Gut gepflegt ist halb erlegt

Für die Langlebigkeit ist eine regelmäßige Pflege der Waffe zwingend notwendig (Foto: Wildgeflüster)

Wasser in den Läufen, Dreck auf dem Holz und Tannennadeln unter dem Schaft – Flinten und Büchsen sind nicht nur unser Handwerkszeug, sondern echte Gebrauchsgegenstände. Insbesondere während der nasskalten Tage der Bewegungsjagden sind sie erheblichen Strapazen ausgesetzt. Für eine schnelle und effiziente Reinigung und die damit verbundene Langlebigkeit haben wir dem Büchsenmachermeister der Firma Venari Peter Busboom über die Schulter geschaut. Nur eine saubere und funktionsfähige Waffe ermöglicht eine sichere und waidgerechte Jagdausübung.

Die Grundausstattung zur Waffenpflege passt in jeden Jagdrucksack (Foto: Kapuhs/LJN)

Grundausstattung für die regelmäßige Waffenpflege

  • BoreSnake/feines Schleifvlies (mit oder ohne eingewebter Bronze-Bürste)
  • stabiler Putzstock mit Kugelgelenk – nur in Verbindung mit fester Halterung (Schraubstock)
  • Stahlwolle (Größe 000, 0000)
  • synthetische Öle mit hoher Kriechfähigkeit
  • feine Bürste ​(bspw. alte Zahnbürste)
  • einfache Putzlappen ​(feine, weiche Stoffe)

Nach der Jagd

Ganz gleich, ob ein Schuss abgegeben wurde oder nicht, die Waffe wird durch hohe Luftfeuchtigkeit, den Kontakt mit schwitzenden Händen oder natürlich durch Verunreinigung stark angegriffen. Eine schnelle Pflege ist daher auch nach der kurzen Revierrunde empfehlenswert; nach einem langen Tag mit Regen oder Schnee aber unabdingbar!

Die Flinte oder Büchse sollte zuallererst trockengerieben werden, idealerweise mit einem feinen Baumwolltuch. Abnehmbare Teile, wie den Vorderschaft der Flinte, hierfür entfernen. Mit einer feinen Bürste können an schwer zugänglichen Stellen oder Kanten Unreinheiten und hartnäckiger Dreck gelöst werden. Flugrost einfach mit leicht geölter, sehr feiner Stahlwolle der Größen 000 oder 0000 wegreiben.

So wie die Waffe von außen aussieht, sieht sie auch von innen aus
Peter Busboom

Die Läufe zwei- bis dreimal mit einer passenden BoreSnake durchziehen oder die Waffe in einen gepolsterten Schraubstock einspannen und mit einem Putzstock mehrfach kraftvoll durchschieben. Als Bürstenkopf dient die feine Stahlwolle, stramm umwickelt und dem Lauf-Durchmesser angepasst. Nun die Läufe innen einölen. Ein kurzer Sprühstoß von vorne in den Lauf genügt. Die hohe Kriechfähigkeit sorgt für eine Verteilung im gesamten Innenlauf. Um den bekannten Öl-Schuss zu vermeiden, vor der Jagd die Läufe erneut mit einer BoreSnake trockenreiben. Übrigens: Eine stark verschmutzte BoreSnake lässt sich leicht in einer milden Waschmittellauge auswaschen.

Zuletzt wird die Waffe von außen geölt. Hierfür idealerweise das Schaftöl mit der bloßen Hand auf allen Holzteilen verteilen und einreiben. Durch die Wärme der Haut dringt das Öl tief in das Holz ein, macht es wasser- und schmutzabweisend, schützt vor Witterungseinflüssen, Fäulnis und Schimmel, und hebt die natürliche Maserung hervor. Abschließend mit einem trockenen Lappen überschüssiges Öl abwischen. Schaftöle auf Leinölbasis sind übrigens gut verträglich für die Haut.

Den Kunststoffschaft einfach mit einem feuchten Tuch gründlich abreiben. Alle Metallteile ebenfalls mit einem geölten Lappen einreiben, sodass ein leichter Ölfilm zurückbleibt. Die Waffe nun in den Waffenschrank stellen, ohne dabei erneut Metallteile mit der Hand zu berühren. Allein eine schwitzende Hand kann Korrosion und die Entstehung von Flugrost begünstigen.

Ob zur einfachen Reinigung oder bei der Umstellung von bleihaltiger auf bleifreie Munition: Chemische Reiniger sollten nur sehr verhalten eingesetzt werden, da diese nicht nur die Verunreinigungen, sondern jegliche Materialien angreifen, so auch den Stahl der Waffe. Eine intensive Behandlung der Läufe mit Stahlwolle genügt zumeist. Öl statt Fett – war es einst noch üblich, insbesondere bewegliche Teile mit Fett zu schmieren, so rät Peter Busboom hier eher zu vollsynthetischen, niedrigviskosen Ölen. Sie sind in der Regel harz- und säurefrei, verdrängen Feuchtigkeit und wirken korrosionshemmend. Fette hingegen neigen dazu, sich mit Verunreinigungen zu vermischen. Besonders bei Patronenabrieb oder Sand kann so ungewollt eine Schmirgelpaste entstehen.

Natürlich gibt es weitere, verschiedene Reinigungstechniken und die hier beschriebene ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Hauptsache ist: eine regelmäßige Pflege!  

Sebastian Kapuhs

Der Experte

Peter Busboom hat seit 50 Jahren den Jagdschein und ist seit 1983 Büchsenmachermeister. Während der beruflichen Tätigkeit durchlief er mehrere Stationen im Ausland – von Grönland über Schottland nach Kamtschatka – so auch bei der renommierten, englischen Firma James Purdey & Sons Ltd. Zu seinen jagdlichen Vorlieben gehören Bewegungsjagden, insbesondere Treibjagden mit seiner Querflinte, Kaliber 20, mit englischer Schäftung der Firma Merkel.