Erfassung übersommernder Gänse in Niedersachsen

Zählungen zur Bestandsentwicklung 

Die Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. initiierte in Kooperation mit dem Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover im Jahr 2014 die großräumige Erfassung der in Niedersachsen übersommernden Gänse, da hierzu bislang nur lückenhafte Informationen vorliegen. Dazu erfassen die Jägerinnen und Jäger vor Ort in zwei Zählungen Daten zu Vorkommen, Reproduktion und Bestandsentwicklung von Grau-, Kanada- und Nilgans.

In der ersten Zählung, die von Anfang Mai bis Mitte Juni durchgeführt werden soll, werden je Art die Altvögel und Gössel im Revier gezählt (Reproduktionszählung). Die zweite Zählung findet in Form einer Synchronzählung statt, dies soll Doppelzählungen durch abstreichende Gänse minimieren. Die Synchronzählung findet jedes Jahr am 3. Samstag im Juli statt, in diesem Jahr am 20.07.2024. Hierbei werden zur Ermittlung des Gesamtbestands alle Individuen der im Revier vorkommenden Arten erfasst, ohne zwischen Jung- und Altvögeln zu unterscheiden.

Seit Beginn der Sommerganszäh- lung beteiligten sich 22 % der niedersächsischen Reviere, hierbei ist zu betonen, dass auch die Rückmeldung aus Revieren ohne Gänsevorkommen äußerst wichtig ist für die Darstellung der räumlichen Verteilung der übersommernden Gänse.

Die Nilgans, die weniger stark an große Gewässer gebunden ist, ist am weitesten verbreitet. 2023 meldeten zur Reproduktionszeit 39 % der beteiligten Reviere ein Vorkommen, wobei in den letzten Jahren der Anteil der Reviere mit Nilgansvorkommen leicht zurückgeht. Der Bestand lag 2023 niedersachsenweit bei 1,5 Gänse/100 ha.

Graugänse kamen im Frühsommer 2023 in 31 % der Reviere vor, wobei die Ausbreitung derzeit stagniert. In den beteiligten Revieren wurde auf einer Fläche von rund 943.000 ha im Juli ein Gesamtbestand von 5,8 Gänse/100 ha erfasst.

Die Kanadagans hat sich in den letzten Jahrzehnten stark ausgebreitet, ist allerdings noch nicht so verbreitet wie Nil- und Graugans, da sie bevorzugt an siedlungsnahen Gewässern brütet. Bei leicht zunehmender Tendenz wurden 2023 aus 21 % der Reviere Kanadagänse gemeldet, woraus sich für Niedersachsen eine Bestandsdichte von rund 0,9 Gänse/100 ha ergibt. Regional erreichen alle drei Arten die höchsten Dichten in der Region Ostfriesland.

Da ornithologische Monitoringprogramme überwiegend die Gänsebestände in den Winterquartieren erfassen, stellt die Erfassung der übersommernden Gänse eine wichtige Ergänzung dar. Zwar werden seit einigen Jahren in Niedersachsen auch Zählungen der übersommernden Gänse durch die staatliche Vogelschutzwarte in Kooperation mit der Niedersächsischen Ornithologische Vereinigung (NOV) durchgeführt, doch kann durch die Abhängigkeit von der Mitarbeit ehrenamtlicher Erfasser trotz großen Engagements nur ein Teil der niedersächsischen Fläche bearbeitet werden. Durch die hier vorgestellte Sommerganszählung und die Unterstützung der ortsansässigen Jägerinnen und Jäger kann eine größere Flächenabdeckung erreicht und bei kontinuierlicher Akzeptanz ein dauerhaftes Monitoring etabliert werden, was die Grundlage für ein effektives Gänsemanagement darstellt. 

Weitere Informationen zur Gänseerfassung gibt's hier.

Inga Klages