Informationsabend zum Luchs: Zwischen Erfolg und Herausforderung

LJN-Bezirksvorsitzender Hans Hesse eröffnete die Veranstaltung im historischen Gasthaus (Foto: Kapuhs/LJN)

Wie steht es um den Luchs im Harz? Dieser Frage widmete sich ein Informationsabend der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN), zu dem zahlreiche Interessierte in das historische Gasthaus „Goldene Krone“ in Goslar gekommen waren. LJN-Bezirksvorsitzender Hans Hesse begrüßte die Gäste sowie die Referenten und eröffnete die Veranstaltung.

Im Mittelpunkt des Abends stand die Entwicklung der Harzer Luchspopulation. Ole Anders, Koordinator des Luchsprojekts Harz, zeichnete die Erfolgsgeschichte der Wiederansiedlung nach. Die Entscheidung, den Luchs im Harz erneut heimisch zu machen, fiel vor rund 20 Jahren gemeinsam durch den Nationalpark Harz und die Landesjägerschaft. Die ersten Tiere stammten damals aus Tierparkaufzuchten. Heute gilt der Harz als Heimat der größten zusammenhängenden Luchspopulation Deutschlands.

Die Bestandszahlen zeigen eine erfreuliche Entwicklung. Seit 2013 wächst die Population kontinuierlich. Nach aktuellen Erhebungen leben im Harz 81 selbstständige Luchse sowie 22 reproduzierende Weibchen. Insgesamt wird der Bestand auf 131 Tiere geschätzt. Trotz eines intensiven Monitorings sei eine vollständige Erfassung jedoch nicht möglich, erläuterte Anders. Um die Datengrundlage weiter zu verbessern, soll ab August 2026 ein umfassendes Fotofallenmonitoring im Harz starten.

Deutschlandweit werden derzeit zwischen 193 und 203 selbstständige Luchse sowie 43 reproduzierende Weibchen erfasst. Insgesamt umfasst der Bestand bundesweit rund 299 Tiere.

Neben den erfreulichen Bestandsentwicklungen wurden auch die Herausforderungen für den Artenschutz thematisiert. Die häufigste dokumentierte Todesursache bei tot aufgefundenen Luchsen sind Verkehrsunfälle. Sie machen mit rund 40 Prozent beziehungsweise 57 nachgewiesenen Fällen den größten Anteil aus. An zweiter Stelle steht die Fuchsräude mit etwa elf Prozent beziehungsweise 15 Fällen. Illegale Tötungen spielen statistisch zwar eine geringere Rolle, kommen jedoch weiterhin vor.

Auch Konflikte mit der Nutztierhaltung wurden angesprochen. In Niedersachsen ist bei Nutztierrissen in den Jahren 2024 und 2025 ein steigender Trend zu beobachten. Betroffen sind vor allem Schafe und Ziegen. Die Kompensationszahlungen beliefen sich auf mehr als 6.900 Euro. Nach den Erkenntnissen des Monitorings gehen die meisten Risse auf ein einzelnes Tier zurück. Sollte dieses Verhalten wiederholt auftreten, werde die Bereitschaft signalisiert, den betreffenden Kuder zu entnehmen.

Weitere Auswilderungen im Harz sind derzeit nicht vorgesehen. Stattdessen setzt man auf die natürliche Ausbreitung der Tiere. Diese funktioniert bereits beachtlich: Ausgewilderte Luchse wurden in Entfernungen zwischen 20 und bis zu 240 Kilometern vom Harz nachgewiesen und besiedeln so nach und nach neue Lebensräume.

Auch über andere Wiederansiedlungsprojekte wurde berichtet. In Thüringen läuft derzeit ein Projekt, bei dem bis 2027 bis zu 20 Luchse ausgewildert werden sollen. Die Tiere stammen jeweils zur Hälfte aus Wildfängen und aus Gehegenachzuchten. Weitere Projekte bestehen im Schwarzwald in Baden-Württemberg sowie im Erzgebirge in Sachsen. Ziel dieser Maßnahmen ist es, bestehende Populationen miteinander zu vernetzen und Wanderkorridore zu schließen. Dadurch soll langfristig einem genetischen Austausch und der Vermeidung von Inzucht Rechnung getragen werden.

Dass sich der Luchs zunehmend wieder in Deutschland etabliert, ist auch seinem breiten Beutespektrum zu verdanken. Mehr als 90 Prozent seiner Nahrung besteht aus Rehwild. Darüber hinaus erbeutet er unter anderem Hasen, Raubwild sowie gelegentlich Rotwild.

Den Abschluss des Informationsabends gestaltete Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft Niedersachsen. Er informierte die Besucher umfassend über das Wolfsmonitoring, stellte aktuelle Bestandszahlen vor und erläuterte die Entwicklung der Wolfsvorkommen in Niedersachsen.

Trotz der positiven Entwicklung bleibt die Situation des Luchses anspruchsvoll. Das nach Bär und Wolf drittgrößte Landraubtier Europas findet in der dicht besiedelten und intensiv genutzten Kulturlandschaft Mitteleuropas nur begrenzt geeignete Lebensräume. Die Vernetzung der einzelnen Populationen gilt daher als eine der wichtigsten Aufgaben des zukünftigen Artenschutzes.

Weitere Informationen zum Luchsmonitoring in Niedersachsen erscheinen in der kommenden Print-Ausgabe der Blattzeit.

Sebastian Kapuhs