Selbstbild – FremdbildPolitische Spitze
Die Zeit läuftPolitische Spitze
Am 23. Juni hat der Niedersächsische Landtag die Novellierung des Landesjagdgesetzes beschlossen. Das Ergebnis ist deutlich besser ausgefallen als die zu Beginn des Verfahrens geplanten Änderungen – sicherlich ein Erfolg der verbandspolitischen Arbeit. Entwarnung wäre dennoch fehl am Platz. Zum einen ist ins Besondere das Verbot der Jagd im Naturerdbau ein schwerer und schmerzlicher Verlust – der auch fachlich nicht zu begründen ist – zum anderen hat der mehrjährige Gesetzgebungsprozess gezeigt, dass die Jagd auch zukünftig eine starke Interessenvertretung benötigen wird. Der gesellschaftliche Blick auf die Jagd verändert sich. Zwischen dem Selbstverständnis vieler Jägerinnen und Jäger und der Wahrnehmung ihrer Kritiker klafft eine immer größere Lücke. Dabei rückt der Tierschutzgedanke stärker in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion. Wer Jagd langfristig gesellschaftlich verankern will, muss diese Entwicklung ernst nehmen – auch wenn natürlich bei weitem nicht jede dieser zum Teil abenteuerlichen Forderungen glücklicherweise Realität im Revier wird.
Genau in diesem Spannungsfeld aber bewegt sich die Jagd heute. Die Gesellschaft verändert sich, gleichzeitig schreitet die technische Entwicklung rasant voran. Wärmebildtechnik, Vorsatzgeräte und digitale Hilfsmittel eröffnen neue Möglichkeiten. Sie können die Jagd sinnvoll unterstützen, dürfen aber niemals Erfahrung, Revierkenntnis und waidgerechtes Handeln ersetzen. Jagd war immer mehr als Technik. Sie lebt von Beobachtung, Geduld und dem Wissen um die Natur.
Wir Jägerinnen und Jäger sind keine Schädlingsbekämpfer oder „Killerkommandos“. Wir verstehen uns als Natur- und Tierschützer, die Verantwortung für Wild und Lebensräume übernehmen. Dieses Selbstverständnis müssen wir aber auch nach außen glaubwürdig vertreten. Dazu gehört, moderne Technik verantwortungsvoll einzusetzen, ebenso wie der bewusste Umgang mit sozialen Medien. Wer vermeintliche „Kill Shots“ veröffentlicht, schadet am Ende nicht nur sich selbst, sondern dem Ansehen der gesamten Jägerschaft.
Aus gutem Grund hat der Bundesjägertag deshalb ein Grundsatzpapier zum Thema Ethik erarbeitet. Es setzt ein wichtiges Signal: Nicht alles, was technisch möglich ist, ist auch jagdlich sinnvoll. Entscheidend bleibt die Frage, wie wir jagen – nicht nur, womit wir jagen.
Die Zukunft der Jagd entscheidet sich deshalb nicht allein in den Parlamenten. Sie entscheidet sich ebenso in unserem täglichen Handeln. Wenn wir bereit sind, unser eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen und den ethischen Anspruch unseres Waidwerks konsequent zu leben, stärken wir nicht nur unsere Glaubwürdigkeit, sondern auch die gesellschaftliche Akzeptanz der Jagd.
Waidmannsheil, Wulf-Heiner Kummetz