Die Waldjugendspiele im Landkreis Verden sind nicht nur ein regionales Erfolgsprojekt – sie dienen inzwischen als Vorbild Foto: privat

Waldjugendspiele im Landkreis Verden – Ein Erfolgsprojekt zwischen Tradition, Naturbildung und regionalem Engagement

Was heute als eine der größten und erfolgreichsten Umweltbildungsveranstaltungen im Landkreis Verden gilt, begann bundesweit Anfang der 1970er Jahre als kleines pädagogisches Experiment: Försterinnen und Förster der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) entwickelten gemeinsam mit Schulen einen Parcours, auf dem Kinder ihr Wissen rund um den Wald spielerisch erweitern konnten. Die Idee – Lernen mit Kopf, Herz und Hand – traf einen Nerv. Aus wenigen Stationen wurden mit den Jahren professionelle, altersgerechte Bildungsangebote, und aus einer einmaligen Aktion ein bundesweit etabliertes Format.

Verden – Vom Spanger Forst in den Stadtwald

Mit der Forstreform Anfang der 2000er Jahre schien die Zukunft der Spiele ungewiss. Auf dem Kreisjägertag 2005 bat Bürgermeister Lutz Brockmann die Jägerschaft des Landkreises, in die Bresche zu springen – mit Erfolg. Der Vorstand sagte spontan zu, und bereits im Herbst übernahm ein neues Team die Organisation. Unterstützung kam von der SDW, dem Forstverband der privaten Waldbesitzer sowie vom städtischen Betriebshof Verden, der bis heute Material, Logistik und Aufbauteams bereitstellt. Damit öffneten die Waldjugendspiele erstmals allen Grundschulen des gesamten Landkreises die Türen: Dörverden, Thedinghausen, Achim und der Nordkreis waren nun dabei. 

Patenprogramm, Infomobil und Lernort Natur

Parallel zum Wettbewerb entwickelte die Jägerschaft ein Patenprogramm, das bis heute das Herzstück der waldpädagogischen Arbeit im Kreis bildet. Geschulte Jägerinnen und Jäger begleiten Schulen langfristig, führen Unterrichtsgänge im Revier durch oder bringen Präparate und Lernmaterialien direkt ins Klassenzimmer. Fortbildungen über „Lernort Natur“ und „Erlebnis Natur – Ist doch Ehrensache“ sichern die pädagogische Qualität. 2008 wurde ein Infomobil angeschafft – ein Anhänger voller Präparate, Anschauungsmaterial und Multimedia-Angebote. Damit lassen sich ganze Schulvormittage gestalten.

Preise, Pokale und der Wildpark

Die früher üblichen kleinen Bäume als Andenken müssen inzwischen der pragmatischen Realität weichen – viele überlebten nicht einmal den Rückweg. Heute erhalten die Siegerklassen Buchpräsente. Seit einigen Jahren aber steht ein besonderes Highlight im Zentrum: der Wanderpokal „Axel“, ein lebensgroßer Holzkeiler aus einer Kettensägenschnitzerei, der ein Jahr lang die Aula der Siegerklasse schmückt. Zusätzlich pflanzt die Jägerschaft an jeder Siegerschule den „Baum des Jahres“.

Weiterhin lädt der Wildpark Lüneburger Heide die siegreiche Klasse zu einem kostenlosen Besuch ein. Eine weitere Klasse wird unter allen Teilnehmenden ausgelost. Die Jägerschaft unterstützt beide Ausflüge mit jeweils bis zu 500 Euro aus Mitteln des Niedersächsischen Umweltpreises.

Waldjugendspiele 2025 – Vier Tage voller Naturerlebnis

Die Zahl der Helfer ist beeindruckend: 120 bis 150 freiwillige Unterstützer pro Tag – darunter Jägerinnen und Jäger, Lehrer, Eltern, Imker, Feuerwehr, Landvolk und befreundete Vereine. Dazu kommen zusätzliche Stationsangebote, etwa zum Thema Waldbrand durch die Feuerwehr, zu Bienen durch die Imkerschaft oder zu regionalen Feldfrüchten durch das Landvolk. 2025 nahmen 1323 Kinder aus 67 Klassen teil. 

In einer feierlichen Veranstaltung, begleitet von Schülerbeiträgen, überreichten Erster Stadtrat Daniel Moos, Landrat Peter Bohlmann sowie Jürgen Luttmann den Pokal „Axel“ an die Klasse 4a aus Uesen. Bohlmann lobte die Leistung besonders, da die Schule kein Waldrevier direkt vor der Tür hat. Anschließend wurde eine Roteiche auf dem Schulhof gepflanzt – ein dauerhafter Erinnerungspunkt an diesen Erfolg.

Die per Los bestimmte zweite Gewinnerklasse für den Wildparkbesuch wurde die 4c der Verdener Jahnschule.

Ein Modell mit Zukunft

Die Waldjugendspiele im Landkreis Verden sind nicht nur ein regionales Erfolgsprojekt – sie dienen inzwischen als Vorbild. Der Heidekreis hat das Konzept übernommen und führt seit 2024 eigene Waldjugendspiele durch – teilweise sogar mit ausgeliehenen Verdener Stationen.

Und während der Keiler „Axel“ das Schuljahr in Uesen verbringt, laufen bereits die Planungen für 2026. Denn der Grundsatz gilt seit 50 Jahren – und heute mehr denn je:
Nach den Waldjugendspielen ist vor den Waldjugendspielen.

Lars Glander