Der leise Schuss

Schalldämpfer sind aus der jagdlichen Praxis kaum noch wegzudenken (Foto: Kauer/DJV)

Auswahl und Pflege eines Schalldämpfers

Gleichwohl der Schalldämpfer schon seit Jahren für jagdliche Büchsen zugelassen ist und bereits viele Jägerinnen und Jäger seine Vorteile schätzen, wissen viele nicht, worauf im Zusammenhang mit dem Waffenbauteil zu achten ist. Zunächst: Es gibt zwei verschiedene Schalldämpfer-Typen. Die Rede ist von Over-Barrel- und On-Barrel-Schalldämpfern, wobei im jagdlichen Einsatz der Over-Barrel am beliebtesten ist. Grundsätzlich sind Schalldämpfer für alle Kaliber von Repetierbüchsen und zum Teil auch für Selbstladebüchsen erhältlich. Zu den führenden Anbietern zählen Hersteller aus Skandinavien und Deutschland wie zum Beispiel Hausken, Svemko, A-Tec oder Roedale. Die Materialien bestehen hauptsächlich aus Aluminium und Stahl. Es gibt aber auch Absorber aus Titan, die aufgrund ihres Materials langlebiger und teurer sind. Außerdem bieten die meisten Waffenhersteller mittlerweile ihre eigenen Schalldämpfer an.

Vor dem Kauf eines Schalldämpfers ist auf einiges zu achten. Hat die Waffe bereits ein Gewinde oder nicht? „Falls sie kein Gewinde hat, muss der Verschlussabstand geprüft werden, um festzustellen, ob überhaupt ein Gewinde geschnitten werden kann. Das machen wir Büchsenmacher mit einer Lehre. Ebenso entscheidend ist die Länge des Laufes. Der Schalldämpfer verlängert den Lauf und macht die Waffe kopflastiger“, sagt Franz Koops, Büchsenmachermeister. In einigen Fällen kann der Lauf gekürzt werden. Der Schalldämpfer ist ein wesentliches Waffenbauteil und somit eintragungspflichtig in die WBK.

Wie gut ein Schalldämpfer am Ende seinen Zweck, nämlich die Lärmreduzierung, erfüllt, ist abhängig vom Kaliber. Was heißt: Das Kaliber 308 lässt sich deutlich besser dämpfen als zum Beispiel eine 9,3 oder 300 WinMag. „Einige wollen es richtig leise, bei anderen geht es nur darum, auf den Gehörschutz zu verzichten. Insofern gibt es auch bei Schalldämpfern verschiedene Preisklassen. Die einfachen starten bei rund 400 Euro, die Top-Modelle liegen auch mal bei über 1.500 Euro“, so der Experte. Je leichter, desto besser: Daher sorgt ein geringes Gewicht des Schalldämpfers schnell für einen höheren Preis. Aus technischer Sicht gibt es verschiedene Aufsätze und Gewindeadapter sowie Bajonett-Verschlüsse.

Einschießen auf dem Schießstand

„Ganz wichtig zu wissen: In der Regel wird es mit dem neuen Schalldämpfer eine Trefferveränderung geben. Daher ist es zwingend notwendig, die Waffe nach der Montage unbedingt auf einem Schießstand einzuschießen. Bei einigen Waffen variiert die Trefferlage ohne oder mit Schalldämpfer um bis zu 20 Zentimeter“, sagt der ehemalige Deutsche Meister der Junioren.

Bei einer höheren Schussfolge, das können bereits fünf Schüsse sein, entsteht ein Flimmern auf dem Schalldämpfer. Dagegen helfen Schalldämpferschoner, die den Schall sogar bis zu 3 dB weiter reduzieren können. Das Hitzeflimmern des Schalldämpfers kann die Zielerfassung erheblich beeinträchtigen. Zudem schützt der Schoner den Schalldämpfer vor Beschädigungen und minimiert mögliche Geräusche im Praxisbetrieb in der Kanzel. „Wenn der neue Eigentümer und Nutzer den Schalldämpfer selber einschießt, sollten fünf bis zehn Schüsse genügen, um sich mit der „neuen Büchse“ vertraut zu machen. Besonders empfehlenswert ist für Drückjagdschützen das Training auf dem laufenden Keiler, um das veränderte Mitschwingverhalten zu trainieren. Die durch den Schalldämpfer hervorgehobene Kopflastigkeit der Büchse kann für das Unterschießen bei flüchtigem Wild sorgen. Daher ist es unabdingbar, regelmäßig den sicheren Schuss auf dem Schießstand zu trainieren“, sagt Koops.

Gleichwohl das Training auf dem Schießstand ausgesprochen wichtig ist, muss der Schütze darauf achten, dass der Schalldämpfer durch schnelle Schussfolgen und viele Schüsse nicht heißgeschossen wird. Nach drei bis zehn Schüssen kann der Schalldämpfer heiß werden. Was passiert, wenn der Schalldämpfer zu warm wird? Abgesehen von der Verbrennungsgefahr ist zu große Hitzeeinwirkung auf Metalle nicht materialschonend.

Die Verschmutzung am Schalldämpfer ist deutlich zu erkennen (Foto: privat)

Pflege und Wartung

Ein Schalldämpfer ist ein Gebrauchsgegenstand, der sich aufgrund seines Einsatzbereiches schneller verbrauchen kann, als einem lieb ist. Daher sollte man den Schalldämpfer nach der Jagd unbedingt von der Waffe trennen und diesen möglichst hochkant trocknen (Schornsteineffekt).

„Dazu bieten sich spezielle Schalldämpferhalterungen für den Waffenschrank an. Achtung: Natürlich wäre auch eine Trocknung auf der Heizung oder mit einem Föhn möglich – hier gelten aber die waffenrechtlichen Voraussetzungen. Was heißt: Der Schalldämpfer darf nur unter Beobachtung getrocknet werden und muss danach unbedingt wieder zur sicheren Verwahrung in den Waffenschrank“, so der Büchsenmachermeister. Das Gewinde an der Waffe muss stets sauber sein, damit das Innengewinde des Schalldämpfers beim Aufschrauben nicht beschädigt wird. Beide Gewinde sollten daher mit Schmiermitteln wie Waffenöl oder Waffenfett regelmäßig gepflegt werden. Generell sollte der Schalldämpfer im Nicht-Jagdbetrieb nicht mit der Waffe verbunden sein. Denn durch Pulverrückstände und Feuchtigkeit kann es zu Korrosion und dadurch zu ungewollter Abnutzung kommen. Schraubt man den Schalldämpfer nicht ab, rostet er möglicherweise am Lauf fest. Einige Schalldämpfer kann man mit speziellem Werkzeug zerlegen und das Innenleben mechanisch oder mit einer Schalldämpferlösung reinigen. Die Haltbarkeit eines Schalldämpfers ist wartungs- und kaliberabhängig. „Fakt ist, dass die Lebenszeit eines Schalldämpfers durch gute Pflege wesentlich verlängert werden kann“, so Koops.  

Wulf-Heiner Kummetz

Korrosion am Lauf. Bei guter Pflege wäre das nicht passiert (Foto: privat)

Vorteile 

  • Lärmreduzierend
  • Rückstoßmindernd
  • kein Mündungsfeuer

Nachteile

  • verändertes Schwingverhalten
  • verändertes, beeinträchtigtes Sehfeld im ZF bei kleinerer Vergrößerung
  • höheres Gewicht und größere Waffenlänge

Wichtig: Schalldämpfer im Tresor aufbewahren, da es sich um ein in der WBK eingetragenes Waffenbauteil handelt.