Bereit für die Bewegungsjagd?
Wenn Sie diese BLATTZEIT-Ausgabe lesen, hat die „Ernte-Saison“ bereits begonnen. Land auf, Land ab sind in den kommenden Wochen die niedersächsischen Jägerinnen und Jäger auf den Läufen und unterstützen die Jagdherren bei den anstehenden Bewegungsjagden. Dabei sind sowohl für die Jagdleiter als auch für erfahrene und unerfahrene Jägerinnen und Jäger Dinge zu beachten, an die man im ersten Augenblick vielleicht gar nicht denkt. Der BLATTZEIT-Chefredakteur Wulf-Heiner Kummetz hat sich mit Sven Lübbers, Leiter des Jägerlehrhofes Jagdschloss Springe ausgetauscht.
Herr Lübbers, wie weit im Voraus sollte man den Termin für eine klassische Bewegungsjagd ansetzen? Spielt es bei der Terminauswahl dabei eine Rolle, ob es sich um eine Feld- oder Waldjagd handelt?
Jeder Jagdleiter weiß: Das Gelingen einer Gesellschaftsjagd steht und fällt mit der Hilfe und der Erfahrung einiger wichtiger Jagdhelfer. Dazu gehören insbesondere die Hundeführer und Ansteller. Damit diese früh gebunden werden können und nicht bei parallel stattfindenden Jagden schon zugesagt haben, sollte eine groß angelegte Bewegungsjagd lange im Vorfeld terminiert werden. Wichtig ist auch, die Rückantwortfrist nicht zu spät zu wählen, damit noch genug Zeit bleibt, bei etwaigen Absagen gute Ersatzleute zu finden.
Bei kleineren Bewegungsjagden im Feld, wenn zum Beispiel der Körnermais Ende Oktober noch steht und die Sauen fest sind, ist eine frühe Terminierung in der Regel nicht möglich. Bei diesen „Spontanjagden“ dürfen beim Thema Sicherheit und insbesondere bei der Schützenauswahl aber keine Kompromis-se gemacht werden.
Was sollte ein Jungjäger in Vorbereitung einer Bewegungsjagd an Ausrüstung beschaffen?
Neben warmer, wetterfester und geräuscharmer Funktionskleidung in mehreren Schichten und einer hochwildtauglichen Waffe sollte unbedingt in hochwertige variable (Ziel-)Optik investiert werden. Bei mir steht die Vergrößerung des Zielfernrohrs dabei auf 1,5-fach. Sollten auch auf weitere Entfernungen sichere Schüsse anzubringen sein, kann ich immer noch hochdrehen. Daneben hat sich auch ein gutes Fernglas und eine separate Wärmbildkamera beim Ansprechen bewährt. Ich habe immer ein ungutes Gefühl, wenn Jäger wegen des Zeitvorteils nur über das Zielfernrohr ansprechen. So manches vermeintliche Stück Wild hat sich beim näheren Hinsehen als Treiber oder Jagdhund erwiesen.
In meinem großen Bewegungsjagd-Rucksack finden sich auch noch viele kleine nützliche Dinge wie scharfe Messer, ein Bergegurt, ein aktiver Gehörschutz, ein Sitzkissen, Erste-Hilfe-Material für Mensch und Hund sowie Flatterband für das Markieren von Anschüssen.
Wie kann sich ein Jungjäger am besten auf eine Drückjagd vorbereiten?
Jungjäger sind nach meiner Erfahrung schießtechnisch oft auf einem viel besseren Stand als der Durchschnittsjagdgast, der nur beim gesetzlich vorgeschrieben Schießnachweis auf dem Schießstand gewesen ist. Viel wichtiger ist eine mentale und fachliche Vorbereitung bei einer Jagdform, wo es oft um sehr schnelle Entscheidungen geht. Das heißt, man darf sich nicht zu sehr unter Druck setzen lassen und nur dann schießen, wenn bei den Themen Sicherheit und Ansprechen keine Abstriche gemacht werden müssen. Häufige Aufenthalte auf dem Schießstand oder dem Schießkino können keine Erfahrungen beim Erkennen von führenden Bachen oder Alttieren ersetzen. Dabei hilft die häufige Jagdpraxis bei der Einzeljagd und/oder die Teilnahme an fortführenden Seminaren zu bestimmten Wildarten, wie zum Beispiel den Dam- oder Schwarzwildseminaren am Jägerlehrhof.
Ab wann sollte der Revierinhaber sein Revier auf die Drückjagd vorbereiten, ab wann sollte Jagdruhe herrschen?
Wer ein Revier neu übernommen hat, muss schon zu Beginn des Jagdjahres mit der Vorbereitung starten. Insbesondere die Planung, der Bau und das Aufstellen von ausreichend Ansitzeinrichtungen speziell für Bewegungsjagden braucht seine Zeit. Nicht alle für die Einzeljagd errichteten Einrichtungen sind für die Gesellschaftsjagd auf Schalenwild geeignet. So ist zum Beispiel in geschlossenen Kanzeln ein freies Mitschwingen der Waffe kaum möglich. Als Ansitzeinrichtung sind deshalb nach allen Seiten offene Drückjagdstände zu empfehlen, die dem Schützen nach allen Seiten Bewegungs- und Schießmöglichkeiten bieten. Ich persön-lich versuche große Bewegungsjagden ab Mitte Januar zu vermeiden, weil zum Beispiel bei witterungsbedingten Absagen keine Ersatztermine mehr möglich sind und auch wildbiologisch (unter anderem Stoffwechsel/Energiehaushalt von Wildtieren und Frischzeitpunkte bei den Sauen) vieles dagegen spricht.
Auf was ist als Jagdleiter imRahmen der Einladung zu achten, welche Hinweise sollten den Jagdgästen von vornherein mitgegeben werden?
Neben den grundlegenden Angaben (wer, wann, wo, den Treffpunkt unbedingt mit präziser Ortsangabe so beschreiben, dass er auch für Neulinge leicht zu finden ist) sollten auch die Rahmenbedingungen im Vorfeld skizziert werden. Die Jagdart, die voraussichtliche Freigabe, ob brauchbare Jagdhunde erwünscht sind und ob die Bläser ihre Jagdhörner mitbringen sollen, sollte aus der Einladung hervorgehen. Bei Verwendung von Erdständen im bergigen Revier ist das Mitbringen von Sitzstühlen zu vermerken. Außerdem sind für alle Teilnehmer, insbesondere aber für Jäger aus anderen Bundesländern, auch rechtliche Hinweise wichtig. Dazu zählen unter anderem ein gültiger Schießnachweis oder zugelassene Munitionsarten. Angaben über Verpflegung, Schüsseltreiben und Kostenpauschalen runden eine gute Jagdeinladung ab. Ganz wichtig ist eine Rückmeldefrist, bis zu der verbindlich zu- oder abgesagt werden muss.
Nach welchen Kriterien würden Sie die Jagdgäste auswählen?
Wenn ich völlig frei in meiner Entscheidung wäre, sind mir das Sicherheitsverhalten und die Ehrlichkeit zum Beispiel beim Melden von Anschüssen von Jagdgästen am wichtigsten. Bei meinen Jagdhelfern, dazu zählen unter anderem die Hundeführer, Ansteller und Aufbrechtrupps, sind darüber hinaus praktische Kriterien wie Verfügbarkeit, Jagdhund, Revierkenntnisse, Verlässlichkeit und fachliche Kompetenz entscheidend. Bei den übrigen Jagdgästen geht bei mir Sympathie vor Schießbereitschaft und Anzahl der Jahresjagdscheine. Das heißt: Auch Jungjäger sind herzlich willkommen, werden aber von mir auf Ständen platziert wo sie nicht überfordert sind. Wir alle haben mal klein angefangen und waren froh, dass es Jagdherrn gegeben hat, die uns eine Chance gegeben haben Erfahrungen zu sammeln.
Zum organisatorischen Ablauf am Jagdtag: Es gibt einen rechtlichen Rahmen, Sicherheitsbelehrungen, Kontrolle der Jagdscheine und Schießübungsnachweise, Einweisungen der Schützen auf den Stand, allgemeine Hinweise bei der Ansprache des Jagdleiters. Haben Sie eine Empfehlung oder einen kurzen Ablaufplan, wie sich der Jagdleiter am besten organisieren kann?
Dazu kann ich nur die Checklisten und Broschüren der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) empfehlen. Sie kann man auf der Homepage www.svlfg.de/jagd als PDF finden oder auch als Broschüre bestellen. Teilnehmer unseres Jagdleiterseminars in Springe oder auch bei unseren „Jagdleiter vor Ort“- Seminaren in Hegeringen und Jägerschaften bekommen alle Unterlagen als Handout.
Was passiert mit denjenigen, die ihre Papiere zu Hause vergessen haben?
Eine erfolgreiche und sichere Gesellschaftsjagd bedarf einer konsequenten Jagdleitung. Wer solch grundlegende Dinge, die ja auch gesetzlich vorgeschrieben sind, wie den Jagdschein vergisst, darf an der Jagd nicht als Schütze teilnehmen. Dabei dürfen keine Ausnahmen gemacht werden. Unter Umständen kann ansonsten auch der Jagdleiter in rechtliche Schwierigkeiten geraten.
Wie sollte sich ein Jungjäger auf einer Drückjagd verhalten?
Grundsätzlich sollte sich ein Jungjäger nicht anders verhalten als jeder andere Jagdgast. Sicherheit und Einhaltung der Vorgaben des Jagdleiters, zum Beispiel bei der Freigabe, gehen vor persönlichem Jagderfolg. Es gilt wie „tausendfach“ in der Jungjägerausbildung gehört, der Grunsatz: „Im Zweifel bleibt der Finger gerade“. Wichtig sind außerdem Pünktlichkeit und den Anweisungen der Jaghelfer, zum Beispiel der Ansteller, genau zuzuhören und umzusetzen. Im Zweifelsfall immer nachfragen. Die Frage am Ende jeder Jagdansprache „Gibt es noch Fragen?“ ist keine Floskel.
Im übrigen bietet der Jägerlehrhof Jagdschloss Springe speziell für Jagdleiter ein Seminar zur Weiterbildung an. Hier anklicken und informieren: PDF Jagdleiterseminar
Wulf-Heiner Kummetz