Die Jagd nach dem perfekten Partner

Welpe auf Arm
Foto: Julia Kauer

Wichtige Entscheidungen

Die Entscheidung für einen Jagd- hund ist nicht nur eine recht- liche und finanzielle, sondern auch eine emotionale. Die Frage, ob man sich einen Welpen, einen ausgebildeten Profi oder einen Quereinsteiger ins Haus holt, kann entscheidend für das zukünf- tige Zusammenleben und das gemein- same Jagderlebnis sein.

Welpen, ausgebildeter Profi oder Quereinsteiger? Wer passt zu mir?

Für viele Jägerinnen und Jäger ist der Gedanke an einen niedlichen Welpen, der voller Neugierde die Welt entdeckt, der Inbegriff für den Start mit ihrem Jagdbegleiter. Die Vorstellung, den Hund von Anfang an zu prägen und zu formen, um gemeinsam zu wachsen und zu lernen, ist verlockend. Doch diese Entscheidung erfordert Zeit, Geduld und eine hohe Affinität zu Tieren. Die Aus- bildung eines Welpen zum brauchbaren Jagdhund ist eine anspruchsvolle, aber auch erfüllende Aufgabe, die allerdings nicht unterschätzt werden sollte.

Auf der anderen Seite steht die Möglichkeit, einen bereits ausgebildeten und geprüften Jagdgebrauchshund zu erwer- ben. Der Kauf eines Profis bietet den Vorteil, dass der Hund bereits häusliche Spielregeln, Grundgehorsam und jagdliche Fähigkeiten beherrscht. Dies kann besonders für Jägerinnen und Jäger, die zeitlich eingeschränkt sind oder keine Erfahrung in der Hundeausbildung ha- ben, eine attraktive Option sein.

Ein weiterer Ansatz ist der Quereinstieg, bei dem bereits erwachsene Jagdhunde, die unter Umständen auch aus Nichtjägerhänden kommen, eine zweite Chance erhalten. Diese Hunde können in vielen Fällen durch gezieltes Training und Unterstützung zu verlässlichen Jagdbegleitern ausgebildet und geprüft werden und bieten oft eine alternative Möglichkeit für diejenigen, die keinen Welpen möchten, aber auch nicht den vollen Preis für einen professionell aus- gebildeten Jagdhund zahlen möchten. Diese Variante empfiehlt sich allerdings selten für unerfahrene Hundeführer, da konditionierte Verhaltensweisen des Hundes unter Umständen neu aufgebaut und umgelernt werden müssen.

Die finanzielle Seite: Kann ich mir einen Jagdhund leisten?

Die Anschaffung eines Jagdhundes ist nicht nur eine Frage der emotionalen Bereitschaft, sondern auch eine finan- zielle Überlegung. Bei einer Lebenser- wartung von durchschnittlich 12 Jahren

können bei einem mittelgroßen Hund die Gesamtkosten für den Jagdbegleiter schnell um die 20.000 Euro betragen. Unvorhergesehene Tierarztkosten auf- grund von Krankheit und Verletzungen oder zusätzliche Anschaffungen wie ein Hundezwinger können diese Summe noch weiter erhöhen. Bevor die Ent- scheidung für einen Hund getroffen wird, sollte daher eine realistische Ein- schätzung der finanziellen Belastung erfolgen.

Die Bedeutung eines Ausbildungsreviers

Ein weiterer, noch nicht berücksichtigter finanzieller Aspekt kann auch das Ausbildungsrevier sein. Dies ist unerlässlich für die erfolgreiche Ausbildung eines Jagdhundes. Doch nicht jeder angehende Hundeführer hat die Möglichkeit, ein Revier zu pachten oder zu nutzen. Dennoch ist es entschei- dend, während der Ausbildung und auch hinterher über ein Revier zu verfügen, in dem man mit dem Hund trainieren kann.

Jagdhundeausbildung ist Jagdausübung. Dies ist im Niedersächsischen Jagdgesetz geregelt. Somit ist es nicht erlaubt, in einem fremden Revier jagd- liche Aspekte wie Fährtenarbeit oder Spurarbeit mit dem Hund zu trainieren. Selbst Ausbildungskurse haben oft nur begrenzten Zugang zu Revieren und sind auf die Unterstützung von ver- ständnisvollen Revierinhabern angewie- sen. Dadurch können sie ihren Kurs-teilnehmern meist kein Übungsgelände außerhalb der Kurszeiten anbieten.

Es empfiehlt sich daher, bereits vor der Anschaffung eines Jagdhundes Kontakt zu Revierinhabern aufzunehmen, um abzuklären, ob die Ausbildung des Hundes in ihrem Revier möglich ist. Mit etwas Glück findet man einen Revier- inhaber, der selbst keinen brauchbaren Hund führen kann, aber gerne auf die Unterstützung durch den angehenden Hundeführer und seinen später geprüf- ten Hund zurückgreifen würde.

Die Verfügbarkeit eines geeigneten Ausbildungsreviers kann den Unterschied zwischen einer erfolgreichen und einer frustrierenden Ausbildung machen. Daher ist es ratsam, diese Frage bereits im Vorfeld zu klären und gegebenenfalls nach alternativen Lösungen zu suchen, um sicherzustellen, dass der Hund die bestmögliche Ausbildung erhält.

Die Entscheidung für einen Jagd- hund ist eine langfristige Investition in eine Mensch-Hund-Partnerschaft, die von gegenseitigem Vertrauen und einer guten Zusammenarbeit geprägt sein sollte. Durch eine gute Vorbereitung und das Auseinandersetzen mit essentiellen Fragen können Startschwierigkeiten vermieden werden. 

Elfi Johannmeyer

Elfi Johannmeyer – LJN-Referentin für Jagdhundewesen

 ...ist in Niedersachsen im Raum Walsrode in einer Jägerfamilie mit einem Deutsch Drahthaar aufgewachsen und besitzt seit 2012 den Jagdschein. Seit 2014 bildet Elfi ihre Hunde selbst aus und engagiert sich zusätzlich seit 2021 als Verbandsrichterin im JGHV. Bevorzugte Jagdarten: der abendliche Entenstrich, kleine Stokeljagden im heimischen Revier und eigentlich alles, was man mit unseren hoch- und kurzläufigen Jagdhelfern machen kann.