Umfangreiches Programm bei der Mitgliederversammlung der Berufsjäger in Lohhof
Ein abwechslungsreiches Programm erwartete die Mitglieder des Landesverbandes der Berufsjäger Niedersachsen e.V. Mitte Juni bei ihrer Mitgliederversammlung. Neben den verbandspolitischen Beratungen standen ein Schießtraining, hochkarätige Fachvorträge sowie eine Exkursion zum Thema Lebensraumgestaltung auf dem Programm.
Den Auftakt bildete ein dreistündiges Training auf dem Schießstand in Liebenau, bei dem die Teilnehmer ihre Fertigkeiten weiter vertiefen konnten. Anschließend trafen sich die Berufsjäger in Lohhof, dem landwirtschaftlichen Betrieb der Dietmar Harting Landwirtschaft GmbH & Co. KG mit angeschlossener Jagdverwaltung und Wirkungsstätte des Landesvorsitzenden Wildmeisters Marcus Steiner.
Zu den Ehrengästen der Versammlung zählten unter anderem Dr. Marco Mohrmann, Generalsekretär der CDU Niedersachsen, der Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, Helmut Dammann-Tamke, sowie deren Vizepräsident Ralf Eickhoff. Nach dem Totengedenken und den satzungsgemäßen Regularien, darunter die Genehmigung des Protokolls der vergangenen Mitgliederversammlung, eröffneten die Grußworte den offiziellen Teil.
Den Anfang machte Till Rosenkranz vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Er dankte dem Landesverband ausdrücklich für dessen engagierte Mitarbeit an den jagdpolitischen Prozessen des Landes und würdigte die fachliche Kompetenz der Berufsjäger.
Dr. Marco Mohrmann bedankte sich für die Einladung und hob insbesondere die Expertise des Verbandes während der Anhörung zur Novellierung des Niedersächsischen Jagdgesetzes im Landtag hervor. Aus Sicht der CDU habe es ein neues Jagdgesetz nicht gebraucht. Entsprechend habe seine Fraktion den Gesetzesentwurf am Vortag abgelehnt. Kritisch äußerte sich Mohrmann insbesondere zu den Regelungen hinsichtlich wildernder und verwilderter Katzen sowie zur Abschaffung der Baujagd. Beim Thema Wolfs-Managementplan sehe er dagegen dringenden politischen Handlungsbedarf. Mit einem persönlichen Einblick sorgte er zudem für einen sympathischen Moment: Sein Sohn werde in Kürze die Ausbildung zum Berufsjäger bei Marcus Steiner beginnen.
Auch LJN-Präsident Dammann-Tamke ging auf die aktuellen jagdpolitischen Entwicklungen ein. Mit Blick auf den bevorstehenden Bundesjägertag sprach er über die Bedeutung jagdlicher Ethik und kritisierte ebenfalls den Wegfall der Baujagd. Gleichzeitig verwies er auf die große Geschlossenheit der Jägerschaft und die Erfolge der gemeinsamen Demonstrationen, mit denen wichtige Anliegen in die Öffentlichkeit getragen worden seien.
Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Berufsjäger, Bernd Bahr, richtete den Blick auf das Prädatorenmanagement. Er verwies auf weitere Einschränkungen in Rheinland-Pfalz und appellierte an die Berufsjäger, sich weiterhin mit ihrer hohen fachlichen Kompetenz in politische Diskussionen einzubringen. Sachlichkeit und Fachwissen seien die Grundlage, um langfristig Gehör zu finden.
Im Jahresbericht blickte Wildmeister Marcus Steiner auf ein ereignisreiches Verbandsjahr zurück. Insbesondere die Diskussionen um das neue Landesjagdgesetz hätten den Vorstand intensiv beschäftigt. Positiv bewertete Steiner die Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes. Sowohl die Berichterstattung im Verbandsmagazin „Blattzeit“ als auch die Produktion von Videobeiträgen hätten wesentlich dazu beigetragen, die Anliegen der Berufsjäger einer breiten Öffentlichkeit näherzubringen. Gleichzeitig rief er die Mitglieder dazu auf, sich mit eigenen Themenvorschlägen und Fachbeiträgen aktiv an der Gestaltung der „Blattzeit“ zu beteiligen. Ein besonderer Dank galt dem Vorstand für die engagierte Arbeit der vergangenen vier Jahre.
Bei den anschließenden Vorstandswahlen führte BDB-Präsident Bernd Bahr als Wahlleiter souverän durch die öffentliche Abstimmung. Marcus Steiner wurde von den anwesenden Mitgliedern einstimmig als Landesvorsitzender wiedergewählt. Ebenfalls einstimmig fiel die Wahl auf Hendrik Willmann als stellvertretenden Vorsitzenden.
Über die Arbeit des Bundesverbandes berichtete anschließend BDB-Geschäftsführer Hermann Wolff. Er zog eine positive Bilanz der Bundesmitgliederversammlung mit rund 150 Teilnehmern und stellte insbesondere die Aus- und Weiterbildung als zentrales Zukunftsthema heraus. Neben der fachlichen Qualifikation werde künftig auch die Öffentlichkeitsarbeit stärker in den Fokus rücken. Kommunikation und Konfliktmanagement seien wichtige Kompetenzen, um den Berufsstand in einer zunehmend kritischen Öffentlichkeit erfolgreich zu vertreten. Aus einem aktuellen Meinungsbild zitierte Wolff die klare Erwartung, dass Berufsjäger eine entscheidende Rolle dabei spielen, sowohl ihren Berufsstand als auch die Jagd insgesamt nachhaltig zu sichern.
Den fachlichen Höhepunkt des Tages bildete der Vortrag von Revierjäger Markus Surwehme zum Thema „Erfahrungen aus dem ASP-Gebiet“. Anhand der aktuellen Situation in Nordrhein-Westfalen schilderte er eindrucksvoll die Auswirkungen der Afrikanischen Schweinepest. Nachdem am 14. Juni 2025 im Kreis Olpe das erste ASP-positive Wildschwein festgestellt worden war, wurden umgehend Kernzonen und Sperrgebiete eingerichtet. Die Bekämpfungsmaßnahmen umfassen unter anderem den Bau von Schutzzäunen, den Einsatz von Kadaversuchhunden und Drohnen sowie den Betrieb von Kleinfanganlagen, wie sie unter anderem im Bereich der Wittgenstein-Berleburg'schen Rentkammer eingesetzt werden. Innerhalb der Restriktionsgebiete ruht derzeit die Schwarzwildjagd vollständig. Bislang wurden in Nordrhein-Westfalen bereits 739 verendete Wildschweine registriert – eine Zahl, die die Dimension des Seuchengeschehens verdeutlicht.
Auch das gesellige Miteinander kam nicht zu kurz. Beim gemeinsamen, wilden Abendessen, zubereitet von Jäger und Catering-Experte Rob Reinkemeyer, bot sich den Teilnehmern reichlich Gelegenheit zum fachlichen Austausch und zur Pflege bestehender Kontakte.
Am folgenden Tag rundete eine Exkursion mit Lebensraumberater Werner Kuhn das Programm ab. Unter dem Titel „Artenschutz und Niederwildhege durch Lebensraumgestaltung“ erhielten die Teilnehmer praxisnahe Einblicke in moderne Maßnahmen zur Verbesserung von Lebensräumen und deren Bedeutung für den Erhalt heimischer Wildtierarten.
Die Mitgliederversammlung in Lohhof machte einmal mehr deutlich, dass die Berufsjäger in Niedersachsen weit mehr sind als praktische Jagdexperten. Sie verstehen sich als kompetente Ansprechpartner für Wildtiermanagement, Naturschutz und jagdpolitische Fragestellungen und bringen ihre Fachkenntnisse aktiv in die gesellschaftliche und politische Diskussion ein.
Sebastian Kapuhs