Ein Tag voller Naturerlebnisse

Kam bei den Kindern besonders gut an – der Stand der Jagdhornbläser (Foto: Kapuhs/LJN)

40 Jahre Ferienpassaktion in Varel

Anfang Juli fand die Ferienpassaktion des Hegerings Varel unter dem Motto “Ein Tag im Revier” statt. Rund 60 Kinder trafen sich pünktlich um 10:00 Uhr, um gemeinsam die heimische Natur zu entdecken. Seit 40 Jahren engagiert sich der Hegering in Sachen Umweltbildung. Blattzeit-Redakteur Sebastian Kapuhs begleitete die Ehrenamtlichen und Kinder mit der Kamera. Eine mit den Organisatoren erstellte Web-PDF und Ideensammlung dient nun als Vorlage für weitere Hegeringe und Jägerschaften. 

Direkt am Deich an der Nordsee trafen sich die Jägerinnen und Jäger des Hegerings Varel um die kleinen und großen Gruppen der acht bis zwölfjährigen zu empfangen. Die Aktion wird seit 1986 angeboten, die Umsetzung erfolgt abwechselnd durch die einzelnen Reviere. Zu Fuß geht‘s vom Deich ins Revier, vorbei an Kuh und Schaf, durch Wiese und Wald, direkt zum vorbereiteten Erlebnisort. An verschiedenen Stationen warten spannende Einblicke in die Tier- und Pflanzenwelt. Das spielerische Lernen steht dabei im Vordergrund. So können beim Baumpuzzle oder in der „Wühlkiste“ heimische Arten bestimmt werden, die ehrenamtlichen Jägerinnen und Jäger helfen und erklären natürlich im Detail. Ein Highlight ist sicherlich das Basteln von sogenannten „Seedbombs“, also Saatgutkugeln von heimischen Blühpflanzen und Kräutern, welche die Kinder anschließend mitnehmen können um sie selbst auszusäen. Große Begeisterung herrscht stets an der Station zur Arbeit der Jagdhunde. Bei der Vorführung zeigen verschiedene Hunderassen ihr Können, beispielsweise beim Apport im Wasser oder der Schleppe im Feld. 

Die Kinder haben zudem die Möglichkeit eigene Vogelkästen zu bauen. Diese finden anschließend in heimischen Gärten als Brut- und Nisthilfe Verwendung und leisten damit einen wertvollen Beitrag zum Naturschutz. Während in den vergangenen Jahren vorwiegend Meisenkästen gebaut wurden, waren es in diesem Jahr Halbhöhlenkästen, als Nisthilfen für sogenannte Nischen- und Halbhöhlenbrüter. Auch „selbst aktiv werden“ war gefragt beim Bogenschießen und Jagdhornblasen. Technisch wird es an der achten Station – die Vorführung zur Wildrettung mittels Drohnen und ihren Wärmebildkameras. Dabei wird gezeigt, wie Kitze, Gelege und Co. vor dem Grünland-Schnitt aufgespürt und mit Körben geschützt werden können. All diese Stationen geben den Kindern zudem einen Einblick in die vielseitigen Aufgaben der Jägerinnen und Jäger. Zum Abschluss des Tages blasen die Jagdhornbläser traditionell zum Essen, kulinarischer Abschluss und stimmungsvolles Ende eines erlebnisreichen Tages.

Die drei Hundeführer stellten den Kindern ihre Spürnasen vor (Foto: Kapuhs/LJN)

Organisation und Hintergrundwissen 

Der Erfolg der Ferienpassaktion misst sich an der Zufriedenheit der Kinder. Die Naturbegeisterung bei diesen zu wecken ist die Hauptaufgabe. Dafür braucht es eine gute Organisation und vor allem motivierte, ehrenamtliche Jägerinnen und Jäger. Gesa Loeblein, Hegeringleiterin in Varel, hatte ihre ersten Verknüpfungspunkte mit Wild, Jagd und Umweltbildung bei der örtlichen Ferienpassaktion. Nun organisiert sie selbst und begeistert die Kinder mit einem bunt ausgestalteten Programm. 

Die Planung und Abrechnung erfolgt in Kooperation mit der Stadt Varel, die hiesigen Interessierten die Plattform und Unterstützung für die Durchführung von Ferienpassaktionen anbietet. Eine zentrale Anmeldung, Datenverarbeitung, Auskunft zu Datenschutz von Bildern, Allergien der Kinder und E-Mailliste zum kurzfristigen Kontakt der Eltern ist sehr hilfreich. Zudem findet die Abrechnung der Aktion zentral statt, sodass höchstens Nachzügler an dem Tag die Arbeit mit Bargeld erfordern. 

Kernpunkt des guten Gelingens sind die Helden der Aktion – die Helfer. Ohne ein gastgebendes Revier und einen Veranstaltungsort, der idealerweise bei schlechtem Wetter auch ein Dach bietet, kann es nicht funktionieren. Zudem sollte es neben dem Busch auch den Zugang für eine richtige Toilette geben, da wir den Kindern nicht nur das Wildpinkeln zumuten. Ebenso wichtig, dass die Kinder richtig „butschern“ – also ein Abenteuer mit Stock und Stein und auch mal einer rutschigen Böschungskante erleben. Natürlich sollten Gefahren wie Straßen vermieden werden, ein richtiges Erlebnis kann jedoch durch einen spannenden Weg zwischen den Stationen die Kinderherzen erfreuen. 

Seit 40 Jahren ehrenamtlich und mit viel Passion dabei (Foto: Kapuhs/LJN)

Ohne Ehrenamt geht es nicht

Einige der Helfer sind tatsächlich schon 40 Jahre (abgesehen von Corona) dabei und mit mittlerweile mehreren Generationen am Start. Auch in diesem Jahr sind einige Familien mit drei Generationen anwesend. Ideen für die einzelnen Stände entstehen teilweise im engen Austausch mit den Landesforsten oder der Landesjägerschaft mit der Initiative ErlebnisNATUR. In Hegering selbst ist zudem ein Waldpädagoge und zwei ausgebildete Mitglieder der Intitiative ErlebnisNATUR. Weiterhin findet ein ständiger Austausch mit benachbarten Hegeringen und Jägerschaften statt.

Zum Zeitpunkt der Hegeringversammlung wird die Beschaffung der Nistkästen besprochen. Über Jahrzehnte wurden diese vom Kreisjägermeister aus unserem Hegering hergestellt und bezogen. Diese Meisenkästen hängen teilweise seit knapp 20 Jahren in den Vareler Gärten. In diesem Jahr hat ein junges Mitglied in Kooperation mit einer Tischlerei ein anderes Modell als Halbhöhle für z.B. Rotkehlchen hergestellt, da die niedrigere Anbringung für die Eltern Vorteile mit sich bringt und ein bisschen Abwechslung willkommen ist. Vielleicht wird es in Zukunft auch mal eine Igelhütte oder Fledermauskasten geben. In anderen Hegeringen werden diese Anschaffungen auch durch Anträge auf Förderungen bei verschiedenen Organisationen oder durch Spenden finanziert.

Fester Bestandteil nach den Ferienpassaktionen ist das Helfergrillen, zu dem wir als Hegering einladen. Denn ohne Revierinhaber, Tischler, Hobbybastler, Hundeführer, Jagdhornbläser, Fleischer und die ganzen Helden des Alltags kann eine solche Veranstaltung nicht funktionieren.

Gesa Loeblein/Sebastian Kapuhs