Vom Jungjäger zum Deutschen Meister

Foto: Wildgeflüster/DJV

Kaderschütze Janik Ostergetelo berichtet über seine ​Zeit in der Junioren-Mannschaft, die Strategie des Trainers ​und den hollywoodreifen Weg zum Erfolg.

Alles hat seine Zeit, so geht es auch dem Juniorenschützen und amtierenden Junioren-Bundesmeister im Jagdlichen Schießen, Janik Ostergetelo. Er kommt aus der Grafschaft Bentheim und ist dieses Jahr 27 Jahre alt geworden. Dementsprechend endet damit jetzt seine Zeit bei den Junioren, er wechselt im kommenden Jahr in die Offene Klasse. Im Folgenden berichtet er, wie er die vergangenen Jahre mit seinen Mannschaftskollegen wahrgenommen hat:

"Ich habe 2013 mit 16 Jahren den Jugendjagdschein bei uns im Kreis gemacht und gehe bei meinem Vater mit, seit ich laufen kann. Die Passion Jagd wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Dabei bin ich über den Jagdschein hinaus immer mal wieder auf den Tontaubenstand gefahren. Damals immer nur Flinte, an alles andere habe ich mich noch nicht wirklich herangetraut. Wenn andere zur „Kreismeisterschaft“ gefahren sind, dann dachte ich stets: „Krass, müssen die gut schießen können“.

Und dieser Gedanke hat mich dann nicht losgelassen. Über die erste Kreismeisterschaft mit mittelmäßigem Erfolg, kam ich 2016 zu meiner ersten Bezirksmeisterschaft. „Wenn es gut läuft, kannst du heute vielleicht die silberne Leistungsnadel schießen“ sagten mir einige Mitjäger auf dem Weg zum Wettbewerb. Bis dato hatte ich von den Nadeln noch nie etwas gehört. Am Ende standen 330 Punkte auf dem Zettel und an meiner Schießweste hing sogar die goldene Nadel. Im Folgejahr konnte ich das Ergebnis bestätigen, womit ich sogar Bezirksmeister in der Juniorenklasse wurde. Unterstützt wurde ich anfangs dabei nicht nur von meinen Eltern, sondern auch ganz besonders von einem guten Freund der Familie, Arno. Er hat früher schon gemeint, dass mein Ehrgeiz unbedingt gefördert werden müsse und ist darum damals fast wöchentlich mit mir zum Stand gefahren.

Davon motiviert habe ich mich für die Junioren-Landesmeisterschaft angemeldet, die 2017 in Döllinghausen stattfand. Das erste Training lief miserabel. Wahrscheinlich war es Schicksal oder Dianas Werk? Denn geknickt von dem Ergebnis bin ich am Folgetag erneut auf den Schießstand gefahren und traf dort den damaligen Landesschießobmann. Dieser wiederum hat meine Handynummer an Ralf Müller (unseren aktuellen Trainer) geschickt, der sich montags direkt gemeldet und mich zum Training eingeladen hat. Funfact: Ich hatte vorher noch nie etwas vom Landeskader gehört und war dementsprechend baff. Und jetzt beginnt die Geschichte zu meiner Kaderzeit:

Wir haben in Niedersachsen die besondere Situation, dass wir aufgrund des großen Kaders immer mit zwei Mannschaften auf der Bundesmeisterschaft starten.

2018 ...war mein erstes, "richtiges" Kaderjahr. Ich hatte mir einen Platz in der 1. Mannschaft gesichert.

Kurz darauf ging es nach Freiburg zur Bundesmeisterschaft. Leider mit mäßigem Erfolg für mich selbst aber mit dem Sieg in der Mannschaftswertung. So wurde ich zum Streichkanditat, aber ein Streichkandidat mit Goldmedaille. Ich war „neu“ in der Truppe, hatte selbst hohe Erwartungen und war völlig nervös. Dementsprechend schlecht habe ich geschossen.

2019 ...war die Bundesmeisterschaft in Liebenau – „Heimspiel“!

Als Generalprobe fand zuvor das Vergleichsschießen der Länder statt, ein Wettbewerb mit allen Kadern aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Dieses Vergleichsschießen haben wir mir den Junioren haushoch gewonnen. Selbstsicher fuhren wir zum Bundeswettbewerb, konnten uns jedoch „nur“ den zweiten Platz sichern. Wir fühlten uns wie die geschlagenen Hunde – schließlich war es ja unser Heimspiel. Rückblickend betrachtet war dies eine sehr wertvolle Erfahrung. Fortan nahmen wir die Wettbewerbe deutlich ernster und haben uns immer wieder darauf besonnen alles zu geben.

2020 und 2021 fanden im Zuge der Corona-Pandemie keine Wettbewerbe statt.

2018 - 1. Platz in der Mannschaftswertung (Foto: Sebastian Kapuhs)

2022/2023/2024

Mit dem Jahr 2022 begann für uns teilweise eine neue Ära. In den zwei Jahren Corona pausierte zwar unser Schießen, aber nicht unser Alter. Dementsprechend schieden einige von uns aus dem Juniorenbereich aus. Die Mannschaft musste neu aufgestellt werden. Zudem haben wir auch unsere Trainingsstrategie angepasst.

Wir haben kaum noch klassische „Trainings“ geschossen, sondern viele Wettkämpfe. Wir waren vielerorts als Gastschützen auf Kreis- oder Bezirksmeisterschaften und haben unter Wettkampfbedingungen trainiert. Im Training gut schießen kann jeder, aber im Wettkampf Leistung abrufen – da trennt sich die Spreu vom Weizen. Und da kam Ralf Müller eine ganz besondere Rolle zu. Er hat sich im Hintergrund um alles gekümmert, alles organisiert und dann viel beobachtet. Aufgrund der Distanz zwischen unseren Wohnorten stand Ralf vor einer extremen Herausforderung: Aus diesem Haufen „lauter verschiedener Typen“ eine Mannschaft formen. Und das hat er über all die Jahre grandios gemeistert. Leistung war zwar immer ein wichtiger Punkt, am Ende des Tages entschied aber die Menschlichkeit. Er hat stets ein besonderes Gespür bei der Aufstellung der Truppe.

Und am Ende des Tages liegt genau darin das Erfolgsrezept der letzten Jahre. Aus Schießkollegen sind über die Jahre ernste Freundschaften entstanden. Vereint durch das Hobby lachen wir mittlerweile über unzählige schöne und gemeinsame Momente, die sich daraus ergaben. Vor allem die Abende nach unseren Turnieren sind auch Jahre danach noch immer der gemeinsame Nenner und wie Öl im Getriebe. Mittlerweile unternehmen wir auch abseits des Schießens eine Menge zusammen.

Und durch diese Harmonie schaffen wir es, uns gegenseitig besser zu machen. Einzeln schießt jeder von uns schon sehr gut, gemeinsam aber meistens noch ein bisschen besser. Und das Schöne: jeder gönnt jedem den Erfolg. Wer am Ende oben steht, ist völlig egal – Hauptsache es ist einer aus der Truppe.

Rückblickend über all die Bundesmeisterschaften hinweg bin ich vom Ergebnis her jedes Jahr besser geworden. Das liegt zum einen sicherlich an der Erfahrung, zum anderen aber auch ganz klar an der Mannschaft. Man wird zu jeder Zeit von den anderen getragen und immer wieder zu Höchstleistungen gepusht. Egal ob auf Landes- oder auf Bundesebene – es ist dieser gesunde Wettkampftrieb, der in jedem von uns schlummert und dadurch das Ganze erst möglich macht. Und so war es bei mir dieses Jahr auch. Ergebnistechnisch war es das Jahr meines Lebens –Bezirksmeister, Landesmeister aller Klassen und dann zum krönenden Abschluss auch noch Bundesmeister bei den Junioren. Der Titel, für den ich so lange gekämpft habe. Und eines ist sicher: all das wäre nichts wert ohne diese Truppe, unseren Ralf und den Freunden drumherum.

Und so endet meine Juniorenzeit 2024 genau auf dem Stand, wo 2017 alles anfing – in Garlstorf. Mit dem für mich vierten Mannschaftssieg und dem so lang ersehnten Ziel: Bundesmeister Junioren im Einzel. Ein schöneres Happy End hätte auch Hollywood nicht auf die Leinwand bringen können."

 Janik Ostergetelo