BU: Stolz und erleichtert waren die Jungjäger nach Erhalt der Jägerbriefe (Foto: Petra Siebert)

Das Handwerkszeug ist vorhanden, nun heißt es lernen

„Ich bin stolz auf euch, ich bin stolz auf unsere Ausbilder“. Das sagte Stefanie Goldmann, Vorsitzende der Jägerschaft Münden, verbunden mit einem „Waidmannsheil“ bei der feierlichen Übergabe der Jägerbriefe auf dem vereinseigenem Gelände Rattbach. In der 70-jährigen Vereinsgeschichte der Jägerschaft ist es das erste Mal, dass eine Frau den Vorsitz hat. 17 Jungjäger, davon fünf Jägerinnen haben das „grüne Abitur“ bei der Jägerschaft Münden bestanden. Mit einem Notendurchschnitt von 1,8 sei das ein herausragendes Ergebnis. Prüfungsbester ist Stefan Müller mit einem Notendurchschnitt von 1,0. Er erhielt dafür einen freien Rehbockabschuss im Stadtwald. „Das ist eine Bestnote, die selbst unser Kreisjägermeister, in den vielen Prüfungen, die er in den vergangenen Jahren abgenommen hat, noch nicht erlebt hat“, freute sich die Vorsitzende. Mit einer Note von 1,4 folgten Fred Herwig und Peter Boland. Ein Absolvent hat die Prüfung nicht bestanden.

„Wer denkt, dass er nach neun Monaten Ausbildung ein fertiger Jäger ist, der täuscht sich“, machte Stefanie Goldmann deutlich. In der nächsten Zeit heiße es weiter lernen, das Handwerkszeug dazu hätten die Jungjäger während der Ausbildung bekommen. Sie appellierte an die Jungjäger bei der Jagd genau zu beobachten und bedacht zu handeln, „denn eine Entscheidung für den Schuss ist eine Entscheidung gegen ein Leben“.

„Es war anstrengend, euch wurde nichts geschenkt, aber ihr wart eine Supertruppe“, stellte Martin Kalz, Lehrgangsleiter, fest. Zusammen mit der Vorsitzenden überreichte er den Absolventen die Jägerbriefe, die diese erleichtert und stolz entgegen nahmen. Denn der Weg zum Ziel war für sie kein Spaziergang.

Lehrgangssprecherin Angelika Fricke  nahm stellvertretend für alle Teilnehmer den traditionellen Jägerschlag von Stefanie Goldmann (der erste Schlag soll dich zum Jäger weihen, der zweite Schlag dir Weidgerechtigkeit verleihen, der dritte Schlag sei ein Gebot: was du nicht kennst, das schieß nicht tot) entgegen. Damit sind die „Frischlinge“ in die Schar der örtlichen Jäger aufgenommen. 

Begleitet wurde die Zeremonie vom Bläserkorps der Jägerschaft Münden. 

Im September vergangenen Jahres waren die Bewerber zum Unterricht angetreten. Die insgesamt 250 Unterrichtsstunden mündeten in einer anerkannten dreiteiligen schriftlichen Prüfung, der praktischen Schießprüfung und einem mündlich-praktischen Teil, in den Bereichen Jagdbetriebslehre, Wildtierkunde, Jagdrecht, Wildbrethygiene, Waffenkunde, Brauchtum, Unfallverhütung und Naturschutz. Hinzu kamen zahlreiche praktische Ausbildungen und Revierbegehungen. Ausgiebig werden der sichere Umgang mit der Waffe und die Schießfertigkeit trainiert. Für die einzelnen Ausbildungsbereiche standen Fachleute der Jägerschaft Münden zur Seite.

In den ersten drei Jahren nach der Prüfung werden die Waidleute unabhängig vom individuellen Alter als „Jungjäger“ bezeichnet.

Die Altersspanne der Teilnehmer reichte von 16 (Jugendjagdschein) bis 70 Jahren. Die Teilnehmer kamen aus Münden, Scheden, Dankelshausen, Reinhardshagen, Kassel, Fuldatal, Vellmar, Kaufungen, Espenau, Groß Schneen und Witzenhausen. 

Die Absolventen

Bastian Abel, Christiane Batz, Peter Boland, Maren Elias, Angelika Fricke, Thorsten Fricke, Fred Herwig, Kai Jäger, Heinrich Knauf, Alexander Menzel, Einar Menzel, Stefan Müller, Torben Niklas, Lars Peters, Nina Savelidou, Tabea Soemer, Mathias Weber. 

Neuer Lehrgang

Die Jägerschaft Münden bietet auch in diesem Jahr, ab September, wieder einen Jagdscheinkurs an. Der Lehrgang dauert neun Monate. Ein Infoabend dazu findet am Donnerstag, 4. September, 18 Uhr im Ausbildungszentrum Rattbachtal statt. Es ist für den Infoabend keine Anmeldung erforderlich. Der neue Kurs startet am Dienstag, 9. September. Das Anmeldeformular kann auf der Website der Jägerschaft Münden e.V. unter https://www.jaegerschaft-muenden.de/heruntergeladen werden. 

Petra Siebert

Stefanie Goldmann ist die „Herrscherin“ über fast 600 Jägerinnen und Jäger (Foto: Petra Siebert)

Nach 70 Jahren führt eine Frau die Jägerschaft an –

Stefanie Goldmann Vorsitzende 

Während bei der Jägerschaft Münden in den vergangenen Jahren immer mehr Frauen auf die Pirsch gehen, ist es jetzt eine Besonderheit, dass eine Frau den Vorsitz des fast 600 Mitglieder starken Vereins hat. In der 70-jährigen Vereinsgeschichte der Jägerschaft Münden ist Stefanie Goldmann die erste Frau die dieses Amt ausübt. 

Wegen des guten Rufes der Jägerschaft Münden hat sie sich entschieden, ihren Jagdschein dort zu machen und ist im Anschluss dabei geblieben. Seit 2016 begleitet sie die Prüfungen der Jungjäger und war außerdem im erweiterten Vorstand tätig. Dort hat Goldmann bereits Erfahrungen in Vorstandsarbeit sammeln können. „Doch es ist schon anders“, stellt die Vorsitzende fest. „Früher war ich eine Randfigur, heute bin ich diejenige, die auch die Jägerbriefe übergeben darf. Eigentlich wollte ich das Amt der Vorsitzenden nicht annehmen, weil ich eine kleine Tochter habe und die Vorstandarbeit viel Zeit in Anspruch nimmt“. Doch es hätte sonst niemand machen wollen und so habe sie sich dafür entschieden, auch weil ihre Familie voll hinter ihr stehe. „Ich bin auch die erste Jägerin innerhalb meiner Familie“, erzählt Stefanie Goldmann. Ihr Ehrenamt als Ortsheimatpflegerin von Lippoldshausen hat sie zu Gunsten des Vorsitzes in der Jägerschaft aufgegeben.

„Grundsätzlich habe ich Freude an der Vorstandsarbeit und ich bin auch ein wenig stolz darauf“; gesteht die Jägerin. Sie habe sich mit Unterstützung des Vorstandes und der Obleute gut eingearbeitet. Es hätten anfangs viele Behördengänge, Gespräche und Telefonate unter anderem mit dem Landkreis, dem Kreisjägermeister, den Geldinstituten, dem Steuerberater und dem Notar stattgefunden. Doch inzwischen ist Normalität eingetreten. Die Mitglieder, zu denen zahlreiche Männer, auch im gestandenen Alter gehören, akzeptieren es, dass eine Frau das Zepter in der Hand hält. Viele positive Rückmeldungen würden zeigen, dass die Mitglieder froh seien, dass sie das Amt übernommen hat.

Zu den Jägerschaften Göttingen, Duderstadt und Osterode hat die Vorsitzende in kurzer Zeit einen guten Kontakt aufgebaut, es findet ein gegenseitiger Austausch statt.

Auf die Frage, ob sie etwas verändern möchte und wie der Blick in die Zukunft aussieht, erwidert sie, dass das Rad nicht nochmal erfunden werden müsse. „ Vieles bleibt so, weil es gut ist, Kleinigkeiten sind verbesserungswürdig, das habe ich mit den Obleuten besprochen“. Die Hegeschau, der zweijährige Jägerball, der Bauernmarkt haben immer viel Zuspruch gefunden und werden weiterhin im Jahresprogramm bleiben. 

Ihre eigene Jagdleidenschaft bleibt jetzt auf der Strecke, genauso wie das regelmäßige Joggen. Denn neben der Vorstandarbeit möchte die Mutter und Ehefrau die Zeit ihrer Familie und den zwei Hunden, Deutsche Drahthaar, widmen. Auch Haus und Garten nehmen viel Zeit in Anspruch. 

Zur Person

Stefanie Goldmann hat eine Ausbildung als Reiseverkehrskauffrau (heute Tourismuskauffrau) in einem Mündener Reisebüro absolviert. Danach stand ein Studium in den Bereichen Germanistik und Kulturanthropologie in Göttingen an, eingebunden ein Auslandssemester in Paris. Danach zog es sie ins dörfliche Leben nach Lippoldshausen zurück.

Petra Siebert

Ehrungen vom Vorstand für besondere Verdienste und langjährige Zugehörigkeit: (von links) Olaf Herbst (Schatzmeister), Stefanie Goldmann (Vorsitzende), die Geehrten Jörg Golde, Günter Schulte, Christian Offik, Stefani Offik, Thorsten-Dirk Lahme, Klaus Horst und Dr. Wolfgang Dietze (zweiter Vorsitzender). Foto: Petra Siebert

Jägerschaft Münden als verlässlicher Partner – Bericht zur Jahreshauptversammlung 

Gut besucht war die Jahreshauptversammlung der Jägerschaft Münden im Landwehrhäger Gasthaus „Zum König von Hannover“. Für Stefanie Goldmann war es die erste Jahreshauptversammlung als neue Vorsitzende, die sie mit Einfühlungsvermögen und Bravour gemeistert hat. 

Grüße vom Landkreis überbrachte Patrick Moritz, Fachbereichsleiter Öffentliche Sicherheit und Ordnung. Er machte deutlich, dass die Jägerschaft Münden ein verlässlicher Partner für ihn sei, das verdiene höchste Anerkennung. „Hege, Pflege und Schutz sind nicht nur Pflicht, sondern Tradition“, stellte er fest. Dies erfordere Fachwissen, Geduld und Engagement. Aufklärung und Dialog mit der Land- und Forstwirtschaft seien wichtig, um beste Lösungen zu finden.

Angelika Deutsch, stellvertretende Bürgermeisterin Hann. Münden, richtete Grüße von der Stadt und Bürgermeister Tobias Dannenberg aus. „Natur- und Artenschutz sind wichtiger denn je und unverzichtbar“, machte sie deutlich. Das verantwortungsvolle Handeln der Jäger sei wichtig für das Gleichgewicht von Fauna und Flora.

Dr. Dieter Hildebrand, Vorsitzender Jägerschaft Göttingen, dankte der Jägerschaft Münden für die Möglichkeit der ersatzweisen Schießausbildung am Rattbach. Nachdem im Juni des Vorjahres im Schießstand der Göttinger Jäger ein Feuer ausgebrochen war, konnte dieser zunächst nicht mehr genutzt werden. „Bald kann wieder auf dem Schießstand Göttingen mit modernster Technik und neuer Lüftungsanlage geschossen werden“, freute er sich. Die Mitglieder der Jägerschaft Münden lud er ein, mal auf der neuen Anlage zu schießen.

Stefanie Goldmann appellierte an die Mitglieder sich zu engagieren, im Team mitzuarbeiten und vakante Stellen zu besetzen. So beispielsweise im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, als Drohnenpiloten, als Schriftführer und im Sektor Infomobil-Team.

Jägermeister Axel Eichendorf erinnerte in seiner Ansprache noch einmal daran, dass seit dem 1.April dieses Jahres keine bleihaltigen Geschosse mehr verwendet werden dürfen. Er ersuchte die Jäger, nur noch auf bleifreie Munition zurückzugreifen. Da es aus internen Gründen in diesem Jahr keine Hegeschau geben wird, nannte Eichendorf die Jagdstrecke des Jahres 2024/25.Dabei handelt es sich um erlegte Tiere und Fallwild. Beim Rotwild wurden 128 Tiere gezählt, beim Schwarzwild waren es 122 und beim Rehwild 1621. Dazu kommen 40 Hasen (davon 35 Fallwild), 817 Füchse, 41 Steinmarder, elf Baummarder, 83 Dachse, 812 Waschbären, acht Marderhunde und drei Luchse (Fallwild). Beim Federwild wurden 66 Ringeltauben, drei Höckerschwäne, eine Graugans, 67 Nilgänse, 82 Stockenten, 298 Rabenkrähen, 46 Elstern und 202 Kormorane gezählt. Petra Siebert 

Verdienstnadel in Bronze der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN)

Jörg Golde (Ausbilder bei der Jägerschaft Münden), Vanessa Meyer (Administrative Betreuung der Jungjägerkurse und Obfrau für Wildtiererfassung)

Stefani Offik bekam eine interne Ehrung für Ihre Tätigkeit als Obfrau für die Öffentlichkeitsarbeit und Betreuung des Infomobils von 2017 bis 2024.

Christian Offik erhielt die LJN Verdienstplakette on Bronze als Nichtjäger und Nicht-Mitglied der Jägerschaft, da er gemeinsam mit seiner Frau Stefani Offik das Infomobil betreut hat und somit maßgeblich die Öffentlichkeitsarbeit der Jägerschaft Münden mitgeprägt hat.

Ehrungen für langjährige Mitgliedschaft

60 Jahre: Dr. Helmuth Freist, Klaus Horst, Günter Schulte

50 Jahre: Wolfgang Fiege

40 Jahre :Matthias Frankowski, Jürgen Linne, Peter Zachow, Jörg Zimmermann.

25 Jahre: Thorsten-Dirk Lahme, Prof. Dr. Eike Schomburg, Karsten Trauschke, Peter-Franz Knorz, Dietmar Reinholtz, Dirk Bertram, Stefan Klein, Uwe Dietrich, Andreas Schrader, Michael Dähn, Jonas Werner Krause.  

Petra Siebert