Kiebitz und Rebhuhn sollen profitieren
Im Landkreis Rotenburg W. treffen sich seit vielen Jahren mehrmals jährlich naturinteressierte Laien sowie anerkannte Fachleute im sogenannten faunistischen Arbeitskreis. Das Interesse unter den Teilnehmern, oftmals auch aus benachbarten Landkreisen kommend, gehört in erster Linie der Ornithologie. Daneben finden aber auch Reptilien, Lurche, Libellen, Fledermäuse und manche andere Artengruppen dort ihren Platz. Neben dem theoretischen Teil wird im Anschluss unter fachlicher Führung regelmäßig auch ein naturkundlich interessantes Gebiet im Landkreis besucht und erkundet. Zum Teilnehmerkreis gehören auch wenige Jäger.
In 2020 wurde ein landesweites Monitoring der Brutvorkommen des Kiebitzes in Niedersachsen durchgeführt. Bei der Erfassung beteiligte sich auch das Jagdrevier Tarmstedt. Das Revier Tarmstedt gehört mit einem lokalen Vorkommen von brütenden Kiebitzen zu den wenigen Revieren im Hegering wo das „Ki-witt“ im Frühjahr noch zu vernehmen ist. Der allerorten zu verzeichnende Rückgang der Brutreviere ist bekanntermaßen dramatisch zu nennen (bundesweiter Rückgang seit 1980 um 93%).
Auch ohne die Bedeutung anderer durchgeführter sinnvoller Schutzmaßnahmen in Frage zu stellen, zeigen Projektergebnisse und Literaturdaten, dass Prädationsverluste von Kiebitzgelegen und Jungvögeln, insbesondere durch den Fuchs, den Reproduktionserfolg in allen Habitaten auf ein nicht nachhaltiges Niveau reduzieren können. Zudem wurden Marderhund und Waschbär sowie weitere Arten als Nesträuber von Kiebitzgelegen nachgewiesen. Neben der Wiederherstellung geeigneter Lebensräume, in denen natürliche Vermeidungs- und Abwehrstrategien wirken können, kann selbst in Schutzgebieten mit guter Lebensraumausstattung der Prädationsdruck jedoch so groß werden, dass Erfolge im Habitatmanagement durch die Prädation konterkariert werden. Das gilt im Revier Tarmstedt ebenso für das Rebhuhn und andere bodenbrütende Arten. Anlass genug für die dortigen Jagdpächter sich im Schutz der bedrohten Arten intensiver zu engagieren.
Da bis vor wenigen Jahren eine eher stiefmütterlich betriebene Fallenjagd im Revier Tarmstedt stattfand, hatten sich die örtlichen Revierpächter entschlossen, die Fallenjagd zu intensivieren. Die bejagbare Revierfläche ist etwa 2100 ha groß, davon gehören knapp 400 ha zum engeren Brutgebiet der Kiebitze. Nach anfänglicher Beratung durch Jan und Susanne Radke (sie betreuen die Fangjagd im Revier der Jagdschule Marco Soltau) zu geeigneten elektronischen Fallenmeldern, sowie Besuch des dortigen Revieres mit Rundgang und Besichtigung verschiedener Fallentypen, wurde mit etwa 15 Kasten- und Kofferfallen die Fallenjagd und entsprechender Ausstattung mit Fallenmeldern in 2023 gestartet. Weil auch das Amt für Naturschutz des Landkreises Rotenburg W. Prädationsmanagement in Wiesenvogelbrutgebieten fördert, wurde dort ein Förderantrag für die Anschaffung von Fallen und Fallenmeldern für den lokalen Wiesenvogelschutz beantragt. Bei einer Fördersumme von ca. 10 Tsd € wurden gut 50 Prozent der Anschaffungskosten im Frühjahr 2025 durch den LK ROW getragen. Zusätzlich wurden weitere Fallen erworben oder in Eigenbau hergestellt. Auch die BINGO-Umweltstiftung hat hierzu für Fallenmelder einen wesentlichen Zuschuss geleistet. Großzügig hat sich auch die örtliche Jagdgenossenschaft gezeigt, die für die Bejagung insbesondere der Nutria, die Kosten für vier Rohrfallen „Trapper Neozoen“ mit Fallenmeldern übernommen hat. Desgleichen hat auch der NLWKN eine Falle mit Melder zur Verfügung gestellt. Allen Förderern und Beteiligten gilt ein herzliches Waidmannsdank!
Für die kommende Fangsaison stehen im Revier nunmehr 50 verschiedene Fallen (7 Betonwipprohr-, 29 Kasten- und 10 Kofferfallen, drei Mäuseburgen sowie eine Kunstbaufalle) und vier Kunstbauten bereit. Von den Fallen sind bisher 43 mit elektronischen Fallenmeldern ausgestattet. Betreut werden alle Fallen von fünf Jägern im Rentenalter. Am 2. August zeigten sich alle Teilnehmer aus dem Hegering bei einer Revierrundfahrt beeindruckt von den bis dato erbrachten Maßnahmen im lokalen Prädationsmanagement. Angeregt wurde eine Ausweitung auch auf die Bejagung des Hermelins mit geeigneten Fallen. Leider ist und bleibt dabei aber die weitere `Manpower‘ noch ein begrenzender Faktor.
Dr. Heinz-Hermann Holsten