Europa hat gewählt

Aus Sicht von uns Jägerinnen und Jägern hätte die Europawahl wohl kaum besser laufen können. Im Rahmen der DJV-Wahlprüfsteine konnten sich alle etab- lierten deutschen Parteien vor der Wahl zum Thema Jagd äußern. Dabei kris- tallisierte sich recht eindeutig heraus, welche Parteien sich für die Jagd stark machen wollen und welche zu unserem gelebten Naturschutz in Zukunft eine gänzlich andere Auffassung haben.

Ob sich diejenigen, die in das Europa-Parlament gewählt wurden, nun tatsächlich für unsere Belange stark machen werden, wird die Zeit zeigen. So oder so ist klar, dass es unzählige Themen zum Thema Jagd gibt, die unmittelbar an das europäische Recht gekoppelt sind und für die es kaum noch „regionale“, also nationale Lösungen, geben wird.

Losgelöst der Jagd zeigt die Europawahl vielleicht auch ein Stück weit, dass sich die Europäer politisch gesehen viel stärker einig sind, als man vermutet. Denn im Gesamt- ergebnis der Europawahl weichen die Zahlen der gewählten Parteien, zumindest was das deutsche Wählerverhalten angeht, nur um einige Prozentpunkte nach oben und nach unten ab.

Verlierer auf EU-Ebene sind die Grünen (EFA), die am Ende bei 7,2 Prozent her- auskommen, ebenso wie die Fraktion der Sozialdemokraten (S&D), die im Vergleich zur vorausgegangenen Wahl ebenfalls Stimmen eingebüßt haben und nur noch auf
18,2 Prozent der abgegebenen Stimmen gekommen sind. Die Christdemokraten (EVP) konnten ihren Vorsprung auf 25,8 Prozent ausbauen. Tatsächlich liegt die Fraktion des rechten Flügels (EKR) bereits bei 18,2 Prozent. Mindestens diese Zahl sollte aufhorchen lassen und uns nachdenklich stimmen.

In Deutschland ist unsere Bundesregierung durch das Wahlergebnis denkwürdig ab- gekanzelt worden. Bei einem Gesamtergebnis der Drei-Parteien-Koalition in „Höhe“ von 31 Prozent kann auch nicht mehr nur von Protestwählern gesprochen werden, die gegen diese Koalition gewählt haben. Vielmehr ist dieses Wahlergebnis richtungswei- send und quasi eine Abwahl. Zudem ist es ein Zeichen dafür, wie stark die Bürgerinnen und Bürger das Vertrauen in unsere Politik verloren haben. Dass eine „Volkspartei“ wie die SPD mal einen Wert von unter 14 Prozent „erreichen“ würde, hätte wohl keiner von uns gedacht.

Wie wichtig eine nachhaltige Vertrauensbildung in der Bevölkerung ist, wissen wir Jägerinnen und Jäger ganz genau. Denn nur ein gutes Vertrauensverhältnis außerhalb der Jagd ermöglicht es uns überhaupt, dass wir der Bevölkerung mit Sinn und Verstand erklären können, warum wir jagen gehen. Vertrauen zu erhalten bedeutet auch, dass man in der Lage ist, für die Gesellschaft Verantwortung übernehmen zu können. Wir machen das, Tag für Tag, indem wir nach den Grundsätzen der deutschen Waidgerech- tigkeit, im Sinne des Landesjagdgesetzes und des Landesnaturschutzgesetzes handeln und verbindlich für den Tier- und Naturschutz eintreten. Würde sich der eine oder an- dere Politiker ein Beispiel an uns nehmen, würden die Wahlergebnisse wahrscheinlich in ganz andere Richtungen ausschlagen. Wulf-Heiner Kummetz

Wulf-Heiner Kummetz