Ein Aufbrechbock zum Selberbauen
Der Winter hatte es in diesem Jahr in sich. Viele Tage Dauerfrost und Schnee luden nicht wirklich dazu ein, im Revier Hand anzulegen. Als es sich Ende März das erste Mal ein wenig nach Frühling anfühlte, trafen sich die BLATTZEIT-Redakteure Sebastian Kapuhs und Wulf-Heiner Kummetz, um eine praktische Revierhilfe zu bauen. Die Rede ist vom BLATTZEIT-Aufbrechbock. Zu kaufen gibt es solche Gerätschaften natürlich auch – aber selbst gebaut ist noch etwas individueller und in diesem besonderen Fall auch vielseitiger. Dabei haben sich die beiden passionierten Jäger einige Ziele gesetzt:
• der Aufbrechbock soll leicht aufzustellen sein
• das Gestell sollte von einer Person getragen werden können
• es soll Stücke bis 120 kg tragen
• der Aufbrech-Bereich soll hygienisch sein
• das Wild sollte leicht aufgehängt werden können
• die Aufbrechhilfe sollte klappbar und platzsparend sein
• maximale Baudauer des Aufbrechbocks: 3 Stunden
Ohne ernsthaften Bauplan, aber mit guten Ideen und einem kleinen Stapel Kanthölzern, Tellerkopfschrauben, einer Handwinde, dem passenden Werkzeug und guter Laune ging es an die Umsetzung. Die BLATTZEIT-Redakteure haben sich für ein recht hohes Modell entschieden. Der Grund liegt auf der Hand: je höher das Gestell, desto größer können die Stücke Wild sein. Damit das Gerät auch standfest ist, wurde nicht nur auf die Auswahl der passenden Kantholz-Stärke 6 auf 8 cm geachtet – mit einer Breite von 125 cm ist die BLATTZEIT-Aufbrechhilfe auch seitlich sehr stabil und kippsicher. Die hinteren Aufstellfüße sind ebenfalls Kanthölzer mit den Maßen 6 auf 8 cm. Die Unterkante des Grundrahmens wurde so hoch gewählt, dass eine Maurerwanne für den Aufbruch ohne Probleme darunter passt. Das hintere Ständerwerk wurde mit Schlossschrauben am vorderen Rahmen verschraubt, um den Klappmechanismus zu gewährleisten. Damit die hinteren Füße nicht wegrutschen, wurden sie beidseits mit einer Kette gesichert. Der Clou der Aufbrechhilfe ist sicher der Bereich, in dem die Stücke am Ende hängen und aufgebrochen werden sollen. Hierfür musste eine ausgediente Tischplatte aus Studentenzeiten herhalten. Da diese oberflächenbehandelt war, ist davon auszugehen, dass sie die kommenden Jahre gut abwaschbar sein wird und so den hygienischen Ansprüchen, zumindest im privaten Bereich, Genüge tut. Die Tischplatte (120 × 80 cm) wurde in drei Teile gesägt. Das Mittelteil dient der Auflage der Wildrücken, die beiden äußeren Tischplattenteile wurden links und rechts mit einigen Zentimetern Luft neben das Mittelteil geschraubt – und zwar so, dass eine lange Tellerkopfschraube als Scharnierschraube dient und die beiden Seiten klappbar sind. Aufgeklappt ergibt es eine ebene Fläche, die ebenfalls nicht sperrig ist. Geöffnet können die beiden Seitenteile wie zwei Flügel die am Haken hängenden Stücke je nach Größe flankieren und vor dem Wegrutschen sichern. Damit sich die seitlichen Klappen nicht verschieben, kommt im oberen Bereich eine Sicherungskette zum Einsatz, die je nach Stärke des Stückes länger oder kürzer gespannt werden kann.
Die Stücke werden über einen Umlenkring aus Metall (ein Scheunenfund – wir Jäger sind bekanntermaßen Improvisationskünstler) mit einem Stahlseil und einer Winde hochgezogen. Die Winde ist am hinteren Gestell befestigt. Bedingt durch die Schwerpunktwahl der Bock-Füße wird ein Umkippen beim Hochdrehen des Wildkörpers verhindert.
Die Bauzeit des BLATTZEIT-Aufbrechbocks liegt für geübte Schrauber bei unter drei Stunden, inklusive Denk- und Snackpausen. Die Materialkosten betragen aufgrund der besseren Holzqualität, der stabilen Winde und hochwertiger Schrauben rund 160 Euro. Losgelöst vom Mehrwertes eines solchen Revierhelfers sorgen die gemeinsamen Momente und die Freude an der Revierarbeit für das, was unser Handwerk so besonders macht: Passion und Freude an und in der Natur.
Wulf-Heiner Kummetz