Jagdlich ankommen
Womit Jägerinnen und Jäger auf Gesellschaftsjagden für einen bleibenden Eindruck sorgen
Die Gesellschaftsjagden sind längst in vollem Gange, auch die neuen Jungjägerinnen und Jungjäger kommen vielleicht in den Genuss und erhalten ihre ersten Jagdeinladungen. Nirgendwo sonst kann man besser in Fettnäpfchen treten, als auf Gesellschaftsjagden. Die BLATTZEIT-Redaktion hat das Thema einmal etwas näher beleuchtet und berichtet über Erlebnisse eines Revierinhabers.
- Man hinterlässt bei jedem Jagdherren einen ausgesprochen besonderen Eindruck, wenn man sich proaktiv zu einer Gesellschaftsjagd einlädt. Wer als Jungjäger als Treiber eingeladen wird und die Einladung ausschlägt, weil man ja Jagdscheininhaber – und somit zu einem besseren berufen ist – darf gespannt auf die Reaktion des Einladenden sein.
- Hat der Nachwuchsjäger eine der heißbegehrten Einladungen erhalten, hilft es dem Jagdherren nicht, wenn er keine Antwort erhält. Eine plumpe whatsapp mit „danke“ bleibt ebenso in Gedanken, wie ein höflicher Anruf mit einem kurzen Gespräch und dem Ausdruck der Freude zur Einladung.
- Wer vielleicht keine Zeit hat oder verhindert ist, merkt dieses ebenfalls nicht mit einer Nachricht an. Auch hier gilt: Das persönliche Wort hat immer den größten Wert.
- Es soll Jagdleiter geben, die die digitalen Medien einsetzen und Gruppen-Chats für Gesellschaftsjagden einrichten. Diese Chats dienen zur einseitigen Informationsweitergabe von Jagdleiter an die Jagdgäste. Anzügliche Jagdvideos oder sinnlose Inhalte haben darin ebenso wenig etwas zu suchen, wie die Absage der Jagd morgens um vier. Niemanden in der Gruppe interessiert es, dass ein plötzlicher Ausbruch eines Magen-Darm-Virus die Jagdpläne jäh zerstört hat. Spoiler: Es soll auch schon vorgekommen sein, dass Jagdgäste, die sich Mitten in der Nacht „krankheitsbedingt“ in einer Gruppe abgemeldet haben, sich bereits um Ersatz gekümmert haben. Auf die Spitze treibt es derjenige, der möchte, dass sein Ersatzmann bitte zeitnah in die Gruppe aufgenommen werden möge. In so einem Fall ist die Geduld des Revierinhabers möglicherweise etwas angespannt. Rat der Redaktion: Wer sich als Jagdgast so benimmt, sollte nicht auf eine Antwort warten. Man kann sich hingegen sicher sein, dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass es von diesem Jagdherren erstmal keine Jagdeinladung mehr gibt.
- Wer bis zum Jagdtag gesund geblieben ist, steht vor der Herausforderung, auf jeden Fall pünktlich zu sein. Pünktlich heißt nicht: um acht Uhr ist eingeladen, also bin ich auch um acht Uhr da. Pünktlich heißt: Es ist sicherzustellen, dass man so früh losfährt, dass im Zweifel auch noch ein Stau mit einkalkuliert wird. Ein unpünktlicher Jagdgast sorgt für maximales Chaos einer gut organisierten Gesellschaftsjagd.
- Der Ton macht die Musik: Es ist kaum zu glauben, aber ja, Jägerinnen und Jäger begrüßen sich bei der Jagd. Ein Moin ist immerhin etwas – Waidmannsheil trifft es eher. Kluge versuchen, zuerst den Jagdherren zu begrüßen. Dabei ist es ganz und gar nicht schädlich, noch einmal freundschaftlich danke zur Jagdeinladung zu sagen. Eine kleine Aufmerksamkeit ist nicht verpflichtend, zeigt aber, dass der Frischling für die Einladung sehr dankbar ist.
- Wer keine Papiere (nein, die Rede ist nicht vom Führerschein oder Fahrzeugschein) dabei hat, hat Pech gehabt. Freundliche Jagdleiter lassen vergessliche Jägerinnen und Jäger als Treiber ohne Waffe mit durch das Revier gehen, für andere ist der Jagdtag vorbei.
- An die Jagd ist auch Tradition geknüpft. Krawatten, weiße Hemden oder Jackets gehören heute zwar nur noch selten zum Kleidungsbild – wer allerdings nicht in jagdlich gedeckten Farben aufschlägt, sorgt für eine besondere Polarisation. In den Mittelpunkt eines Gespräches schafft es sicher jeder mit gelben Gummistiefeln, weißen oder blauen Hosen, neunfarbenen Westen oder ausgefallenen Mützen. Nicht zu vergessen sind übergroße Jagdmesser, dessen Halterungen aufwendig mittig um den vielleicht recht ausgeprägten Bauch geschnallt sind.
- Nachdem alle Hardware-Hürden gemeistert sind, gilt es bei der Ansprache des Jagdleiters die Löffel zu spitzen. Keiner stellt sich ohne Grund vor die Jagdgesellschaft. Wer nicht richtig zuhört, wird früher oder später an seine Grenzen stoßen. Es soll schon vorgekommen sein, dass Jagdgäste nicht zum Streckenplatz gekommen sind, weil sie nicht zugehört haben, wann Hahn in ruh ist.
- Einnehmen des Sitzes: Was für viele von uns Routine ist, kann für andere die maximale Herausforderung darstellen. Wer nicht verstanden hat, wo der Stand ist, fragt nach. Ein sinnloses Umherirren durch ein fremdes Revier hilft der Jagd nicht. Ebenso hat der Jagdgast zu befolgen, was ihm aufgetragen wurde. Das gilt für die Richtung in die man schießen darf ebenso, wie für Freigaben. Wenn Bachen nicht erlegt werden dürfen, liegt am Ende auf der Strecke keine Bache. Das Leben könnte so einfach sein…
- Jeder kennt es: Vorab gab es ein paar Heißgetränke, irgendwann drückt die Blase. Wie das Problem zu lösen ist, muss jeder vor der Jagd regeln. Fest steht: solange nicht Hahn in ruh ist, wird der Stand nicht verlassen.
- Frostschutz gehört in den Kühler. Auch wenn es kalt ist: auf einer Jagd wird nicht getrunken. Dazu zählt auch der kleine Schluck aus dem Flachmann. Gegen kalte Temperaturen oder Regen helfen heute moderne, beheizte Kleidungsstücke oder Funktionskleidung. Eine alte Jägerweisheit sagt dazu: Wer friert ist arm oder dumm.
- Fast geschafft, es ist Hahn in ruh. Auch hier gilt, dass eigenmächtige Handlungen bei dem Jagdherren seltenst Freude auslösen. Insofern immer das machen, was vorab vereinbart wurde. Und wenn der Ansteller etwas länger als geplant braucht, ist das so.
- Am Streckenplatz angekommen, gibt man nicht nur ehrlich Auskunft gegenüber dem Jagdherren, vielmehr ist Hilfsbereitschaft gefordert. Hände in den Hosentaschen = Man will verreisen. Ärmel hochgekrempelt = bereit zum Anfassen und Aufbrechen. Letzteres sollte natürlich nur übernommen werden, wenn das Handwerk beherrscht wird. Ansonsten erreicht der gute Wille allein möglicherweise auch nur das Gegenteil.
- Wer nach der Jagd am Lagerfeuer ins Gespräch kommt, sagt zu einem erfolgreichen Schützen nicht herzlichen Glückwunsch. Auf der Jagd bleibt man in der Waidmannssprache: Waidmannsheil zum Erleger, Waidmannsdank vom Erleger. Funfact: Auch der Jagdherr sollte an dieser Stelle auf seine Wortwahl achten. Ganz nebenbei ist der erfolgreichste Schütze auf der Jagd nicht der Schützenkönig. Diese Person wird Jagdkönig genannt. Ironie off.
- Nachdem das Meer der Tücken und Fallstricke fast durchschwommen ist, folgt die Königsdisziplin: Strecke verlegen, Strecke verblasen. Leider wird das jagdliche Brauchtum an dieser Stelle nur noch sehr selten richtig gelebt. Dennoch: Ein Jagdgast ist gut beraten, sich immer dort zu platzieren, wo die Schützen stehen (sofern er denn als Jäger eingeladen wurde). Man stellt sich bei der Strecke niemals vor das Waidloch der Kreaturen. Merke: wer dort steht, steht verkehrt. Neben den Jagdherren stellt sich ein Jäger nur nach direkter Aufforderung – oder wenn ihm ein Bruch überreicht werden soll. In diesem Falle gilt: Ein Hut tut gut, mindestens aber eine Mütze – wo sonst kann der Erlegerbruch angesteckt werden?
- Die Strecke wurde verblasen, das letzte Signal erklingt, der Jagdleiter wünscht allen Beteiligten noch einen tollen Tag. Ja, der Tag war lang – aber die Jagd ist grundsätzlich noch nicht vorbei. Eigentlich beginnt sie erst: Die Strecke muss in die Kühlung, der Streckenplatz muss aufgeräumt, das Luder entfernt werden. Woher auch immer ich weiß, wie doof es ist, wenn der Jagdleiter am Ende vor allen Aufgaben alleine steht, kann sich ausgedacht werden. Engagierte Helferinnen und Helfer werden allerdings immer in guter Erinnerung behalten.
- Es ist geschafft. Die Jagd ist vorbei. Wer im kommenden Jahr wieder eine Einladung erhält, hat viele Dinge richtig gemacht. Wer nicht wieder eingeladen wurde, war auch bemüht – nur eben nicht so, wie es wünschenswert wäre. Die BLATTZEIT-Redaktion wünscht allen von Ihnen noch eine schöne Zeit bei Ihren Gesellschaftsjagden!