Wolfsmanagementplan oder Rissmanagementplan?
Verordnung verfehlt den Sinn
Quasi parallel zur Novellierung des Niedersächsischen Landesjagdgesetzes hat das Landwirtschaftsministerium zeitgleich mit Hessen als erste Bundesländer in Deutschland in Form einer Verordnung seinen Wolfsmanagementplan veröffentlicht. Dieser ist zum ersten Juli diesen Jahres in Kraft getreten. Der jagdpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Christoph Willeke sagt dazu: „Wir sorgen dafür, dass Niedersachsen zum 1. Juli handlungsfähig ist. Wir reden nicht nur über Wolfsmanagement – wir setzen es um. Wir verbessern den Weidetierschutz, entschärfen Konflikte und sichern den Artenschutz“. Während die Entscheidungsträger der SPD und der Grünen ihr Werk feiern, sieht die Niedersächsische CDU-Fraktion den Fall kritischer. So hat Dr. Marco Mohrmann, agrarpolitischer Sprecher, stets eine konsequente, bundesgesetzliche 1:1 Umsetzung des Wolfsmanagementplans in Niedersachsen gefordert. „Der Plan ist ein Rissmanangementplan, keine Bestandsregulierung“, so Mohrmann nach der der Gesetzes-Verabschiedung.
Der DJV- und LJN-Präsident Helmut Dammann-Tamke erweitert diese Kritik ausdrücklich, weil die Niedersächsische Landesregierung ihrer eigenen Ankündigung, und die lautete, „wir werden den bundesgesetzlichen Rahmen vollumfänglich ausschöpfen“, nicht nachgekommen ist. „Die Rede kann nur von einem Riss-Reaktions-Management sein. Bestandsmanagement bedeutet wie bei jeder anderen Wildart auch, dass wir eine Popolation an Anzahl und Alterstruktur als Jägerinnen und Jäger managen. Beim Wolf als geschützte Art kommt noch hinzu, das der günstige Erhaltungszustand weiter gesichert werden muss“, sagt Dammann-Tamke.
Im Wolfsmanagementplan steht allerdings ein vollkommen anderer Ansatz. Tatsächlich müssen erst Nutztiere nachweislich durch einen Wolf sterben, damit die Jägerschaft überhaupt eingreifen darf. „Ein Managementplan sollte sich an Beständen orientieren, wir sollen aber Riss-Ereignisse managen“, so der LJN-Präsident. Ein Rissereignis ist nach der Verordnung auch erst als solches einzustufen, wenn die Nutztierhalter dafür Sorge getragen haben, dass Ihre Tiere ordnungsgemäß eingezäunt wurden. „Die Kritik der LJN richtet sich daher klar an die Niedersächsische Landesregierung: Die neue Verordnung – oder auch Wolfsmanagementplan – ist definitiv kein regional differenziertes Bestandsmanagement.“
Insgesamt 13 Seiten umfasst der Niedersächsische Wolfsmanagementplan. Dabei geht es zum einen um den Schnellabschuss – mit dem Ziel, möglichst den „schadstiftenden Wolf“ zu erlegen. Außerdem wurden sogenannte Interventionsgebiete geschaffen. „Bei wiederholten, durch Wölfe verursachten Schadereignissen entstehen Interventionsgebiete, um ebenso angemessen wie sachgerecht reagieren zu können“. Laut Managementplan können dann ganze Rudel entnommen werden, während es sich bei dem Schnellabschuss nur um einen bestimmten Wolf handelt.
Der LJN-Präsident befürwortet ausdrücklich das Instrument des Interventionsgebietes anstatt von Weidetiergebieten, wie der Bund es den Ländern ermöglicht, da die Abgrenzung von Weidetiergebieten in rechtlicher Hinsicht nur sehr schwer darstellbar ist.“ Allerdings weist der Präsident auch darauf hin, dass durch die Möglichkeit, Wölfe zu erlegen, eine neue Situation geschaffen wurde, an die sich die Bevölkerung gewöhnen muss. Sicher ist es so, dass vor allem die Menschen aus dem Ländlichen Raum froh darüber sind, dass die Politik einen gesetzlichen Rahmen geschaffen hat, die Not der Weidetierhalter einzudämmen. Andererseits gibt es weiterhin „Wolfsfreunde“, die nichts unversucht lassen werden, gegen jeglichen Abschuss anzugehen.
Insgesamt sieht das Präsidium der Landesjägerschaft in dem Managementplan einen Einstieg in eine nachhaltige Regulierung der Wolfspopulation. Es wird unser Auftrag sein, einen Dreiklang herzustellen, zwischen Weidetierschutz, Akzeptanz in der Bevölkerung und unseren artenschutzrechtlichen Verpflichtungen. Wünschenswert wäre, dass sich in unserer Gesellschaft die gegenwärtige, vorhandene Mehrheit behauptet, welche ganz klar fordert: Der Bestand an Wölfen muss gemanaged werden, um den oben genannten Dreiklang dauerhaft zu gewährleisten. Ohne Jagd und Jäger wird es nicht funktionieren“, sagt Helmut Dammann-Tamke.
Wulf-Heiner Kummetz