WTE: Neozoen und invasive Arten

In Niedersachsen vorkommend gelten Bisam, Nutria, Mink, Wanderratte und Waschbär als invasive Säugetierarten (Foto: Seifert/DJV)

Einige gebietsfremde Arten, auch Neozoen genannt, konnten sich in den letzten Jahrzehnten in Niedersachsen etablieren und haben zum Teil einen sehr großen Einfluss auf unsere heimischen Ökosysteme. Als Neozoen werden Arten bezeichnet, die gezielt durch Ansiedelung oder auch ungewollt durch menschlichen Einfluss, beispielsweise durch geflohene Tiere aus Privathaltung oder durch den weltweiten Güterverkehr, in einen neuen Lebensraum integriert werden. Als bekanntes Beispiel dient hier der Waschbär. Ursprünglich in Nordamerika heimisch, wurden in den 1930er Jahren einige Tiere am Edersee in Hessen ausgesetzt, von wo aus sie sich rasch ausbreiteten. In Niedersachsen wurden sie erstmals im Jahr 1952 in Hardegsen (Landkreis Northeim) nachgewiesen. Neozoen können einen überaus negativen Einfluss auf bestehende Ökosysteme haben. Ist das der Fall, spricht man von invasiven Arten. Diese Arten zeichnen sich durch ein hohes Ausbreitungspotenzial aus und haben sowohl einen starken Einfluss auf Ökosysteme als auch auf Land- und Forstwirtschaft. Darüber hinaus können durch die Lebensweise invasiver Neozoen weitere Konfliktfelder entstehen – wie beispielsweise bei der Nutria, die durch das Untergraben von Deichen, die Sicherheit für uns Menschen gefährden kann. Aufgeführt werden alle in der EU vorkommenden invasiven Arten in der Unionsliste, welche 2016 veröffentlicht wurde. In dieser Liste wurden 37 gebietsfremde Arten in Europa als invasiv eingestuft. Bis 2022 wurde die Liste auf insgesamt 88 Arten erweitert (Durchführungsverordnung (EU) 2022/1203). Mindestens 46 der dort gelisteten Arten konnten in Deutschland nachgewiesen werden. 

In Niedersachsen vorkommend gelten Bisam, Nutria, Mink, Wanderratte und Waschbär als invasive Säugetierarten. Kanadabiber, Marderhund und Sikahirsch werden derzeit noch als potenziell invasiv gelistet, da ein negativer Einfluss dieser Arten noch nicht endgültig geklärt ist. Bis auf den Kanadabiber und den Sikahirsch konnte landesweit bei allen anderen invasiven Säugetierarten eine starke Zunahme der Populationszahlen seit den 2000er-Jahren festgestellt werden. Belief sich die Jagdstrecke (inkl. Fallwild) bei der Nutria beispielsweise um die Jahrtausendwende noch auf knapp 500, wurden im Jagdjahr 2021/22 bereits 40.000 Tiere erlegt. 

Eine wesentliche Vorgabe der EU-Vorordnung zum Neozoenmanagement ist ein effektives Monitoring invasiver Arten, was durch die WTE maßgeblich unterstützt wird. Ein weiteres sehr wichtiges Instrument im Umgang mit invasiven Arten ist die Bejagung, welche unter dem Artikel 19 der EU-Verordnung als Managementmaßnahme geregelt wird. Besonders hervorzuheben ist dabei die Fallenjagd. Aus den Daten der Wildtiererfassung 2022 (WTE) geht hervor, dass 25 % der Gesamtstrecke beim Marderhund mittels Lebendfangsystemen gefangen wurden. Bei Nutria und Waschbär kamen über 50 % der erlegten Tiere mittels Fallenfang zur Strecke. 

Anteil (%) der gefangenen Tiere an der Gesamtstrecke 2021/22 (WTE-Daten)

Aus diesen Zahlen lässt sich auch die Notwendigkeit eines guten Neozoenmanagements mittels Fallenfang ableiten. Mit Hilfe gezielter Maßnahmen, ist ein Eingriff in die Bestände invasiver Arten möglich, um die heimische Artenvielfalt zu erhalten und dadurch aktiven Artenschutz zu betreiben. Nur durch das hohe Engagement der Jägerinnen und Jäger in Niedersachsen konnte so eine Erholung der Niederwildbestände in den letzten Jahren verzeichnet werden.

Christoph Reichler