Über sieben Brücken musst Du gehen
Liebe Jägerinnen und Jäger,
fragt man google oder, um mit der Zeit zu gehen, ChatGPT, wie viele Wildquerungshilfen es in Niedersachsen gibt, bekommt man folgende Antwort: „Eine exakte Anzahl ist in den Suchergebnissen nicht verfügbar.“ Bei der weiteren Recherche wird schnell klar, dass zumindest die Nachfrage enorm ist – und nicht nur die Landesjägerschaft Niedersachsen als Naturschutzverband immer wieder auf die Notwendigkeit von Wildquerungshilfen hinweist. Klar wird aber auch, dass der Bedarf um ein Vielfaches größer ist, als am Ende Brücken oder Tunnel gebaut werden. Leider wird bei den Planungen neuer Straßen, Stromtrassen, Schienenstrecken oder Photovoltaik-Parks mit denjenigen unterhalten, die sich vor Ort auskennen – nämlich mit uns Jägerinnen und Jägern.
Die Kosten für den Bau einer Wildbrücke starten bei rund einer Million Euro, nach oben hin sind keine Grenzen gesetzt. Natürlich lebt auch die Bauindustrie gut von Grünbrücken. Und so soll es schon vorgekommen sein, dass sehr schwach befahrene Straßen als Flächenausgleich für den neuen Verkehrsweg eine mehrere Millionen Euro teure Wildbrücke erhielten, da die Planung des Bauwerks einfacher erschien als Ausgleichsflächen anzukaufen. Findige Bauplaner haben sogar schon das Kunststück hinbekommen, dass eine Wildbrücke direkt vor den Gleisen einer gut genutzten Schienentrasse der Deutschen Bahn gebaut wurde. Aber Schwamm drüber – Fehler können ja mal passieren… Ironie off.
Fakt ist, dass das flächenmäßig zweitgrößte Bundesland Niedersachsen sehr unter der täglichen Zerschneidung der Landschaft leidet. Der Platzbedarf für neue Infrastruktur und dem Wunsch nach noch mehr Raum für Neubauten nimmt unserer heimischen Flora und Fauna immer mehr Raum. Dabei sorgt auch das Thema Elektrifizierung für große Sorgen in Richtung Naturschutz. Während Planer und Politik von nicht so wertvollen „Randflächen“sprechen, werden am Ende über das gesamte Land Niedersachsen tausende Hektar Lebensraum für Großflächen-PV-Anlagen eingezäunt. Vielen großen Wildarten werden diese Bereiche als Lebensraum über Jahrzehnte nicht mehr zur Verfüg stehen. Viel schlimmer ist, dass diese großen Anlagen auch die Lebensräume zerschneiden. Uns Jägerinnen und Jägern wird im Zusammenhang mit dem Thema Querungshilfen vorgeworfen, dass wir diese vor allem aus jagdlichen Vorteilen einfordern. Warum wir uns für den Schutz des Wildes in Niedersachsen einsetzen müssen, wird deutlich, wenn wir mit einem Auge über die Elbe in Richtung Schleswig-Holstein schauen. Denn dort drohen die Rotwildbestände genetisch zu verarmen, es werden zunehmend Missbildungen, unter anderem an den Kiefern, festgestellt. Es gibt viele Punkte, an denen die Jägerinnen und Jäger vor Ort bereits sehr gut mit der Politik zusammenarbeiten, bei den Querungshilfen ist man sich leider noch zu selten einig. Dabei wissen wir doch alle: Brücken verbinden.
Waidmannsheil
Wulf-Heiner Kummetz