Traditionelles Frühstück im Jagdbezirk Stiepelse I

Am 07.04.24 vor Beginn der neuen Hege-und Jagdsaison hatte Wilhelm Kruse aus Dahlenburg, Pächter des Jagdreviers Stiepelse I im Amt Neuhaus, in einem größeren Rahmen zum traditionellen Frühstück eingeladen. Ein Grund, es hatte sich mit 12 jungen Leuten die Jagdhornbläsergruppe „Elbhornbläser Amt Neuhaus“ gegründet, und somit ein Stück Kulturgut mehr im Amt Neuhaus.

Wilhelm Kruse begrüßte besonders den Kjm Hans-Christoph Cohrs, den Vorsitzenden der Jägerschaft Lüneburg Christoph Lütgens, den Hegeringleiter von Neuhaus Klaus Richter, den Vorstand der Jagdgenossenschaft Norbert Voß, Kordula Lemke und Steffan Resch. Heide-Marie Gaede wurde feierlich aus dem Vorstand verabschiedet. Wichtig für ihn war die Einladung seines Vorpächters Harald Schulze aus Hamburg, 98-jährig in geistiger Frische, der sich besonders freute, sowie seine Mitheger und Jäger. Die Jagdhornbläser erfreuten die Gäste mit ihren Klängen vor der alten Schule, gegenüber der Kirche, in der gerade ein Gottesdienst stattfand. Die Besucher hatten extra die Tür aufgelassen und so drang dieser Hörnerklang in diese hohe Kirche. Die Besucher waren begeistert. Kirche und Natur gehören eben zusammen.

Während des ausgiebigen Frühstücks berichtete Wilhelm Kruse von den Problemen mit den Kolkraben, die in großer Anzahl an der Biogasanlage in der Nachbarfeldmark heimisch sind, und auch von wildernden Hunden, die Ihnen Sorge bereiten. Mit dem vermehrten Auftreten der Kolkraben, verließ ein Seeadlerpaar ihren Horst, der ca. 70/80 Jahre im Revier ansässig war. Der Stolz auf „ihren Seeadler“, während der Brut wurde hier nicht gestört, war damit verflogen. Oberstes Ziel ist die Bejagung des Raubwildes und der Nutrias. Es gab Jahre, in denen zum Deichschutz über 40 Nutrias erlegt wurden. Mit der scharfen Raubwildbejagung hat sich zu ihrer Freude der Fasanen- und Hasenbesatz verbessert. Als Folge des Hochwassers wurden nur 3 Wildschweine erlegt.

Anschließend berichtete Wilhelm Kruse zur Geschichte von Stiepelse, das etwa 700 Jahre alt ist. Für damalige Verhältnisse war es einer der wohlhabendsten Dörfer im Amt Neuhaus. Große Höfe, die Feldmark über 800 ha LN, schwerer Marschboden und bestes Grünland. Vor allem war die Hannoveraner Pferdezucht hier hoch entwickelt. Hier wurde im Jahre 1818 einer der ersten Deckstationen vom Landgestüt Celle eingerichtet. Es folgte im Jahre 1819 Konau, die im Jahre 1875 nach Haar verlegt wurde. Neben dieser legendären Station wurde Wilhelm Kruse geboren, und daher sein Pferdevirus. Im Jahre 1838 wurde eine Station in Bitter eingerichtet. In dieser Zeit grasten die Mutterstuten mit ihren Fohlen hinter jedem Hof. Ihr ganzer Stolz, wenn Stuten- und Fohlenschauen stattfanden, und ihre Pferde vorne im Ring trabten.

Am 01. Mai 1945 marschierte die amerikanische Armee in Stiepelse ein. Es gab Widerstand und einige Gehöfte wurden in Brand geschossen. In den Wiesen lagen etliche tote Soldaten. Am 01. Juli 1945 marschierte die rote Armee ein, dafür bekamen die Amerikaner einen Teil Berlins. Die Sowjetoffiziere veranlassten, dass die 12 Hengste der drei Stationen nicht mehr nach Celle zurückkehrten. Sie wurden dem mecklenburgischem Landgestüt Redefin übergeben. Die drei Gestütswärter, Weber aus Stiepelse, Growe aus Haar und Brockmüller aus Bitter kehrten traurigerweise ohne ihre geliebten Hengste nach Celle zurück. Die Redefiner Beschäler hatten die Sowjets in großer Zahl schon in Richtung Russland verladen. So waren es diese 12 Hengste, die die Mecklenburger Zucht wieder mit aufbauten. Die drei Stationen wurden nun bis 1951 von Redefin besetzt, und 1952 wurde mit der Einrichtung des Grenzsperrgebietes eine Station in Neuhaus eingerichtet. Die Pferdezucht wurde bis zur Vollkollektivierung 1960 weiterbetrieben. Pferde und Jagd gehören zusammen. Zum Schluss berichtete Wilhelm Kruse von einer schönen Erinnerung, als er vor 75 Jahren in der alten Schule zur Konfirmandenstunde ging, die Prüfung in der schönen Kirche zu Stiepelse stattfand, und die Konfirmation dann in der Neuhauser Kirche mit 92 Konfirmanden.

Zum Abschluss bedankte sich Kreisjägermeister Hans-Christoph Cohrs, auch im Namen aller Gäste, beim Gastgeber Wilhelm Kruse für die besondere Einladung, dem umfangreichen Frühstück und der Erzählung zur Stiepelser Dorfgeschichte, sowie den Jagdhornbläsern für die musikalischen Umrahmung. Für alle Gäste bleibt dieses vorbildlich organisierte Jagdfrühstück bei sonnigem Wetter in einem naturbelassenen, für viele Menschen unbekannten Dorf an der Elbe, in guter Erinnerung.

Christoph Lütgens