Andacht im Jagdrevier

(Foto: Kapuhs/LJN)

"Kirche an anderen Orten" - eine Initiative von Hegeringen und Kirchengemeinde 

Eine Streubobstwiese in einem Revier in der Gemeinde Edewecht war am 10.09.2025 Schauplatz eines Revieransitzes der besonderen Art

Gegen 18:00 Uhr wurde eine "Andacht im Revier" vom Jagdhornbläsercorps Edewecht und der Ammerländer Jagdhornbläsergruppe unter der Dirigentschaft von Pastorin Daniela Ludewig-Göckler angeblasen. Die Idee dazu lieferte die Initiative "Kirche an anderen Orten" der Kirchengemeinde Petersfehn-Friedrichsfehn nach Absprache mit Vertretern der Hegeringe Bloh, Bad Zwischenahn und Edewecht.

In der Annahme, dass Petrus es dem Anlass entsprechend zur Chefsache erklären würde, war bestes Wetter für diesen Abend bereits im Vorfeld garantiert. Und so fanden sich rund 130 Gäste an diesem lauschigen Abend unter alten Obstbäumen, in einer besonderen Stimmung zwischen Lagerfeuer, Fackeln und herbstlicher Dekoration sowie diversen Exponaten aus der Natur ein. 

Feuerstellen, Fackeln und Jagdhorn-Klänge verleihen der Andacht eine gesellige wie gemütliche Atmosphäre (Foto: Kapuhs/LJN)

Eine außerordentliche Begrüßung erfuhren die Hundeführer, die eigens zu den Klängen der Jagdhundefanfare mit ihren Vierbeinern in den "öffentlichen Andachtsraum" einliefen. In ihrer kurzweiligen Andacht ging Pastorin Ludewig-Göckler dann auf das Zusammenspiel und die Kreisläufe der Natur ein. Unmittelbar im Anschluss nutzte Anke Fockenberg - Obfrau für Öffentlichkeitsarbeit im Hegering Edewecht - die Gelegenheit, der Zuhörerschaft einen Einblick in das ehrenamtliche Engagement der Jägerschaft in Sachen Natur- und Artenschutz zu vermitteln.

  • Zahlreiche Jagdhunderassen wurden der Gemeinde präsentiert. Und natürlich begleiteten sie die Jagdhornklänge mit ihrem ganz eigenen "Geheul" (Foto: Kapuhs/LJN)
  • Pastorin Ludewig-Göckler ging in ihrer Andacht insbesondere auf das Zusammenspiel und die Kreisläufe der Natur ein (Foto: Kapuhs/LJN)
  • Anke Fockenberg erklärte der Gemeinde die Arbeit der Jägerinnen und Jägern - insbesondere deren Einsatz für den Natur- und Artenschutz (Foto: Kapuhs/LJN)
  • Nach der Andacht gab es reichlich frische Wildbratwurst (Foto: Kapuhs/LJN)
  • Ähnlich einer Hubertusmesse wurde auch bei dieser Andacht eine Rotwild-Trophäe geschmückt und ausgestellt (Foto: Kapuhs/LJN)
  • Wild-Exponate schmückten den offenen Andachtsraum (Foto: Kapuhs/LJN)

Einen ganz praktischen Eindruck davon, was die Natur dem Menschen alles zu schenken vermag, bekamen die Anwesenden im Anschluss an die Andacht: frische Wildbratwurst vom Reh. Zu diesem Zweck hatten im Vorfeld die Pächter des Jagdreviers Friedrichsfehn/Klein Scharrel - Andre Meyer und Harald Würdemann - mehrere Jungjäger aus dem Hegering Edewecht zum gemeinschaftlichen Ansitz auf Rehwild eingeladen. Das dabei zur Strecke gekommene Rehwild wurde daraufhin von dem gelernten Metzger und studiertem Lebensmitteltechnologen, Karlheinz Lohmüller, nach einer himmlischen Rezeptur zu großkalibriger Bratwurst veredelt. Am Tag der Andacht eroberten "Lohmüllers Himmelstürmer" schließlich das Grillrost und wurden den Gästen aus den Händen des attraktiven Jungjägerinnen-Duos Tanja & Tanja (Tanja Werth und Tanja Reuter) serviert. Etwas überrascht von dem Ansturm hatte das Grillteam alle Hände voll zu tun, die Nachfrage zu befriedigen.

Bei Wildbratwurst und Getränken nahmen die sich anschließenden Gespräche des vielschichtigen Publikums im Fackelschein unter den Obstbäumen schließlich ihren gemütlichen Ausklang.

In Anbetracht der Vielzahl der mitwirkenden Protagonisten sei ihnen anstelle einer namentlichen Erwähnung ein ganz herzlicher Dank ausgesprochen. 

Daniel Bernett

(Foto: Kapuhs/LJN)

Tipps zur Organisation einer Revier-Andacht

1. Wer ergreift die Initiative? (z. B. Pastorin, Kirchengemeinde, Hegering; Jägerschaft). Ein kleines Planungsteam zusammenstellen: fünf bis sechs Jägerinnen und Jägern organisieren den Auf- und Abbau sowie die Betreuung während der Veranstaltung.

2. Jagdhornbläser frühzeitig einbinden – sie sind unverzichtbar für eine feierliche Gestaltung. Detailierte Planung zu Zeitabläufen und vorzutragenden Stücken am besten gemeinsam mit dem zuständigen Obmann besprechen.

3. Auswahl der Fläche: Die Fläche muss genügend Platz für die zu erwartende Gemeinde bieten. Sitze und Bänke organisieren und ähnlich eines Kirchenraums aufstellen. Parkmöglichkeiten für Autos und Fahrräder sollten vorhanden sein.

4. Atmosphäre schaffen: Je nach Jahreszeit kann der offenen Andachtsraum mit saisonalen Blumen oder Gestecken geschmückt werden. Feuerschalen und Fackeln schaffen eine besondere, gesellige Atmosphäre. Wild-Exponate können in die natürliche Umgebung eingebunden werden.

5. Bewirtung: Wildbratwurst ist sehr beliebt und macht gleichzeitig Werbung für den Wildbretverkauf. Frisch gegrillte Wurst kann zu einem angemessenen Preis unter Beachtung der Hygienevorschriften angeboten werden. Kleine Kostproben auf einem Probierteller überzeugen auch Kritiker. Ein Tisch für den Verkauf sowie eine kleine Getränketheke für Wasser, Kaffee oder andere Getränke erweitern das Angebot.

6. Präsentation von Jagd & Naturschutz: Materialien wie Felle, Decken, Präparate oder Trophäen in die natürliche Umgebung einbinden. 

7. Öffentlichkeitsarbeit: Flyer vorbereiten, z. B. mit Bezug zur DJV-Kampagne „Grüner wird’s nicht“. Ziel ist die Aufklärung über den umfassenden Naturschutz der Jäger.

Wichtige Themen, die vermittelt werden sollten:

- Förderung von Streuobstwiesen

- Aussaat und Verteilung von Blühsaat

- Vorstellung des Heckenprogramms

- Erklärung der Prädatorenbejagung (Schutz von Bodenbrütern wie Kiebitz, Fasan, Brachvogel)

- Hinweis auf jagdliche Aktivitäten, z. B. Krähenjagd am Samstagmorgen – so sind Schüsse erklärbar.

8. Ziel & Motivation: Bürgerinnen und Bürger sowie mögliche Kritiker sollen erfahren: Jäger betreiben aktiven und verantwortungsvollen Naturschutz. Jagd bedeutet Tradition, Verantwortung und gelebter Tierschutz. Die Andacht ist eine Gelegenheit, Sympathie, Verständnis und Vertrauen in die Arbeit der Jägerschaft zu fördern.

✅ Mit diesem Leitfaden lassen sich Andachten der Jägerschaft effektiv, informativ und stimmungsvoll gestalten.

Anke Fockenberg / Sebastian Kapuhs