Politische Spitze
Tierschutz vs. Vogelgrippe
In den vergangenen Wochen hat unsere Redaktion BLATTZEIT verschiedene Mails zum Thema Vogelgrippe erhalten. Die darin geschilderten Begebenheiten waren für Tierliebhaber teilweise nur schwer zu ertragen. Die Rede ist von schwerkranken Kranichen, die in diesem Jahr sehr mit der Vogelgrippe zu kämpfen haben. Viele dieser Vögel haben ihre Reise in den Süden nicht geschafft und sind qualvoll verendet.
Sogenannte Tier- und Naturschützer sprechen von „natürlicher Auslese“ oder natürlicher Mortalität. Sie blenden dabei aus, dass es sich hierbei um ein Seuchengeschehen handelt, dass auch massenhaftes Tierleid bedeutet, schließlich verendet ein Großteil der Kraniche erst nach langem Todeskampf.In diesem Zusammenhang darf aber auch die Frage gestattet sein, warum sich die Kreise und das Land Niedersachsen so schwer damit tun, uns eine pragmatische Sondergenehmigung zum Abschuss schwerkranker Wildvögel zu erteilen, die eigentlich nicht gejagt werden dürfen.
Ja, das Thema ist sensibel. Schließlich wird uns von Kritikern immer wieder unterstellt, es würde an der nötigen Sachkunde für solche Entscheidungen mangeln. Also schlussfolgern diese Menschen, dass unsere ehrenamtliche Tätigkeit mehr die Lust am Töten, als der Tierschutz die Mutter des Gedanken ist. Ich halte dagegen: Selbstverständlich verfügen die Jägerinnen und Jäger über die notwendige Sachkunde für eine solche Entscheidung und nein, keineswegs geht es um die „Lust am Töten“. Vielmehr geht es darum, unkompliziert Tierleid zu verhindern und zu beenden. Ein Kranich, der nur noch wankend, flatternd auf dem Boden liegt, sich mit letzter Kraft überschlägt und mit seinen Kräften am Ende ist, soll lieber elendig dahinsiechen, anstatt dass wir das Leben durch einen gezielten Schuss beenden. Mit Logik ist diese Situation einem Laien ebenso wenig zu erklären, wie Fachleuten.
Zum Glück haben Anfang November einzelne Landkreise gehandelt und mitunter recht unkomplizierte Abschussfreigaben für kranke Kraniche erteilt. Diese Landkreise handeln vorbildlich und sollten ein Beispiel für die Kreise sein, die sich bis heute schwer mit einer solchen Ausnahmegenehmigung tun. Es geht am Ende um nichts anderes als um Tierwohl. Es wäre wünschenswert, würde es für solche Ausnahmesituationen eine einheitliche Meinung und Entschlossenheit geben – und keine verschiedenen Meinungen dazu, was Tierwohl ist und was nicht.
Wulf-Heiner Kummetz