Ranzzeit beim Wolf

Das Wolfsmonitoring in Niedersachsen, koordiniert von der Landesjägerschaft, erfasst Wölfe durch Meldungen wie Fotofallen, Sichtungen, Risse und Fährten, die nach bundeseinheitlichen SCALP-Kriterien (z.B. C1-Nachweis, C3-Hinweis) bewertet werden (©LJN)

Vermehrte Makierungstätigkeit führt zu vermehrten genetischen Nachweisen

Noch etwas mehr als drei Monate verbleiben bis zum Ende des aktuellen Monitoringjahres 2025/2026. Mit Beginn des kommenden Monitoringjahres 2026/2027 wird bereits die nächste Wolfsgeneration geboren. Die sogenannte Vorranzzeit, die etwa von Mitte Januar bis Mitte Februar andauert, hat inzwischen begonnen. In dieser Phase treffen sich die zukünftigen Elterntiere, etablieren ihre Paarbindung und lernen sich intensiver kennen. Die Hormonaktivität steigt kontinuierlich an und erreicht während der Hochranz Ende Februar bis Anfang März ihren Höhepunkt, in deren Verlauf die Kopulation stattfindet.

Während der Ranzzeit kommt es im Territorium zu einer deutlich verstärkten Markierungstätigkeit. Wölfe markieren mit Urin und Losung, bevorzugt an markanten Punkten wie Wegkreuzungen, Geländekanten oder exponierten Strukturen. Diese Zeit eignet sich daher besonders gut, um gezielt nach genetisch verwertbaren Spuren Ausschau zu halten. Vor allem frostige und trockene Witterungsbedingungen begünstigen den Erhalt der Probenqualität, da Losung und Urin unter diesen Bedingungen über mehrere Tage, teils sogar über mehr als eine Woche, genetisch verwertbar bleiben können – vorausgesetzt, es kommt nicht zu Verunreinigungen oder Übermarkierungen, etwa durch Hunde oder andere Wildtiere.

Wölfe bewegen sich grundsätzlich energieeffizient. In waldreichen Gebieten nutzen sie daher bevorzugt Forst- und Wirtschaftswege zur Fortbewegung. Markierungen finden sich häufig in der Wegemitte, in Fahrspuren oder auch am Wegrand. Losung ist für geübte Jägerinnen und Jäger meist leicht erkennbar: Sie besteht häufig aus stark verfilzten Schalenwildhaaren, teils auch mit Knochen-, Zahn- oder Schalenresten, und ist nahezu bei jeder Witterung auffindbar. Kälte und Trockenheit konservieren dabei nicht nur die Losung selbst, sondern auch die darin enthaltenen Zellen der Darmschleimhaut, welche für genetische Untersuchungen entscheidend sind. Regen und direkte Sonneneinstrahlung hingegen beschleunigen den Abbau der Zellstruktur erheblich.

Urinstellen sind ohne Schneelage deutlich schwieriger zu entdecken und in der Praxis nahezu nicht auffindbar. Bei Schnee lassen sich Urinmarkierungen jedoch in Kombination mit wolfstypischen Fährten vergleichsweise gut lokalisieren. Die Fährtenlage am Fundort liefert zudem wichtige Hinweise darauf, ob es sich um eine Markierung durch einen einzelnen Wolf handelt oder ob die Stelle bereits mehrfach, etwa durch Hunde, übermarkiert wurde. Dadurch lässt sich die Sinnhaftigkeit einer Probennahme meist unmittelbar vor Ort beurteilen. Gerade während der Ranzzeit kann der Urin der Fähen zusätzlich Oestrusblut enthalten, was die Erfolgsaussichten einer genetischen Untersuchung weiter erhöht.

Aktuell werden in Niedersachsen 64 Wolfsterritorien im Monitoring geführt, darunter 60 Wolfsrudel, drei Wolfspaare und ein territorialer Einzelwolf. Von den derzeit erfassten 60 Rudeln fehlen in 14 Gebieten noch die Statusbestätigungen für das laufende Monitoringjahr. Die im vergangenen Jahr geborenen Welpen haben inzwischen nahezu die Körpergröße der Elterntiere erreicht und verfügen über einen erheblich erweiterten Aktionsradius. Eine eindeutige Zuordnung einzelner Tiere zu einem spezifischen Rudel ist anhand von Bildmaterial allein häufig nicht mehr möglich, sofern das Rudel nicht räumlich isoliert lebt oder individuelle äußerliche Merkmale eine klare Identifikation erlauben.

In dieser Phase des Monitoringjahres bleibt daher die Genetik das zentrale Instrument zur eindeutigen Zuordnung von Individuen zu bekannten oder neu entstehenden Wolfsvorkommen. Eine klare Abgrenzung benachbarter Territorien ist zwingend erforderlich. Konkret bedeutet dies, dass die noch ausstehenden 14 Statusbestätigungen ausschließlich über die Untersuchung genetischer Proben erfolgen können.

Das Meldeaufkommen in Niedersachsen bewegt sich weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Allein während der Urlaubszeit rund um Weihnachten und Silvester gingen mehr als 750 Meldungen beim Wolfsmonitoring ein, der überwiegende Teil davon aus der Jägerschaft. Für dieses kontinuierliche Engagement möchten wir uns an dieser Stelle ausdrücklich bedanken. Ohne diese Unterstützung wäre eine realitätsnahe Abbildung der Bestandsentwicklung nicht möglich.

Um auch weiterhin belastbare und möglichst realitätsnahe Populationsparameter für den niedersächsischen Wolfsbestand erheben zu können, bitten wir darum, frische Losungsfunde, Wildtierrisse sowie potenzielle Urinstellen zeitnah zu melden und zur genetischen Beprobung eine ehrenamtliche Wolfsberaterin oder einen ehrenamtlichen Wolfsberater hinzuzuziehen. In einigen Hegeringen und Jägerschaften stehen bereits Beprobungssets inklusive ausführlicher Anleitung zur Verfügung, sodass auch eine eigenständige Probenentnahme erfolgen kann. Ergänzend können Beprobungssets in weiser Voraussicht kostenfrei über den Wolfsbeauftragten der Landesjägerschaft Niedersachsen angefordert werden.

Bei der eigenständigen Beprobung ist zwingend darauf zu achten, die Vorgaben der Anleitung vollständig einzuhalten. Nicht ordnungsgemäß durchgeführte Probennahmen oder unvollständig dokumentierte Fälle können im Zweifel nicht oder nur mit erheblicher zeitlicher Verzögerung untersucht werden. Darüber hinaus bitten wir ausdrücklich davon abzusehen, frische Proben wie Kadaverteile oder komplette Losungen einzusenden.

Eine Übersicht über bereits bestätigte sowie noch unbestätigte Territorien, die Kontaktdaten der ehrenamtlichen Wolfsberaterinnen und Wolfsberater, die Kontaktmöglichkeiten zum Wolfsbeauftragten, die Anleitung zur genetischen Probennahme sowie das Meldeportal finden Sie auf unserer Internetseite www.wolfsmonitoring.com

Raoul Reding/LJN 

Die App ist eigens dafür entwickelt worden, Wolfshinweise aufnehmen zu können (©LJN)

Wolf gesehen oder Spur gefunden?

Bitte melden Sie Hinweise auf Wolfsvorkommen über das Onlineformular auf www.wolfsmonitoring.com oder die Smartphone-App „Wolfsmeldungen Niedersachsen“, damit weiterhin eine möglichst realitätsnahe Betrachtung des Wolfsbestands in Niedersachsen möglich ist.