Ein leises „Piepen“ in der Feldhuhnstation
Aktuell ist Kükenzeit in der Feldhuhnstation – Projektleiter Frank Roeles gibt einen Einblick in seinen Arbeitsalltag – vom Huhn über das Ei bis zum Schlupf der Küken.
Vor knapp zwei Jahren, im August 2022, hat die Feldhuhnstation der Landesjägerschaft Niedersachsen ihren Betrieb aufgenommen. Sie dient der Gensicherung und Aufzucht von autochthonen Reb- hühnern, um über die Nachzucht wieder neue Rebhuhnpopulationen aufzubauen bzw. die vorhandenen Besätze zu stüt- zen. Seither ist viel passiert. Jedes Jahr ab April herrscht in der Feldhuhnstation Hochbetrieb: Die Zeit der Eiablage unserer autochthonen Rebhuhnpaare rückt näher. Nachdem im letzten Jahr auch einige der für die Zucht vorgesehenen Paare aufgrund Platzmangels ausgewildert wurden, stehen derzeit drei Paare aus dem Jahr 2022 und acht „frische“ Paare aus dem Jahr 2023 in unseren Volieren. Sie werden täglich mit frischen Kräutern wie Klee, Hahnenfuß, Schafgarbe und Beinwell versorgt, um neben der Fütterung mit Spezialwildgeflügelfutter auch das Bedürfnis nach frischem Grün zu befriedigen. Daneben üben sich auch die Zwerghühner schon fleißig in ihrer Brutfertigkeit auf Kunststoffeiern.
Mit dem Legebeginn der Rebhühner – in unserer Anlage Anfang Mai – in der freien Wildbahn um den 10. Mai herum, beginnt für uns die heiße Phase: Jetzt zeigt sich, ob die Aufzucht der jungen Paare, die Verpaarung und die Fütterung der letzten Monate zu guten Legeleistungen und zu hohen Befruchtungsraten führen wird. Mit dem Monatswechsel kommen, wie erhofft, die ersten Damen in Legestimmung. In den folgenden Tagen steigen immer mehr Hennen mit ein. Die jungen Paare legen je nach „Reizbarkeitsschwelle“ unregelmäßig, d.h. schreckhaftere Individuen legen in der Regel weniger Eier. Die zweijährigen Hennen hingegen legen schnell regelmäßig und machen auch einen insgesamt ruhigen Eindruck. Ab der dritten Maiwoche legen alle Paare fast täglich ein Ei.
Von der Brut bis zum Schlupf in 24 Tagen
Bei der täglichen Runde durch die einzelnen Volieren wird nun neben der Begutachtung der Tiergesundheit auch nach den kleinen und teilweise gut ver- steckten Kalkmurmeln gesucht: Jedes Ei wird mit der Volierennummer beschriftet, um ggfs. später Rückschlüsse auf etwaige Probleme ziehen zu können. Gelagert werden die Rebhuhneier in einer Wanne mit Weizen, mit dem spitzen Ende nach unten zeigend und mit Getreide bedeckt. Mit dieser Lagerungsform der Bruteier haben wir in der Ver- gangenheit die besten Ergebnisse erzielt und nur einen überschaubaren Aufwand, da die tägliche Wendung entfällt.
Nach spätestens zehn Tagen erfolgt die Einlage der Bruteier in die Brutmaschinen. Bei 37,5 Grad Celsius, 45% relativer Luftfeuchte und regelmäßiger automatischer Wendung, entwickeln sich aus den befruchteten Eizellen langsam die kleinen Rebhühner. Nach sieben Tagen erfolgt das erste Schieren. Hierbei wird mit einer Lampe durch das Ei geleuchtet und unbefruchtete Eier werden entfernt und dokumentiert. Nach weiteren sieben Tagen erfolgt das zweite Schieren. Hierbei werden etwaige abgestorbene Embryonen entfernt. Wenn die ersten Küken dann am 22. Tag beginnen mit ihrem Eizahn die Schale aufzubrechen, werden alle Eier gemeinsam in eine weitere, andere Brutmaschine gelegt, in der das Klima für den Schlupf geeigneter ist. Bei 70% relativer Luftfeuchte trocknen die mit dem Schlupf beschäftigten Küken nicht so schnell an der Schale fest und der Schlupfvorgang wird erleichtert.
Hohe Schlupfraten
Unsere erste Einlage sah vielversprechend aus: Von den 14 wie oben beschrieben in die Weizenwanne eingelegten Eiern, blieben nach dem ersten Schieren 13 befruchtete Eier in der Maschine. Nach dem zweiten Schieren blieben wiederum elf lebende befruchtete Eier woraus zehn vitale Küken schlüpften, die dann einer erfahrenen Zwerghuhnglucke anvertraut werden konnten. Durch die Dokumentation wird auch schon erkennbar, dass vor allem ein Paar eine schlechtere Befruchtung erzeugt und ein anderes Paar die abgestorbenen beziehungsweise nicht geschlüpften Küken produziert hat. Auch wenn diese Zahlen im Ergebnis insgesamt gut aussehen, hoffen wir, dass die nächsten Einlagen sich noch besser entwickeln und wir an die ausgezeichneten Schlupfergebnisse des letzten Jahres anknüpfen können.
Frank Roeles