Politische Spitze
Ausflug nach Dänemark
Dass Politiker kreativ sein können, wissen wir längst. Zu intensiv betrieben kann diese Eigenschaft auch zur Leidenschaft werden. Worum geht es? Gleichwohl es augenscheinlich ruhig um die Novellierung des Landesjagdgesetzes geworden ist, wird in den Schreibstuben des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) weiterhin an Lösungen gearbeitet, um doch noch gute Argumente zu finden, warum die Baujagd in Niedersachsen verboten werden muss. Fakt ist: Die Koalition ist seit dem 8.11.2022 im Dienst, die Halbzeit bereits um, das Ministerin steht ein Stück weit unter Druck. Und so gab es für Vertreterinnen und Vertreter der Politik, der Verwaltung, der Jagd und der Jagdgegner eine Busreise nach Dänemark, genauer gesagt nach Aarhus, zum Dänischen Jagdverband. Es ging dabei um kein geringeres Thema als den Roboter-Fuchs, in Fachkreisen auch SIM-Fox genannt. Dieser könnte, nach Vorstellungen der Landwirtschaftsministerin Staudte, in Zukunft den lebenden Fuchs in der Schliefanlage ersetzen und die Jagdhundeausbildung in Niedersachsen, vielleicht sogar in Deutschland revolutionieren. Ganz nach dem dänischen Vorbild und im Sinne des Tierschutzes. Die PR-Strategie des Ministeriums schien zumindest in Teilen aufzugehen. Denn dank des Sommerlochs haben recht viele Medien – quasi ungeprüft oder durch wenig Fachwissen – die Pressemeldung des ML zu dem Thema veröffentlicht.
Entscheidende Details, warum lebende Füchse in Dänemark seit 2016 nicht mehr für die Hundeausbildung eingesetzt werden dürfen, fehlten. Ebenfalls wurde auch nicht darüber aufgeklärt, dass das Jagdgesetz in Dänemark so gar nichts mit dem deutschen Jagdgesetz überein hat, gleichwohl genau dies unsere dänischen Jagdfreunde in ihrer Präsentation vor Ort immer wieder betont haben.
Die dänischen Jägerinnen und Jäger sind nicht wirklich glücklich mit der Ausbildung am SIM-Fox. Aber es ist für sie die einzige Alternative, die ihnen noch für die Ausbildung ihrer Hunde zur Verfügung steht. Was die Ministerin in ihrer Presseinformation auch nicht verraten hat, ist die Tatsache, dass der erste Kontakt mit einem lebenden Fuchs im Bau in Dänemark immer unter Jagdbedingungen stattfindet. Erfahrene Bauhunde-Führer wissen: Was diese Jagdmethode am Ende mit Tierschutz gemein hat, bleibt fraglich. Mit dem Bundesjagdgesetz, in dessen Kern der Tierschutzgedanke ganz oben verankert ist, in dem deutlich steht, dass nur geprüfte Hunde zur Jagd eingesetzt werden dürfen, hat der Gedankenansatz, lediglich einen Kunstfuchs zur Hundeausbildung zu nutzen, gar nichts mehr gemein. Fraglich bleibt in diesem Zusammenhang am Ende auch, ob all dieses Hintergrundwissen, immerhin war das Ministerium schon zum zweiten Mal Gast beim Dänischen Jagdverband, in Zeiten knapper Haushaltskassen eine solche Reise überhaupt rechtfertigen kann. Einen Besuch einer Schliefenanlage in Niedersachsen oder sonst wo in Deutschland hat die Ministerin bisher kategorisch abgelehnt. Augenscheinlich sind zur fachgerechten Meinungsbildung Ausflüge zum Simfox nach Dänemark zielführender, als sich, gemeinsam mit der LJN, Schliefanlagen in Niedersachsen anzusehen.
Waidmannsheil
Wulf-Heiner Kummetz