2. Bundesjägertag 2024 in Mainz

Bundesjägertag in Mainz
(Foto: WildgeflüsterGbR/DJV)

75-Jähriges Bestehen des DJV – „Grüner wird`s nicht“

Unter dem Motto „Grüner wird es nicht“, fand in diesem Jahr der Bundesjägertag in Mainz statt. Dabei hätte schon das Motto „75 Jahre DJV“ als Anlass gereicht, die Veranstaltung zu betiteln. Die Wahl des Ortes war kein Zufall, denn 1949 wurde der Verband in Rheinland Pfalz gegründet.

Die Landesjägerschaft Niedersachsen war mit 42 Delegierten hervorragend vertreten und repräsentierte den Verband nicht nur dadurch auffallend vor Ort. Aber der Reihe nach.

Insgesamt reisten rund 400 Delegierte aus allen Teilen Deutschlands in die am Rhein liegende Stadt Mainz und sorgten vor Ort für einen geschlossenen Auftritt der Jägerinnen und Jäger. Die anwesenden Delegierten repräsentierten die 15 Landesjagdverbände und nutzen den BJT in Rheinland-Pfalz natürlich auch, um vor Ort zu netzwerken, sich auszutauschen, zu debattieren und an der einen oder anderen Stelle zukunftsweisende Lösungen für die Jagd zu erarbeiten.

Bereits am ersten Tag sorgten die Workshops „AusWEGlose Zukunft für das Rotwild?“ und „Gelungene Niederwildhege - Von der Theorie in die Praxis“ für rege Diskussionen und Dialoge. Gesprochen wurde darüber, wie dem Rothirsch geholfen werden kann, der von Inzucht bedroht ist. Ursache sind Straßen, Solarparks oder Siedlungen, die Vorkommen der Art isolieren und genetischen Austausch erschweren. Im zweiten Workshop sprach man über die EU-Agrarpolitik und praktische Artenschutzmaßnahmen, etwa für Rebhuhn oder Feldhase, bevor es im Anschluss zur Hubertusmesse und dann zum Kulturzentrum Mainz zum Begrüßungsabend ging

Hier finden Sie die beiden Positionspapiere: https://www.jagdverband.de/lebensraeume-vernetzen-fuer-die-artenvielfalt

Der zweite Tag der Veranstaltung begann bereits um acht Uhr. Im „Großen Saal“ des Mainzer Schlosses erhielten die Delegierten der vertretenden Jägerschaften die Tagungsunterlagen, um kurz nach neun eröffnete DJV-Präsident Helmut Dammann-Tamke die Versammlung, begrüßte Delegierte und Ehrengäste und leitete durch den Vormittag. Neben dem Bericht des Präsidenten hatte auch Klaus Nieding, DJV-Schatzmeister das Wort, bevor es zur Aussprache und zur Beschlussfassung ging. Bei diesem Tagesordnungspunkt wurde ausgesprochen intensiv über die Ergebnisse der am Vortrag stattgefundenen Workshops gesprochen und die damit verbundenen Positionspapiere gründlich diskutiert, bevor diese dann durch die anwesenden Delegierten mit großen Mehrheiten beschlossen wurden. Der DJV-Schatzmeister stellte im Anschluss den Jahresabschluss 2023 und den Haushaltsplan 2025 vor, letzterer wurde selbstverständlich durch die Anwesenden genehmigt.

Jürgen Luttmann stellte den Antrag der Landesjägerschaft Niedersachsen an die DJV-Delegiertenversammlung (Foto: WildgeflüsterGbR/DJV)

Antrag der Landesjägerschaft an die Delegiertenversammlung

Erstmals etwas exponierter fanden sich unter Tagesordnungspunkt sieben (Anträge) die Niedersachsen wieder: Jürgen Luttmann, Vorsitzender der Jägerschaft Verden, stellte den Antrag der Landesjägerschaft Niedersachsen an die DJV-Delegiertenversammlung vor. Der Antrag sah vor, dass der DJV in konstruktiver Zusammenarbeit mit Vertretern der Landesjagdverbände bis zum nächsten Bundesjägertag überprüfen möge, inwieweit zentrale Angebote für den digitalen Auftritt (u.a. Internetseiten, Social-Media, Newsletter) nach einem Baukastenprinzip zur freiwilligen Nutzung für alle Landesjagdverbände und deren Untergliederungen ermöglicht werden können, wobei auch die technischen Voraussetzungen (Hosting, Wartung etc.) inkl. notwendiger Updates (technisch wie grafisch) zentral erfolgen sollten. Leidenschaftlich warb und erläuterte Luttmann den Antrag den Delegierten auch noch einmal am Podium. Dabei hob er hervor, dass nach seiner Ansicht die Jägerinnen und Jäger sowie deren Organisationen auf Kreis-, Landes- und Bundesebene an einer gemeinsamen Corporate Identity arbeiten sollten. „Viele kleine und größere Jägerschaften erreichen wenig, wenn sie nicht lernen, als eine geschlossene und starke Interessensgemeinschaft mit einheitlichen Werten und Zielen aufzutreten und dies auch in ihrem medialen Auftritt demonstrieren, sagte Luttmann. Am Ende wurde abgestimmt und das Ergebnis fiel denkbar knapp aus: Mit einer Stimme Mehrheit wurde der Antrag leider abgelehnt. Angesichts dieser maximal knappen Entscheidung, signalisierte der DJV sich weiter mit diesem Thema beschäftigen zu wollen. 

Gernolt Lengert nimmt den Preis für die Jägerschaft Aurich entgegen (Foto: WildgeflüsterGbR/DJV)

Preise für ausgezeichnete Öffentlichkeitsarbeit

Auf dem Bundesjägertag hat der DJV zwei Preise für digitale Öffentlichkeitsarbeit vergeben. Mit insgesamt 13.000 Euro war der Wettbewerb für herausragende Online-Kommunikation von Jägerschaften unter dem Dach des DJV dotiert. Der Sonderpreis "Social Media 2024" mit 17.000 Euro richtete sich an Jägerinnen und Jäger, die einen privaten Kanal auf Facebook, Instagram oder YouTube betreiben. Möglich gemacht hat die beiden Kategorien der Unternehmer Willy Papst mit einer Spende auf dem Bundesjägertag 2023.

Naturschutzpreis ging nach Niedersachsen

Mit dem Erlös aus der Tombola des Bundesjägertages 2023 hatte der DJV den mit 6.000 Euro dotierten Wettbewerb "Jäger pflanzen Vielfalt“ ins Leben gerufen. Der erste Preis in diesem Wettbewerb ging nach Niedersachsen: Hochverdient gewann die Jägerschaft Aurich – Auszeichnung und Preis wurden durch Gernolt Lengert, den Vorsitzenden der Jägerschaft entgegengenommen. Im Fokus des Projektes stehen Streuobstwiesen, die die Vielfalt an Insekten über einen langen Zeitraum eines Jahres hinweg fördern und damit auch für das Niederwild sehr wichtig sind – fast alle Vogelarten brauchen Insekten zur Aufzucht. Auf Flächen, die für die Landwirtschaft eher uninteressant sind, wurden mittlerweile mehr als 12.000 Obstbäume – vorwiegend alte ortstypische Sorten – gepflanzt. Über 160 Hektar sind so entstanden.

Hier finden Sie alle Preisträger: https://www.jagdverband.de/djv-vergibt-drei-preise-im-wert-von-36000-euro 

Geehrt für außerordentliche Leistungen: Heinrich Grube (Bild) und Jürgen Luttmann (Foto: WildgeflüsterGbR/DJV)

DJV-Verdienstnadel in Gold für Heinrich Grube sen. und Jürgen Luttmann

Für außerordentliche Leistungen erhielt Heinrich Grube Gründer des DJV-Premiumpartners Grube-Forst GmbH und von 1982 bis 2007 Vorsitzender der Jägerschaft Soltau e.V., die DJV-Verdienstnadel in Gold. Ebenfalls mit der Verdienstnadel in Gold wurde Jürgen Luttmann, seit 2007 Vorsitzender der Jägerschaft des Landkreises Verden e.V. und Vorsitzender des Bezirks Stade seit 2012, für seine langjährigen und herausragenden Verdienste für die Jagd ausgezeichnet. Die DJV-Verdienstnadel in Gold ist die höchste innerverbandliche Auszeichnung, die der DJV zu vergeben hat. Der scheidende FACE-Präsident Torbjörn Larsson erhielt für seine Verdienste im europäischen Dachverband der Jäger den DJV-Ehrenhirschfänger. Dietrich Fricke, von 2008 bis 2021 Schatzmeister der Landesjägerschaft hielt seinen letzten Bericht als DJV-Kassenprüfer: Nach vielen Jahren, in denen er dieses Amt inne hatte, wurde er mit großem Dank und einem Präsentkorb verabschiedet.

Grüner wird´s nicht

Auf dem Bundesjägertag wurde auch das neue Motto und Leitmotiv des DJV vorgestellt. Mit der Kampagne „Grüner wird`s nicht“ soll intensiv auf die DJV-Schwerpunkte Naturschutz, Artenschutz und Klimaschutz eingegangen und Vorurteile gegenüber der Jagd in der Öffentlichkeit entgegengewirkt werden: „Mit „Grüner wird’s nicht“ laden wir daher alle zum Dialog ein. Statt übereinander lieber miteinander sprechen. Lasst uns über nachhaltige Ernährung, Erhalt der Artenvielfalt, Wildtierrettung, unseren gesetzlichen Auftrag sprechen – und auch über die Notwendigkeit des Erlegens zum Schutz der Natur. Kurzum: Lasst uns gemeinsam mit allen Interessierten über die Jagd sprechen“, sagte DJV-Präsident Helmut Dammann-Tamke. Der Schwerpunkt der Kampagne liege auf den sozialen Medien, insbesondere um die Generation Z zu erreichen. 

Viele weitere Informationen zum diesjährigen Bundesjägertag finden Sie auf www.jagdverband.de

Wulf-Heiner Kummetz