden. Diese Regelung führt oft zu Missverständnissen: besonders zu Beginn der Schonzeit unterscheiden sich junge Waschbären noch deutlich von erwachsenen Exemplaren, Sie fallen aber dennoch nicht unter den Begriff „Jungwaschbären“, da sie bereits im vergangenen Jahr geboren wurden, erläutert Rahnert die gesetzlichen Bestimmungen.

„Die Schonzeit gibt uns aber auch die Gelegenheit für eine Zwischenbilanz der Einsatzgruppe“, sagt Jägermeister Armin Komander, Mit-Initiator und aktiver Fallenjäger, in den wenigen Monaten konnten wir mit den bislang 7 aus dem Förderprogramm des Landkreises eingesetzten Fallen 27 Waschbären fangen. „ Das sind 27 Tiere aus Wohngebieten der Stadt Northeim und weiterer Gemeinden im LK, die Vogelfutterhäuser und Gartenteiche geplündert oder sich auf Dachböden eingenistet hatten.                                                     

Rahnert ist mit diesem Ergebnis nicht ganz zufrieden; „Wenn gleichzeitig von denselben Jägern an vergleichbaren Standorten mit herkömmlichen Kastenfallen 77 Waschbären gefangen werden konnten, muss man sich fragen, woran es liegt. Der eingesetzte Fallentyp hat einen Auslösemechanismus, der i.d.R. nur von WB ausgelöst werden kann und damit Fehlfänge nahezu ausschließt. Das ist gut, erfordert aber auch Metall als Werkstoff. Und bei neuen Fallen macht der Geruch die WB eher misstrauisch. Wir hoffen, dass sich dieses Problem im Lauf der Zeit erledigt, wenn die Fallen „verstänkert“ sind und nicht mehr neu riechen.

Die über 100 von den Jägern der Einsatzgruppe erlegten WB tragen sicher auch zu der Gesamtstrecke des LK NOM bei, die mit 2758 im Jagdjahr 2024 erlegten Waschbären ein Rekordergebnis aufweist, berichtet Armin Komander. In ganz Niedersachsen wurden nur im LK Göttingen mit rund 3100 Exemplaren mehr erlegt. Bezieht man die Gesamtzahl aber auf die Fläche, liegt  der LK NOM mit 2,17 WB pro Quadratkilometer deutlich an der Spitze, gefolgt von Göttingen mit 1,76 Ex.

Die Streckenzahlen für Niedersachsen belegen eine deutliche Zunahme und weitere Ausbreitung der Waschbären. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die tatsächliche Population etwa 8 – 10mal größer ist als die Streckenzahlen. Das bedeutet: im Landkreis Northeim gibt es aktuell ca. 27.000 Waschbären; in ganz Niedersachsen sind es ca. 260.000.

„Diese Zahlen zeigen, dass wir auch mit unserer Eingreifgruppe das Problem nur vorübergehend lösen können. Wenn nicht die Rahmenbedingungen, die einen Lebensraum für Waschbären attraktiv machen, geändert werden, werden die von uns gefangenen Exemplare schnell durch Nachfolger ersetzt“, erklären die Mitglieder der Northeimer Einsatzgruppe betroffenen Bürgern immer wieder.

In den letzten Wochen nimmt die Zahl der Anrufe mit der Bitte um Hilfe ständig zu. Die teilweise „verzweifelten“ Anruferinnen und Anrufer konnten nur auf den 16.07. vertröstet werden, berichtet Rahnert.                                                                                                                                                                   

Bei einem Hilfeersuchen müssen folgende Angaben gemacht werden: 

Name und Anschrift, Telefonnummer, Art und Umfang der Schäden.

„Wir weisen vorsorglich gleich darauf hin, dass eine sofortige Aufstellung der Falle je nach „Auftragslage“ nicht immer möglich sein wird“, dämpft Rahnert etwaige zu hohe Erwartungen. Bei der Vielzahl von Anfragen müssen wir festlegen, in welcher Reihenfolge die Bitten der Hilfesuchenden abgearbeitet werden. Ein entscheidendes Kriterium dabei sind Art und Ausmaß der Schäden, die bislang  von Waschbären angerichtet wurden.“

Seit dem 10.07. sind dann auch wieder die Rufnummern der „Waschbär-Hotline“ freigeschaltet; sie lauten: 0155-66481020 und 0155-66481036. 

Bitte beachten: das Angebot der Jägerschaft Northeim gilt ausschließlich für Ortschaften im Bereich der Jägerschaft!

„Noch bieten wir unsere Hilfe ohne die Berechnung von Gebühren an; wir sind aber dankbar für Spenden, die bezogen auf den Aufwand angemessen sein sollten“, sagt der Vorsitzende.

Ralf G. Rahnert