Politische Spitze
Im Mai 2022, als das momentan gültige niedersächsische Landesjagdgesetz reformiert und angepasst wurde. Die Politik lobte das Werk seinerzeit als eines der modernsten Landesjagdgesetze Deutschlands und beschloss es mit einer überwältigenden Mehrheit. Tatsächlich entstand dieses Paragraphenwerk vor allen Dingen auch durch den intensiven Austausch mit der Landesjägerschaft. Es wurde großen Wert darauf gelegt, dass die fachliche Expertise der gut 60.000 Mitglieder der LJN mit einfloss, was am Ende nur im Dialog möglich war.
Für Erstaunen hat dann der aktuell gültige Koalitionsvertrag gesorgt, der nur fünf Monate später durch die Bildung einer neuen Landesregierung entstanden ist. Darin wurde schriftlich eingeleitet, was seit Herbst diesen Jahres an Fahrt aufgenommen hat: Die Rede ist von Novellierung des gerade novellierten Landesjagdgesetzes.
Man versetze sich an dieser Stelle mal in die Rolle eines Bürgers, der von Jagd gar keine Ahnung, aber Verstand hat. Dieser könnte sich zurecht die Frage stellen, ob Politiker Langeweile haben. Oder aus welchem Grund sollten sehr gute, auf besten Tierschutz ausgelegte Gesetze sonst alle zwei Jahre neu verfasst werden?
Abgesehen davon, dass eine Gesetzesnovellierung aufgrund der juristischen Umfänglichkeiten auch sehr viel Geld kostet, binden solche Projekte extrem viel Zeit. Zudem werden durch die geplanten Gesetzesänderungen in diesem speziellen Fall rein ideologische Ansichten bedient, der Sache werden sie nicht helfen. Die Grundidee der Novellierung ist der Tierschutzgedanke, den man an dieser Stelle mit einem Beispiel gut beschreiben kann. So erzählt man sich im Landwirtschaftsministerium an höchster Stelle, dass jüngere Jagdhunde sich die Wasserarbeit an der lebenden Ente von älteren Hunden abgucken könnten. Wer glaubt, dass diese politische Arbeit noch etwas mit fachlicher Expertise zu tun hat, der denkt auch, dass die Erde eine Scheibe ist.
Die Waidgenossen in Niedersachsen, eine landesweite Interessensvertretung jagender SPD-Mitglieder, lehnen eine erneute Novellierung des Landesjagdgesetzes deutlich ab. Und das vor allem, weil es aus ihrer Sicht gar keinen Grund für eine Änderung gibt. Insofern wird klar, woher der Wind weht.
Es bleibt an dieser Stelle zu hoffen, dass sich die für die Novellierung zuständigen Politiker mit der Landesjägerschaft Niedersachsen in den Dialog begeben und ergebnisoffen zunächst die bestehenden jagdgesetzlichen Regelungen überprüfen, so wie es der Koalitionsvertrag vorsieht. Schließlich sind es die Jägerinnen und Jäger, die nicht nur einen Jagdschein ihr Eigen nennen können, sondern auch über die nötigen Fachkompetenzen verfügen und belegen können, dass die geplanten Änderungen des Landesjagdgesetzes weder dem Tierschutz, noch der Jagd zu Gute kommen werden.
Waidmannsheil
Wulf-Heiner Kummetz