Mitgliederversammlung der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V.
Die diesjährige Mitgliederversammlung der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. (LJN) fand am 8. Mai in der „Alten Reithalle“ in Soltau statt. Zahlreiche Gäste aus der Politik sowie Vertreter befreundeter Verbände folgten der Einladung. Im besonderen Fokus der jagd- und verbandspolitischen Ausführungen von LJN-Präsident Helmut Dammann-Tamke standen neben den aktuellen Entwicklungen rund um die Novelle des Niedersächsischen Jagdgesetzes die Wildarten Rotwild und Birkwild.
Ausrichter war in diesem Jahr die Jägerschaft Soltau. Stellvertretend für die rund 1.000 Mitglieder, 257 Jagdreviere und neun Hegeringe hielt der Vorsitzende Claus-Heinrich Schlange das erste Grußwort und berichtete unter anderem über die gute Zusammenarbeit zwischen Jägerschaft und Behörden. Neben der liebevoll geschmückten „Alten Reithalle“ sorgten kleine Geschenke der Firma Grube sowie Mini-Wildsalamis der Landschlachterei MiWo für das gewisse Etwas. Musikalisch wurde die Veranstaltung von Bläserinnen und Bläsern begleitet, die sich aus fünf Hegeringen formiert hatten.
Der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Soltau, Dr. Andreas von Felde, sprach in seinem Grußwort unter anderem das Thema Landschaftszerschneidung an. „Wenn Wanderkorridore unter PV-Anlagen leiden, wenn Bahntrassen Verinselungen mit sich bringen, haben wir ein Problem.“ Der Erste Kreisrat Oliver Schulze machte deutlich, dass das Land durch den Schießübungsnachweis ein großes Interesse an gut ausgebauten Schießständen habe.
Das abschließende Grußwort hielt Staatssekretärin Frauke Patzke, die selbst seit einigen Jahren passionierte Jägerin ist. Dabei ging sie intensiv auf das Verhältnis zwischen Jägerschaft und Politik ein. „Wir erleben eine Phase, in der die Positionen zwischen Politik, Gesellschaft und Jägerschaft angespannt sind. Wir kommen nur weiter, wenn wir die Dinge angehen, darüber reden und Lösungen finden. Vertrauen entsteht durch Verlässlichkeit und Kommunikation. Weder Politik noch Verbände werden die Probleme der kommenden Zeit allein lösen können. Es geht nur gemeinsam. Das Wissen der Jägerschaft ist von großer Bedeutung. Dieses Wissen gehört in die Politik und muss dort auch Gehör finden. Die Fähigkeit, Spannungen auszuhalten, ohne dass Gesprächsfäden abreißen, ist wichtig“, betonte Patzke.
LJN-Präsident Helmut Dammann-Tamke griff die Worte der Staatssekretärin unmittelbar auf: „Ich kann Ihnen versichern, dass das Präsidium der LJN jederzeit zum Dialog mit der Politik bereitsteht.“ Im Rahmen seiner jagdpolitischen Ausführungen berichtete Dammann-Tamke über die Novellierung des Landesjagdgesetzes in Niedersachsen: „Am 29. April haben die regierungstragenden Fraktionen eine Vorlage eingebracht. Wenn es nicht notwendig ist, ein Gesetz zu machen, dann ist es notwendig, keines zu machen. Wer an die Punkte des Eckpunktepapiers herangehen will, hat nur ein Ziel vor Augen: Er will die Jagd angreifbarer machen. Die Nutria bleibt im Jagdrecht – ein Punkt, den wir durchgesetzt haben. Die wildernde Katze darf im Rahmen des Jagdschutzes im erweiterten Bereich von 350 Metern weiterhin bejagt werden. Eine Katze in einer Lebendfangfalle erfüllt weiterhin den Tatbestand der Wilderei“, so der LJN-Präsident.
Einen besonderen Raum nahm das Thema Wolf ein. „Der Wolf hat seinen strengen Schutzstatus auf EU-Ebene von ,streng geschützt‘ auf ,geschützt‘ verloren. Dies ermöglicht die Überführung des Wolfes vom Bundesnaturschutzgesetz in das Bundesjagdgesetz. In Richtung Umweltminister Meyer sage ich ganz deutlich: Die Regelungen aus dem Bundesjagdgesetz müssen in Niedersachsen vollumfänglich umgesetzt werden. Darauf bestehen wir. Das, was die niedersächsische Landesregierung vorhat, stellt die Bundesregelung auf den Kopf.“
Mit Blick auf die beiden Charakterarten der Lüneburger Heide sagte Dammann-Tamke: „Es ist fünf vor zwölf. So unterschiedlich Rotwild und Birkwild auch sind – sie eint, dass wir im Umgang mit ihnen vor großen Herausforderungen stehen.“ Noch sei es für beide Arten nicht zu spät, ein Umdenken sei jedoch dringend notwendig. Während die Ausgangslage beim Rotwild in Niedersachsen glücklicherweise noch nicht existenzbedrohend sei, stelle sich die Situation beim Birkwild deutlich kritischer dar. Hier trage das Land eine besondere Verantwortung, denn die Lüneburger Heide beherberge das letzte autochthone Vorkommen im mitteleuropäischen Tiefland.
„Beim Birkwild geht es insbesondere um die Intensivierung der Beutegreiferbejagung. Hier müssen alle beteiligten Partner Farbe bekennen: Wollen wir das Birkwild erhalten, geht das nur über ein intensives und flächendeckendes Prädatorenmanagement.“ Lücken dürfe es dabei weder in privaten Revieren noch in den Revieren der öffentlichen Hand geben.
Beim Rotwild lägen die Herausforderungen an anderer Stelle: „Klar ist: Wir müssen auch in Niedersachsen den genetischen Austausch sicherstellen. Dazu brauchen wir mehr Grünbrücken oder andere geeignete Querungshilfen für das Rotwild.“ Hinzukommen müsse eine deutlich stärkere Berücksichtigung der wildökologischen Raumplanung und insbesondere der Bedürfnisse der Wildtiere. Beides seien nicht zuletzt auch Ergebnisse des 1. Wildtierforums Niedersachsen gewesen, das die Landesjägerschaft Mitte April unter dem Motto „Rotwild – Situation, Chancen und Herausforderungen“ ausgerichtet hatte.
Auch innerverbandliche Themen wie die geplante Einführung einer neuen Mitgliederverwaltung, der neue Verbandsbericht sowie die Auszeichnung verdienter Funktionsträger mit der LJN-Verdienstnadel in Gold – der höchsten Auszeichnung der Landesjägerschaft Niedersachsen – standen auf der Tagesordnung. Der diesjährige Gastvortrag von Christine Fischer widmete sich einem weiteren wichtigen und aktuellen Thema: der Darstellung der Jagd in den sozialen Medien – wo liegen die Chancen, wo die Risiken?
Wulf-Heiner Kummetz / Florian Rölfing