Politische Spitze

Grüne Woche

Im Januar dieses Jahres haben sich die Wettermeldungen geradezu überschlagen. Endlich hatten die Medien ein beherrschendes Thema: Blizzardartige Schneestürme wurden vorhergesagt, dazu eine eisige Kälte, Verkehrschaos, einige Medien schrieben sogar vor dem Wintereinbruch, dass man unzählige Kältetote erwarten würde, wenn man denn nicht zu Hause bliebe. Es wurde zu Hamsterkäufen aufgerufen, weil davon ausgegangen wurde, dass einige Landstriche sehr kurzfristig nicht mehr erreicht werden könnten. Das Ergebnis war, dass in so manchem Supermarkt im Rahmen des drohenden Wintereinbruches die Brot- und Gemüseregale leergefegt waren. Das Thema Angst vor Mangel funktioniert in den Köpfen der Menschen nach wie vor ungebrochen. Dass uns Petrus am Ende mit deutlich weniger Unwetter heimgesucht hat als vermutet, ist natürlich gut und kein Grund sich zu beschweren, dennoch hat einmal mehr der voreilige Gehorsam gut funktioniert.

Natürlich hat nicht nur der Mensch mit dem Winter zu kämpfen. Unserem Wild geht es in solchen Wetterlagen nicht besser als uns. Auch sie müssen verzichten. Allerdings sind sie, anders als wir, von der Natur aus auf solche Ausnahmesituationen vorbereitet. In dem Moment, wo die Tage kürzer werden und die Sonnenstunden weniger, stellt sich der Stoffwechsel aller Wildarten sukzessive um. Und so stellen sich Jahr für Jahr unsere jagdbaren Wildarten auf den Winter ein – jeder, der regelmäßig Stücke aufbricht, kennt die unterschiedliche Menge an Feist im Sommer und im Winter. Und während der „normale“ Mensch bei Eis und Schnee lieber in der Stube bleibt, sind unsere Wildtiere dem Wetter ausgesetzt. Die Veränderung des Stoffwechsels bedeutet auch, dass Rotwild, Damwild und Co. im Winter weniger Äsung benötigen als im Sommer. Die Tiere bewegen sich während der dunklen Jahreszeit im Normalfall deutlich zurückhaltender, also energiesparender und können so von ihren Reserven zehren. Daher sind einige Wochen Kälte und Schnee für unser Wild grundsätzlich erstmal kein großes Problem. Stress-Situationen, Beunruhigungen und besondere Veränderungen in den Revieren sorgen aber vor allen Dingen in Zeiten von Kälte und Schnee für die Tiere in Wald und Flur für einen Überbedarf an Energie und daher für einen für die Jahreszeit grundsätzlich ungewöhnlichen und erhöhten Stoffwechsel – sonderlich bei extremen Witterungsverhältnissen. Die Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) hat die Mitglieder daher Anfang Januar im Rahmen ihrer Jagdausübung auf eine besondere Umsicht, Verantwortungsbewusstsein und konsequent situationsbezogene Entscheidungen bei der Jagdausübung vor Ort gebeten. Die Tatsache wie viele von Ihnen sich an die LJN-Empfehlungen gehalten haben, spricht für das große Verantwortungsbewusstsein und Naturverständnis unserer Jägerinnen und Jäger im Land – wir sind die schützenden Fachleute in der Natur. Jeder aktive Jäger ist in der Außenwahrnehmung indirekt auch ein Öffentlichkeitsarbeiter der Jägerschaft. Am Ende sorgt die gemeinsame Haltung nicht nur für ein positives Image, vielmehr zeigen wir Jägerinnen und Jäger, dass wir respektvoll mit den uns anvertrauten Kreaturen umgehen.

Waidmannsheil

Wulf-Heiner Kummetz