ASP auf dem Vormarsch
Was die niedersächsischen Jägerinnen und Jäger beachten sollten
Derzeit ist die ASP in mehreren europäischen Ländern aktiv, darunter Polen, Ungarn, Rumänien und Bulgarien. Besonders in den osteuropäischen Ländern sind die Infektionszahlen hoch, was die Gefahr einer Ausbreitung nach Westen erhöht. Auch in Deutschland wurden in den letzten Jahren immer wieder Fälle bei Wildschweinen gemeldet, vor allem in den Bundesländern Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt, zuletzt in Hessen und Nordrhein-Westfalen. Die Behörden arbeiten intensiv daran, die Ausbreitung einzudämmen und die Populationen zu überwachen.
Für Jägerinnen und Jäger und alle, die mit Wildschweinen in Kontakt kommen, ist es wichtiger denn je, sich über die Risiken und Schutzmaßnahmen im Klaren zu sein. Denn nur durch verantwortungsvolles Handeln können wir dazu beitragen, die Verbreitung der ASP zu verhindern und unsere Wildbestände zu schützen.
„Ein ASP-Ausbruch in Niedersachsen hätte nicht nur große wirtschaftliche Konsequenzen für die betroffenen Betriebe, sondern wäre auch mit großem Tierleid verbunden. Deshalb müssen wir alles dafür tun, um die Einschleppung des Virus zu verhindern. Parallel arbeitet mein Haus fortlaufend an Lösungen, um die Folgen bei einem möglichen erneuten Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Niedersachsen so gut wie möglich abzufedern“, sagt Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte.
Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V., ergänzt: „Die Jägerinnen und Jäger in Niedersachsen sind seit Jahren für das Thema ASP sensibilisiert. Das bedeutet, dass wir nicht nur das Schwarzwild intensiv bejagen, sondern auch höchste Wachsamkeit in Bezug auf die Präventionsmaßnahmen walten lassen. Am Ende gilt es insbesondere auch den Transitverkehr zu informieren und aufzuklären, denn bereits ein unachtsam weggeworfenes Wurstbrötchen, in dem das Virus steckt, kann schon zur Verbreitung der Seuche beitragen“.
In Niedersachsen unterstützt die Landesjägerschaft die ASP-Prävention durch eine intensive Bejagung des Schwarzwildes, durch die Teilnahme an der ASP-Sachverständigengruppe des Landes sowie durch die kontinuierliche Information der Jägerinnen und Jäger über die Präventions- und Biosicherheitsmaßnahmen. Zudem beteiligen sich die niedersächsischen Jägerschaften an den regelmäßig stattfindenden Übungen auf Landkreisebene und bringen dort ihre Expertise ein. Auch verstärkte Fallwildsuchen und das Beproben von Schwarzwild gehören zu diesen Präventionsmaßnahmen.
Für Jägerinnen und Jäger, die außerhalb Niedersachsens zur Jagd gehen, gilt:
Grundsätzlich sollten Jagdeinsätze in Regionen, die an die eingerichtete infizierte Zone in Hessen und Rheinland-Pfalz angrenzen, vermieden werden. Das trifft auch auf Regionen in Brandenburg und Sachsen zu, in denen der ASP-Erreger weiterhin in der Wildschweinpopulation vorhanden ist. Dort erlegtes Schwarzwild sollte erst nach einem negativen Test auf Afrikanische Schweinepest nach Niedersachsen gebracht werden. Es gilt darauf zu achten, dass unter anderem auch Waffen, Kleidung und Jagdhunde desinfiziert bzw. gewaschen werden. Weitere Jagdeinsätze sollten frühestens nach zwei Tagen erfolgen. Da das Virus sehr stabil ist, bleibt es in der Umwelt sehr lange infektiös und kann durch bestimmte Fleischprodukte, aber auch durch kontaminiertes Futter, Fahrzeuge, Kleidung oder Werkzeuge übertragen werden.
Der aktuelle Stand der Impfstoffentwicklung
Wissenschaftler arbeiten weltweit intensiv an der Entwicklung eines Impfstoffes. Gegenwärtig werden diverse Ansätze getestet, darunter sowohl lebende, attenuierte Viren als auch genetisch modifizierte Vakzine. Einige dieser Kandidaten haben bereits in Labor- und Feldversuchen vielversprechende Ergebnisse gezeigt, insbesondere in Bezug auf die Immunantwort bei Schweinen und die Fähigkeit, die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Vietnam ist das weltweit einzige Land, in dem bereits ein Impfstoff gegen die ASP eine Zulassung erhalten hat, weitere stehen vor der Zulassung. Das bereits zugelassene Vakzin soll eine Sicherheit von 80 bis 100 Prozent bieten. Allerdings fehlen für eine Zulassung in Europa wesentliche wissenschaftliche Ergebnisse.
Auch das Friedrich Löffler Institut arbeitet mit Hochdruck an einer Lösung, um die ASP zu stoppen: „Einen oral applizierbaren Impfstoff für den europäischen Markt verfügbar zu machen, ist daher das Ziel des neuen EU-geförderten, internationalen Kooperationsprojekts ASFaVIP (African Swine Fever attenuated live Vaccines In Pigs) unter der Leitung von PD Dr. Sandra Blome des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI)“, so das FLI.
Herausforderungen bei der Zulassung
Trotz der Fortschritte ist die Entwicklung eines sicheren und effektiven ASP-Impfstoffs komplex. Es müssen strenge Tests erfolgen, um Nebenwirkungen auszuschließen und die Wirksamkeit nachzuweisen. Zudem ist die Frage, wie der Impfstoff in der Praxis eingesetzt werden kann, noch offen: Soll er nur bei Wildschweinen oder auch bei Hausschweinen angewendet werden? Und wie lässt sich eine großflächige Impfung in der freien Wildbahn umsetzen?
Wann könnte der Impfstoff in Deutschland und Europa zugelassen werden?
Derzeit befinden sich einige Impfstoffkandidaten in den letzten Phasen der Zulassungsprüfung. Experten schätzen, dass eine Zulassung in Europa frühestens in den nächsten ein bis zwei Jahren möglich sein könnte, vorausgesetzt, die klinischen Studien verlaufen erfolgreich und die behördlichen Genehmigungsverfahren werden zügig durchlaufen. Bis dahin gilt, alle beschriebenen Sicherheitsvorschriften nicht nur ernst zu nehmen, sondern auch umzusetzen.
Hintergrund:
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine für den Menschen ungefährliche, aber für Schweine in der Regel tödliche Seuche. Durch den Verzehr von (Wild-)Schweinefleisch können sich Menschen nicht anstecken. In Niedersachsen war die Seuche im Juli 2022 im Landkreis Emsland in einem schweinehaltenden Betrieb ausgebrochen. Trotz intensiver Untersuchungen und Nachforschungen konnten weder der Eintragsweg des Virus noch die Herkunft des Erregers nachgewiesen werden. Das Geschehen war am 5. Oktober 2022 beendet.
Unter Leitung des ML und der Geschäftsführung des LAVES wurde in Niedersachsen bereits im Jahr 2014 eine niedersächsische ASP-Sachverständigengruppe eingerichtet. Diese multidisziplinär besetzte Arbeitsgruppe befasst sich intensiv mit Vorbereitungen auf ein mögliches ASP-Geschehen bei Wildschweinen in Niedersachsen. Mit der Schlacht-, Verarbeitungs- und Vermarktungswirtschaft befindet sich das ML im Austausch, um im Ausbruchsfall die Abnahme von Schweinen zur Schlachtung und die Verarbeitung und Vermarktung weiter zu verbessern. Außerdem finden regelmäßig Tierseuchenübungen statt. In diesem Jahr ist wiederum eine Übung zur Bekämpfung der ASP geplant. Zudem soll erstmalig eine Übung stattfinden, an der auch die Schlacht-, Verarbeitungs- und Vermarktungswirtschaft teilnehmen soll.
LJN/Wulf-Heiner Kummetz