Schlau wie ein Fuchs


Das Landesjagdgesetz in Niedersachsen steht vor einer Novellierung. Nach der Großdemo in Hannover, mit seinerzeit rund 20.000 Teilnehmern die größte Veranstaltung vor dem niedersächsischen Landeshaus, wurden die meisten kritischen Punkte von Seiten der Politik augenscheinlich zurückgenommen. Dennoch unterstellt das Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML), dass die Ausbildung von Jagdhunden für einen zahmen Fuchs in einer Schliefanlage extrem stressig und daher nicht im Sinne des Tierschutzes sei. Vielleicht hätten sich die Entscheidungsträger aus Hannover gar nicht solche Gedanken darum gemacht, gäbe es nicht in Dänemark für die Ausbildung der Bauhunde den SIM-Fox – eine maschinelle Fuchsatrappe als Alternative zu einem lebendigen Fuchs.

Die Blattzeit-Redaktion wollte sich ein eigenes Urteil über den SIM-Fox und die Ausbildung von Bauhunden in Dänemark bilden und ist einer Einladung des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums als eines von zwei deut Jagdmedien nach Aarhus in Dänemark zum Jagdverband der dänischen Jäger gefolgt.

Warum die Ausbildung am lebenden Fuchs in Dänemark verboten ist

2016 wurde im dänischen Tierschutzgesetz, Paragraf 16, geregelt, dass es Privatleuten in Dänemark verboten ist, Füchse zu halten. Und so war von dem einen auf den anderen Tag auch die Ausbildung am lebenden Fuchs in Schliefenanlagen nicht mehr möglich. Bis dahin konnten die Jägerinnen und Jäger ihre Hunde, analog zu Deutschland, in Schliefanlagen trainieren. Die Ausbildung fand mit Schieber, also ohne direkte Kontaktmöglichkeit zwischen Hund und Fuchs statt. Alternativ war auch die Ausbildung am Fuchs in der Schliefenanlage ohne Schieber, also mit direktem Kontakt zum Rotrock zulässig.

Bauhunde-Ausbildung in Dänemark nicht gesetzlich geregelt

Anders als in Deutschland ist die Ausbildung der Bauhunde in Dänemark nicht gesetzlich geregelt. In Deutschland sieht das Jagdgesetzt vor, dass ausschließlich brauchbare, also geprüfte Hunde zur Jagd eingesetzt werden. Für Bauhunde ist bei uns daher auch die Prüfung in einer Schliefanlage vorgeschrieben. Hintergrund für diese gesetzliche Regelung ist das deutsche Tierschutzgesetz – denn wir Jägerinnen und Jäger sind verpflichtet, tierschutzgerecht zu jagen, um jegliches Tierleid gegenüber dem Wild und unseren Hunden abzuwenden oder zu vermeiden. Auch an dieser Stelle gibt es klare Unterschiede zu Dänemark. Die Dänen prüfen seit 2016 auf Freiwilligenbasis die Veranlagung ihrer Bauhunde im Kunstbau am SIM-Fox. Sofern der Hund gut einschlieft und am Ende des Tunnelsystems am Kunstfuchs Laut gibt, hat er den ersten Teil der freiwilligen Prüfung bestanden. Die zweite Prüfung erfolgt im direkten Jagdeinsatz am lebenden Fuchs. Macht der Vierbeiner seine Arbeit im Bau gut, bestätigt man dem Hund, dass er jagdtauglich ist. Macht der Hund seinen Job schlecht, gibt es eine Empfehlung, diesen Hund lieber nicht zur Jagd einzusetzen. Wenn der Hundehalter es aber anders sieht, kann ihm dennoch der Einsatz seines Hundes am Bau nicht verboten werden. Übrigens darf in Dänemark jeder Hundehalter kleiner Rassen eine solche Ausbildung machen – auch Nichtjäger.

„Durch die Methode SIM-Fox können zwar das Einschliefen des Hundes, also das Annehmen eines Bausystems, sowie das Verbellen und das Abrufen des Hundes simuliert werden, nicht aber die für eine tierschutzgerechte Jagdausübung zwingend notwendigen natürlichen Verhaltensweisen von Hund und Fuchs. Auch das Einüben von Verhaltenskorrekturen des Hundes ist bei einer mechanischen Attrappe nicht möglich, ebenso wenig wie die Zucht- und Anlagenprüfung der Jagdhunde – eine der Säulen der Ausbildung von Jagdhunden – da das natürliche Verhalten des Hundes nicht überprüft werden kann. Dies ist aber ein entscheidender Punkt in der Ausbildung von Jagdhunden, der den Tierschutzgedanken sowohl für den Hund als auch für den Fuchs sicherstellt. Studien, die eine Gleichwertigkeit der Ausbildung nach der SIM-Fox-Methode mit der Ausbildung in Schlieflangen belegen würden, fehlen gänzlich“, sagt Ernst-Dieter Meinecke, Vizepräsident der Landesjägerschaft Niedersachsen.

Die dänische Schliefanlage

Die präsentierte Anlage in Aarhus ist ein oberirdisches Bausystem im Viereck-Format, bestehend aus Siebdruckplatten. Zum Einschliefen stehen dem Hund verschiedene Eingänge zur Verfügung, nicht alle führen zum Kunstfuchs. Der Everfox besteht aus reiner Mechanik in Fuchsoptik, die Bewegungen des Fuchskopfes sind maschinell hakelig.

Der SIM-Fox ist mit einem Fuchsbalg überzogen und sieht aus wie ein bewegliches Präparat. Während der Testphase wurde an dem Präparat mit einem speziellen Fuchsduft gearbeitet. Dieser wird aber schon seit einigen Jahren weggelassen, da die Hundeausbilder festgestellt haben, dass der Einsatz keinen Erfolgsunterschied bei dem Training am Kunstfuchs macht. Während der Vorführung wurden verschiedene Rassen vor dem Publikum eingeschlieft, darunter ein Teckel und ein Parson Russell Terrier. Die Hunde waren sehr gut auf den Kunstfuchs konditioniert und haben den SIM-Fox nicht nur schnell gefunden, sondern auch klassisch verbellt. Es wurde im Rahmen der Präsentation auch ein Junghund an die Anlage gewöhnt, der mit der Situation recht zurückhaltend umgegangen ist. Spannend bezüglich der Ausbildung war, dass alle Hunde als Erfolgsbestätigung unmittelbar am Fuchs über den geöffneten Deckel aus der Anlage geholt und gelobt wurden. Diese Bestätigung soll in dem Zusammenhang besonders wichtig sein. Fraglich ist, wie diese Bestätigung am echten Bau auf Augenhöhe mit einem Fuchs stattfinden soll. Auf die Frage hin, ob es seit Einführung des neuen Systems bei den Bauhunden zu mehr Verletzungen beim Erstkontakt mit einem Wildtier gekommen sei, wurde dies verneint.

Das Deutsche Tierschutzgesetz

Das deutsche Tierschutzgesetz gilt als das wohl schärfste Tierschutzgesetz weltweit. Es ist an das deutsche Jagdgesetz und im übertragenen Sinne an die Jagdhundeausbildung und alle Prüfungsordnungen angelehnt. Über Jahrzehnte wurde die Hundeausbildung immer wieder an das Tierschutzgesetz angepasst – stets mit dem Gedanken, den Tierschutz so gut wie möglich im Sinne der Wildtiere und der Jagdhunde umzusetzen und stets Tierleid zu vermeiden. Auf dessen Höhepunkt soll das Rad durch die Politik nun neu erfunden werden.

„Die Anwendung des System SIM-Fox bedeutet, dass der erste tatsächliche Kontakt zwischen Jagdhund und Fuchs beim ersten jagdlichen Einsatz entsteht. Dies ist unter Tierschutzgesichtspunkten sehr viel bedenklicher als unter kontrollierten Bedingungen in der bewährten Form der Schliefanlage. Ein direkter Kontakt zwischen Fuchs und Hund ist in diesen Anlagen schon seit vielen Jahren bauartbedingt ausgeschlossen, dennoch erlaubt dieses System die Simulation und Nachbildung des natürlichen Aufeinandertreffens unter realen Bedingungen, bei gleichzeitiger Möglichkeit des Hundeführers, das Verhalten des Jagdhundes zu prüfen und Lernprozesse zu steuern. Schliefanlagen und die Haltung von handaufgezogenen Füchsen sowie die Ausbildung der Jagdhunde unterliegen schon heute strengen Vorgaben, die in regelmäßigen Abständen von den Veterinärämtern der Landkreise kontrolliert und überprüft werden. Gerade aus Sicht des Tierschutzes stellt die SIM-Fox-Methode daher aus fachlichen Gründen keine Alternative zur bewährten Ausbildung in der Schliefanlage dar“, sagt Karl Walch, Präsident des Jagdgebrauchshund Verband e.V. (JGHV) ​ 

Wulf-Heiner Kummetz