Traditionelle Ausrüstung ​mit digitalen Möglichkeiten

Sebastian Kapuhs hat ein digitales Fernglas aus dem Hause Blaser mehrere Tage auf der Jagd in der Blattzeit geführt und getestet (Foto: Brinker/LJN)

Die neue Generation Ferngläser kommt mit beeindruckender Technik

Selbst gehe ich nur selten mit großzügiger Ausstattung auf den Früh- oder Abendansitz. Ich mag es eher einfach und unkompliziert. Büchse auf der Schulter, Messer in der Tasche und vielleicht noch eine Sitzauflage, zusammengerollt unter dem Arm. Ansprechen und beobachten lässt es sich schließlich einwandfrei über das Zielfernrohr, insbesondere bei großem Sichtfeld und starker Vergrößerung. Bei der nächtlichen Sauenjagd kommen zusätzlich noch ein Wärmebild-Hand- sowie ein Vorsatzgerät in die Jackentasche. Das alte, klobige Fernglas ruht zumeist auf dem Rücksitz des Autos und kommt nur noch gelegentlich bei einer schnellen Revierrunde zum Einsatz.

Was gehört eigentlich momentan zur Grundausstattung eines Jungjägers, frage ich mich in diesem Zusammenhang, und tausche mich hierzu mit Herbert Pitann, Kreisjägermeister der Jägerschaft Cloppenburg, aus. Er betreut seit 37 Jahren die Jungjägerausbildung und hat mit seiner Waffen- und Technikkenntnis vielen angehenden Jägerinnen und Jägern zur ersten Ausstattung verholfen.

„Es ist natürlich eine Frage des Geldbeutels. Der Jagdschein kostet hier etwa 2.200 €, wer es sich leisten kann, besorgt sich natürlich zuallererst eine Büchse oder Flinte, je nach Jagdmöglichkeiten. Danach stehen eher technische Geräte für die Jagd in der Nacht auf dem Einkaufszettel. Das Fernglas gehört, so wie noch vor zehn Jahren, nicht mehr zwingend zur Grundausstattung.“

Dieses Video wird von einem externen Dienst eingebunden. Sie haben die Erlaubnis hierfür bisher nicht erteilt.

Und dennoch stand für die diesjährige Blattjagd genau dies im Mittelpunkt der Berichterstattung: das Fernglas! Der Tipp eines Freundes zu einem Glas inklusive technischer Gadgets und der umgehend vermittelte Kontakt zur Firma Blaser ließen als gleich ein Testgerät des Rangefinder RF 10x42 auf die Reise gehen. Viel Zeit zum Kennenlernen hatten Glas und Jäger nicht, der Praxistest sollte direkt auf der Jagd erfolgen. Die Einstellung der Augenmuscheln und der Schärfe waren, so wie ich es noch von meinem alten Glas kannte, im Nu erledigt. Und sogleich überraschte das Glas mit einem sehr klaren, breiten Sichtfeld bei geringem Gewicht und kompaktem Design sowie einem selbsterklärenden Entfernungsmesser. Praktisch, insbesondere für mich als Linkshänder, sind die beidseitig am Glas vorhandenen Messtasten. Lediglich für den Download der richtigen App und für die Verbindung mit dem Glas musste ich Smartphone und Google bemühen. 

Gewinnbringend bei der Nutzung von Fernglas in Verbindung mit der App ist für mich, dass sich mein Standort sowie gemessene Punkte auf einer in der App integrierten Karte wiederfinden. Sei es, um später den Bock in der hohen Wiese wiederzufinden oder dem Jagdkollegen einen genauen Standort von beispielsweise der im Gebräch stehenden Rotte Sauen zeigen zu können – also keine ungenau gezeichneten Kringel über verpixelten Screenshots mehr!

Bei der Jagd auf den Bock in der Blattzeit also ein überaus nützliches Utensil, lässt sich die Büchse doch nur begrenzt von links nach rechts schwenken, wenn das Wild urplötzlich anwechselt. Ein schnelles Ansprechen über das Zielfernrohr ist so mitunter schwierig und ein hastiges Rumgefuchtel wird gegebenenfalls mit einem revierdurchdringenden Schrecken des Bockes quittiert.

So nutzte ich, gut getarnt, das Glas während des Blattens, um mir permanent einen Überblick zu verschaffen. Wechselt ein passender Bock an, versuche ich in einem Moment der Unachtsamkeit, mich schnell mit der Büchse auszurichten und den nicht getarnten Teil des Gesichts hinter das Zielfernrohr zu bringen. Der Blatter bleibt weiter am Mund, um auf das Verhalten des Wildes reagieren zu können. Drei, vier Mal waren Maike Brinker und ich los, um mit Glas, Blatter und Kamera nach einem passenden Bock Ausschau zu halten. Das Video hierzu, mit einer ausführlichen Vorstellung des Glases sowie einem schnellen "hunt&cook", finden Sie über den QR-Code.  

Sebastian Kapuhs

Für technikaffine Jägerinnen und Jäger hat die Firma Blaser das klassische Fernglas neu interpretiert. Die Erweiterung um einen Entfernungsmesser ist gewiss nicht neu, die Qualität und die Bluetooth-Verbindung des Glases mit einer App zur Nutzung weiterer Funktionen hingegen schon (Foto: Kapuhs/LJN)

Wissen, ​wie weit man geht

Blaser ergänzt sein Optikportfolio um zwei leistungsstarke Rangefinder-Modelle: Das RF 8x32 und das RF 10x42. Der integrierte Laser-Entfernungsmesser misst, je nach Modell, bis zu 2.950 Meter auf den Meter genau. Das dynamische Einblickverhalten des kompakten Kraftpakets bietet dabei maximalen Sehkomfort – bei einem vergleichsweise geringen Gewicht.

Die verwendete leistungsstarke Software von Applied Ballistics berücksichtigt Winkel, meteorologische Echtzeitdaten und ballistische Kurven, welche vordefiniert werden können. Auf diese Weise werden Büchse und die verwendete Munition bequem digital mit dem Fernglas synchronisiert. Individuelle Präferenzen wie Helligkeit, Maßeinheiten und Messmodus werden ebenso einfach in der App eingestellt.

Produktdetails:

▪850 g (RF 10x42)

▪sehr kompakt

▪ Sehfeld ~ 125 m (RF 8x32) ​bzw. 115 m (RF 10x42)

▪ Messreichweite 2.300 m ​(8x32) und 2.950 m (10x42)

▪ UVP: 2.300 Euro